Die Fifa als Profiteurin

Der Entscheid der Ethikkommission war zu erwarten gewesen. Er erleichtert das Leben der Fifa.

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18 Monate Untersuchung, 75 befragte Zeugen, 200'000 Seiten Material, ein Bericht von 430 Seiten, Kosten in Millionenhöhe, entsprechendes Brimborium. Und am Ende das, nur das: Der Richter der Ethikkommission der Fifa sieht keinen ausreichenden Grund, Russland die WM 2018 und Katar die WM 2022 wegzunehmen. Das Urteil überrascht nicht. Es ist zu erwarten gewesen. Hatte ernsthaft jemand erwartet, es lege sich einer mit Russlands Präsident Wladimir Putin an und nehme ihm ein Prestigeobjekt weg? Hat jemand geglaubt, die arabische Welt werde mit einem Nein zu Katar blossgestellt, gerade jetzt, da sie derart in Aufruhr ist?

Die Bewerber liessen nichts aus, um sich Stimmen zu sichern. Die Engländer zahlten Karibik-Funktionären ein Essen für 55'000 Dollar. Die Katarer sponserten einen Kongress der afrikanischen Konföderation für 1,8 Millionen Dollar. Für Ethikrichter ­Hans-Joachim Eckert ist das höchstens verwerflich, ja, aber keine Bestechung.

Keine neue Glaubwürdigkeit

Mit seinem Entscheid verstärkt Eckert das Bild von einer Kommission, die nie wirklich frei von der Einflussnahme durch den Weltfussballverband ­gewesen ist – von einem Verband, der sie ­grosszügig finanziert. Eckert bringt der Fifa keine neue ­Glaubwürdigkeit. Sie bleibt die Institution, die nicht willens ist, Korruption in ihrem Haus bis zum ­Äussersten zu bekämpfen.

Aber wenn es eine Profiteurin des gestrigen ­Entscheids gibt, dann ist es trotz allem diese Fifa. Sie ist endgültig befreit vom Zwang, sich nochmals mit der Vergabe der beiden Turniere befassen zu müssen. Das erleichtert ihr das Leben. Das ist das eine. Zum anderen braucht sie sich um ihren Ruf ohnehin nicht mehr zu sorgen. Der ist längst schon ruiniert, ­Reformprozess hin oder her.

Michael Garcia, der frühere New Yorker ­Mafiajäger, der den Fall untersucht hat, ist nun pikiert über die Empfehlungen Eckerts. Er attestiert ihm ­Unfähigkeit. Ein Hahnenkampf kündigt sich an. Und sonst? Die Fifa wird die Fifa bleiben, unerschütterlich über Zürich thronend.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.11.2014, 22:52 Uhr

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