«Deutschland bleibt für mich EM-Favorit»

Der dreifache Schweizer Torschütze Eren Derdiyok fühlt sich nach dem Ende der Leidenszeit in Leverkusen befreit und macht den schwer geschlagenen Deutschen Mut für die Euro.

«Nach meinem Wechsel zu Hoffenheim konnte ich befreit auftreten»: Eren Derdiyok nach dem 5:3 gegen Deutschland. (Video: Sebastian Rieder)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

So dominant Eren Derdiyok beim historischen 5:3 gegen Deutschland aufgetreten war, so bescheiden fiel seine Matchanalyse aus. «Ich sehe keinen Grund, mich jetzt speziell feiern zu lassen, denn die Deutschen sind direkt aus dem Trainingslager angereist. Da war es klar, dass wir frischer sein würden», sagte der Stürmer, der mit drei Treffern der Schweizer Matchwinner war. «Wir sind als Team frech aufgetreten, ich habe nur die Belohnung dafür in Empfang genommen.»

Einen Teil seiner starken Leistung führte Derdiyok darauf zurück, dass für ihn das zuletzt unerfreuliche Kapitel Bayer Leverkusen beendet ist: «Ich habe einen Neuanfang gebraucht und konnte heute nach meinem Wechsel zu Hoffenheim befreit auftreten. ich bin überzeugt, dass ich dort mehr zum Einsatz kommen werde.» Für die ordentlich durchgeschüttelten Deutschen fand Derdiyok tröstende Worte: «Ich weiss, wie es sich anfühlt, wenn man direkt aus dem Trainingslager in ein Spiel gehen muss, sie sollten sich deshalb keinen Kopf machen. Für mich ist Deutschland neben Spanien noch immer Favorit auf den EM-Titel.»

Benaglios Sicht auf die Deutschen – und seine Worte zum Flop beim Gegentor

Torhüter Diego Benaglio schloss sich Derdiyoks Meinung an: «Es ist immer schön, wenn man als kleine Schweiz gegen Deutschland ein solches Resultat landen kann. Dennoch sind die Deutschen eine ganz grosse Mannschaft und einer der Topfavoriten auf den EM-Titel. Wir hatten auch das nötige Glück auf unserer Seite.» Zu seinem Flop beim zweiten deutschen Treffer wollte sich Benaglio nicht gross äussern: «Alles was ich sagen könnte, würde nach Ausrede klingen.»

Hitzfeld staunt und lobt

Der Schweizer Nationalcoach Ottmar Hitzfeld hob Derdiyok und Admir Mehmedi besonders hervor, als er sich auf der Pressekonferenz zur beschwingten Vorstellung seiner Equipe äusserte: «Ich freue mich, dass ich Eren und Admir das Vertrauen geschenkt habe, obwohl sie ohne Spielpraxis zum Team gestossen waren. Umso höher ist ihre Leistung einzustufen. Eren war zudem gestern angeschlagen, hat sich aber durchgebissen und für die Mannschaft gefightet.»

Hitzfeld machte kein Geheimnis daraus, dass der Sieg über die Deutschen für ihn unerwartet gekommen war. «Ich war überrascht, wie gut wir den Ball zirkulieren lassen konnten. Die zweite Halbzeit war für die Zuschauer fantastisch. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass wir nach den Toren für Deutschland so eiskalt zurückschlagen würden. Es war eine sensationelle Leistung meiner Spieler», gab der Coach zu Protokoll. Die Basis für den Erfolg der Schweizer Nationalmannschaft seien die ersten zwanzig Minuten gewesen, als sie gut verteidigt und bei den Standards des Gegners sicher gestanden habe. «Danach konnten wir uns befreien und sind immer besser ins Spiel gekommen. Wir haben die Lücken entdeckt, die im offensiven deutschen Team zwangsläufig entstehen mussten, dann ist es uns gelungen, schnell umzuschalten.»

Erstellt: 26.05.2012, 21:51 Uhr

Artikel zum Thema

Schweiz stürzt Deutschland in EM-Depression

Nach über fünf Jahrzehnten gewinnt die Schweiz wieder ein Länderspiel gegen Deutschland, und das gleich mit 5:3. Die DFB-Elf gibt kurz vor der EM ein chaotisches Bild ab. Auf Schweizer Seite überragen Eren Derdiyok und Tranquillo Barnetta. Mehr...

Derdiyok-Transfer in trockenen Tüchern

Eren Derdiyok wechselt innerhalb der Bundesliga von Leverkusen zu Hoffenheim. Der Schweizer Internationale erhält einen Vertrag bis 2016. Über die Höhe der Ablösesumme wurde Stillschweigen vereinbart. Mehr...

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Blogs

Geldblog Negativzinsen: Was soll das?

Mamablog Ach, diese Instagram-Muttis!

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Harter Einsatz: Ein Demonstrant wird in Santiago de Chile vom Strahl eines Wasserwerfers getroffen. Die Protestbewegung fordert unter anderem höhere Untergrenzen für Löhne und Renten, günstigere Medikamente und eine neue Verfassung, die das Grundgesetz aus den Zeiten des Diktators Augusto Pinochet ersetzen soll. (9. Dezember 2019)
(Bild: Fernando Llano) Mehr...