Deutscher Spott für die Schweizer Bundesliga-Legionäre

Am Freitag startet die neue Saison im deutschen Fussball-Oberhaus. Für die meisten der elf Schweizer wird es eine ganz schwierige Spielzeit.

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Das Schweizer Kontingent in der Bundesliga zählt elf Mann: Tranquillo Barnetta, Eren Derdiyok (beide Bayer Leverkusen), Diego Benaglio, Marwin Hitz (beide Wolfsburg), Mario Eggimann (Hannover), Beg Ferati (Freiburg), Mario Gavranovic (Schalke), Fabian Lustenberger (Hertha BSC), Timm Klose, Albert Bunjaku (beide Nürnberg) und Trainer Lucien Favre (Mönchengladbach). Frei von Sorgen ist vor dem Saisonstart am kommenden Wochenende aber keiner. Einige müssen sich sogar beissenden Spott gefallen lassen.

«Benaglio hält maximal noch die Klappe»

Mario Basler, 1996 Europameister mit Deutschland, hat sich in seiner «Bild»-Kolumne ganz besonders auf den VfL Wolfsburg eingeschossen. Nach dem schmachvollen 2:3 beim Viertligisten Rasenball Leipzig in der ersten Runde des DFB-Pokals stellt er der Wolfsburger Defensive ein vernichtendes Zeugnis aus: «Den Schäfer, den kannst du auch in der Nationalelf spielen lassen. Den Ochs und die anderen aber nicht mal an der Playstation. Der Arne Friedrich ist öfter verletzt als ein Hypochonder. Der Diego Benaglio hält maximal noch die Klappe.» Wolfsburg sei der «Schnupfen der Bundesliga», niemand wolle mit den farblosen Emporkömmlingen aus Niedersachsen etwas zu tun haben. Das Theater um Spielmacher Diego, der nach seiner Suspendierung durch Trainer Felix Magath eine Millionen-Abfindung fordert, belastet das Klima beim VfL zusätzlich.

«Die Aufbauarbeit von sechs Wochen ist nun kaputt»

Richtig schlecht ist die Stimmungslage auch bei Bayer Leverkusen. Der selbst ernannte Titelanwärter aus dem Rheinland kassierte beim aufopferungsvoll kämpfenden Zweitligisten Dynamo Dresden nach einer 3:0-Führung bis in die 68. Minute in der Verlängerung noch eine 3:4-Niederlage. Der neue Bayer-Trainer Robin Dutt sagte daraufhin auf der Pressekonferenz konsterniert: «Die Aufbauarbeit von sechs Wochen ist nun kaputt. Das ist hart.» Tatsächlich zeigten die Leverkusener zwar eine Stunde lang hervorragenden Kombinationsfussball, dem Willen der Dynamos hatten sie in der Schlussphase aber nichts entgegenzusetzen. Der Umstand, dass der Niedergang mit der Einwechslung von Michael Ballack begann, entfachte natürlich Diskussionen darüber, ob Dutt nicht besser ganz auf den früheren Captain der deutschen Nationalelf verzichten würde. Der Trainer nimmt Ballack noch in Schutz: «Die Mannschaft muss sich ab der 60. Minute kritisieren lassen. Er war ein Teil davon, aber nicht allein verantwortlich.» Barnetta, der gegen Dresden nicht zum Einsatz kam, scheint seinen Stammplatz im Mittelfeld fürs Erste verloren zu haben, Derdiyok sitzt Stefan Kiessling im Nacken, da Dutt nur mit einem Stürmer spielen will.

Feratis Albtraum-Einstand im Freiburger Trikot

Zu den Spielern, denen die «Bild»-Zeitung den wenig schmeichelhaften Titel «Pokal-Depp» verlieh, zählt der frühere Basler Beg Ferati. Der Verteidiger verschuldete bei seiner Pflichtspiel-Premiere für den SC Freiburg in der Schlussphase des Pokalspiels gegen den Drittligisten Unterhaching einen Foulpenalty, der die 2:3-Niederlage und damit das Ausscheiden der Breisgauer besiegelte. «Das war sehr enttäuschend. Wir müssen mehr reden. Wir müssen besser stehen. Wir müssen aggressiver werden», analysierte Ferati seinen schwachen Auftritt. «Wir hätten es nicht viel blöder machen können», befand SC-Manager Dirk Dufner. Der «Kicker» spottete, es sei nichts davon zu spüren gewesen, dass Ferati mit dem FC Basel dreimal Schweizer Meister wurde. Steht der Zuzug aus der Schweiz am Samstag gegen Augsburg erneut neben den Schuhen, dürfte sich die Kritik potenzieren.

Nürnberger Abstiegssorgen

Timm Klose und Albert Bunjaku müssen sich gewaltig strecken, um es beim 1. FC Nürnberg in die Startaufstellung zu schaffen. Ihr Klub hat zudem durch die Abgänge von Mehmet Ekici (zu Bremen) und Ilkay Gündogan (Dortmund), der als neuer Mesut Özil gilt, viel spielerische Klasse verloren. Die Zuzüge Daniel Didavi (Stuttgart), Tomas Pekhart (Sparta Prag) und Alexander Esswein (Dynamo Dresden) bringen viel Talent mit, aber nur wenig Erfahrung. Das erste Spiel gegen Fabian Lustenbergers Berliner Hertha hat bereits wegweisenden Charakter für den Klub, der bei den Wettanbietern hinter Augsburg, Freiburg und Kaiserslautern auf der Liste der potenziellen Absteiger Rang 4 einnimmt. Klose dürfte eher zum Zug kommen als Bunjaku, der sich noch immer mit einem Knorpelschaden herumplagt. Der U-21-Vize-Europameister stand im Pokal gegen Bielefeld sogar in der Startformation.

Favre gegen die übermächtigen Bayern

Lucien Favre, der den FC Zürich zweimal zum Meistertitel führte, sitzt bei Borussia Mönchengladbach fest im Sattel. Erst letzte Woche durfte er sich als Drittplatzierter der «Kicker»-Wahl zum Trainer des Jahres feiern lassen. Der Spielplan hat es mit Favre aber nicht gut gemeint: Seine Mannschaft muss zum Auftakt gleich beim Titelfavoriten Bayern München antreten und ist dort 10:1-Aussenseiter. Immerhin scheint der brasilianische Star Dante seine Abwanderungsgelüste ad acta gelegt zu haben. Zu mehr als dem Relegationsrang 16, den die Gladbacher in der vergangenen Saison im Endspurt erreichten, dürfte es aber allemal reichen.

Gavranovic hilft wohl nur ein Transfer

Schalke-Stürmer Mario Gavranovic muss sich wohl einen neuen Klub suchen, wenn er regelmässig zum Einsatz kommen will. Obwohl er beim 11:1 im DFB-Pokal gegen den Siebtligisten Teningen als Joker zwei Tore erzielte, eines davon auf besonders clevere Weise. Gavranovic lauerte hinter dem Torhüter der Teninger und reagierte sofort, als dieser sich den Ball zu weit vorlegte. Die Konkurrenz im Schalker Sturm ist enorm gross, zudem plant Trainer Rangnick nur mit einer Spitze, und die heisst Huntelaar.

Hannover 96, der Equipe von Mario Eggimann, wird es dagegen schwerfallen, den Exploit aus der letzten Spielzeit zu wiederholen. Obwohl die Niedersachsen alle Leistungsträger halten konnten, liegt wohl nicht mehr als ein Platz im oberen Mittelfeld drin. Die Dreifach-Belastung aus Europa League, Meisterschaft und DFB-Pokal wird an die Substanz gehen. Sie sollte aber auch einen positiven Effekt haben: Bewährungschancen für Eggimann, der zunächst nicht zum Stamm zählen dürfte.

Erstellt: 04.08.2011, 13:42 Uhr

Bundesliga

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