Die Basler Wiederholungstäter

Der FC Basel schärft seit Jahren sein internationales Profil – und gewann seit 2003/03 rund die Hälfte der Schweizer Punkte für den Uefe-Koeffizienten.

Die Schweiz jubelt mit dem FCB: Die Spieler verabschieden sich in London aus der Europa League.

Die Schweiz jubelt mit dem FCB: Die Spieler verabschieden sich in London aus der Europa League. Bild: Keystone

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Ist am Donnerstag gegen Chelsea die ganze Fussball-Schweiz hinter dem FC Basel gestanden? Haben sich alle ein rotblaues Wunder an der Stamford Bridge gewünscht? Vielleicht. Sicher ist: Es kann eigentlich gar keine andere Haltung geben, wenn der FCB die internationale Bühne betritt. Denn die ganze Fussball-Schweiz profitiert vom Klassenprimus vom Rheinknie, ja, ist fast schon auf ihn angewiesen. Denn kein anderer Club liefert so regelmässig seine Punkte für den Uefa-Koeffizienten wie der FCB – und kein anderer Club liefert auch nur annähernd so viele Zähler, die darüber bestimmen, wann und mit wie vielen Teams die Schweiz in die europäischen Wettbewerbe einsteigt.

Seit der FC Basel vor zehn Jahren erstmals an der Champions League teilnahm, hat er im Durchschnitt in elf Saisons ungefähr die Hälfte aller Schweizer Punkte für die Uefa-Fünfjahres-Wertung gesammelt. Will heissen: Der FCB ist ein Wiederholungstäter, er steuert regelmässig alleine so viele Zähler bei wie die jeweiligen anderen drei oder vier Schweizer Clubs zusammen.

Eine Übersicht zum FC Basel in Europa seit der Jahrtausendwende.

1. Neuland (1999 bis 2003)

20 Jahre vergehen, bis der FC Basel im Sommer 2000 wieder an einem europäischen Hauptwettbewerb teilnehmen darf. Bereits in der Saison zuvor hat er im UI-Cup unter dem neuen Trainer Christian Gross erste Achtungserfolge feiern können – nun betritt er quasi Neuland und stösst im Uefa-Cup nach einem Pflichtsieg gegen Folgore Falciano San Marino und einem denkwürdigen 4:4 im Rückspiel bei Brann Bergen bis in die zweite Runde vor. Dort bedeutet Feyenoord Rotterdam Endstation.

Die Folgesaison beginnt und endet europäisch im UI-Cup. Im Final scheitert der FCB an Aston Villa. Ein Jahr später ist das vergessen: Rotblau ist erstmals seit 22 Jahren Meister, eliminiert Celtic Glasgow und erlebt so seine Champions-League-Premiere. Es folgen rauschende Nächte. Basel setzt sich in einer Gruppe mit Valencia, Liverpool und Spartak Moskau durch, stösst unter die letzten 16 Mannschaften vor und spielt in einer neuerlichen Gruppenphase auch gegen Manchester United, La Coruña und Juven­tus Turin eine gute Rolle. Es ist der erste europäische Höhepunkt der neueren Zeitrechnung.

2. Konsolidierung (2003 bis 2007)

Während sich Rotblau unter Gross und mit Gigi Oeri zum nationalen Primus entwickelt, muss er sich europäisch vorerst mit dem Uefa-Cup begnügen. Nachdem er 2003/04 in der zweiten Runde gegen Newcastle United ausscheidet, bleibt er danach zweimal als Meister in der Qualifikation zur Champions League hängen, scheitert an Inter Mailand (2004) und Bremen (2005).

Trotzdem gelingt es ihm, sich europäisch zu konsolidieren: Beide Male erreicht er nach dem Aus die Gruppenphase des Uefa-Cups und überwintert. Bedeuten 2004/05 noch die Sechzehntelfinals Endstation (Niederlage gegen Lille), erleben die Basler im Folgejahr, dass auch der Uefa-Cup für Glücksgefühle und Dramen sorgen kann: Der FCB stösst via Monaco und Strasbourg bis in die Viertelfinals vor, wo er gegen Middlesbrough nach einem 2:0-Heimsieg in letzter Sekunde ausscheidet (1:4). Das hat Folgen: Im Saison-Endspurt fehlen Luft und Esprit, die Basler verlieren in der Finalissima gegen den FC Zürich mit dem Schlusspfiff die sicher geglaubte Meisterschaft.

Durchgeschüttelt vom Ereignis und den damit verbundenen Ausschreitungen folgt die für die Basler wohl schwierigste Saison der Neuzeit. Das zeigt sich auch europäisch. In der Gruppenphase des Uefa-Cups holt man zwei Punkte.

3. Kurswechsel (2007 bis 2011)

Dass das schwere Jahr ohne grösseren Schaden überstanden wird, liegt nicht zuletzt an Bernhard Heusler. Der Wirtschaftsjurist übernimmt beim FCB die Rolle des Krisenmanagers, der das rotblaue Schiff abseits des Rasens eloquent und besonnen in ruhigere Gewässer steuert. Parallel neigt sich die Ära Gross langsam dem Ende zu. Nach einer Uefa-Cup-Kampagne, die den FCB in die Sechzehntelfinals führt, qualifiziert sich der Zürcher mit den Rotblauen im Sommer 2008 zwar ein zweites Mal für die Champions League. Die Gruppe jedoch ist eine Nummer zu gross für den Vertreter der Super League: Gegen Barcelona, Sporting Lissabon und Schachtjor Donezk holt der FCB nur einen Punkt – immerhin im Camp Nou, was ein kleines Highlight ist.

In derselben Saison bleibt Basel ohne Titel und muss Gross als Konsequenz daraus und aufgrund atmosphärischer Störungen zwischen ihm und dem Team gehen. Es folgt ein Kurswechsel. Heusler, der inzwischen das Tagesgeschäft von Präsidentin Oeri übernommen hat, verändert gemeinsam mit dem neuen Sportkoordinator Georg Heitz die Club-Philosophie. Der neue Trainer soll deren Träger, nicht mehr aber deren Präger sein.

Diese Aufgabe wird Thorsten Fink übertragen. Das Erbe ist riesig, der nationale Erfolg durchschlagend. Europäisch beginnt derweil ein Steigerungslauf. 2009/10 ist die Gruppenphase der Europa League Endstation, wie der Uefa-Cup nun heisst. 2010/11 qualifiziert sich sich der FCB für die Champions League, wird in der Gruppe Dritter und scheitert danach in den Sechzehntelfinals der Europa League an Spartak Moskau.

4. Erntezeit (2011 bis ?)

Die gesammelten Erfahrungen tragen Früchte, die Fink kaum mehr erntet. Im Herbst 2011 zieht er gen Hamburg weiter. Mit ausschlaggebend für das Interesse der Norddeutschen ist ein grandioses 3:3 kurz zuvor bei Manchester United in der Gruppenphase der Champions League, in die der FCB erstmals direkt eingezogen ist. Heiko Vogel übernimmt und setzt zum Höhenflug an: Zwei Siege gegen Otelul Galati und ein Remis bei Benfica Lissabon sorgen dafür, dass die FCB-Spieler die Chance erhalten, in der letzten Runde Manchester United vor eigenem Anhang aus dem Wettbewerb zu kippen. Der FCB siegt 2:1 und steht in den Achtelfinals, wo er im Hinspiel gegen Bayern München einen viel beachteten 1:0-Heimsieg feiert, bevor er auswärts untergeht.

Die Europa-Kampagne 2012/13 be­inhaltet eine frühe Enttäuschung, als in den Playoffs gegen Cluj die Champions League verpasst wird. Und ein unglaublich spätes Ende. Was dazwischen liegt, ist Schweizer Fussballgeschichte.

Erstellt: 04.05.2013, 09:54 Uhr

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