Interview

«Die Politik nimmt ihm eine grosse Chance»

St. Gallens Keeper Daniel Lopar spricht vor dem Euro-League-Rückspiel in Moskau über die Visum-Probleme seines Teamkollegen Kristian Nushi. Er äussert sich auch zur Nationalmannschaft und seiner Zukunft.

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Daniel Lopar, Sie vereitelten im Spiel gegen den FCZ Sekunden vor Schluss auf einen Kopfball von Yassine Chikhaoui den Siegtreffer des FC Zürich. Wie fühlten Sie sich dabei?
Es war ein Reflex. Hätte ich eine solche Parade in der ersten Minute gemacht und wir hätten den Match dann doch noch verloren, würde ich jetzt nicht mit Komplimenten überschüttet. Man muss immer alles ein bisschen relativieren. Erfolg und Misserfolg liegen im Sport nahe beieinander.

Aber Sie wurden von den Experten zum Mann des Spiels im Letzigrund erklärt. Macht Sie das nicht ein bisschen stolz?
Was heisst schon Mann des Spiels. Ich bin stolz auf die Leistung unserer Mannschaft. Wir waren solidarisch untereinander. FCZ-Trainer Urs Meier sprach nach dem Spiel von einem starken FC St. Gallen und war schliesslich mit dem Punktgewinn hochzufrieden. Das war für uns das wahre Kompliment eines Experten.

Sie überzeugen seit zwei Jahren mit konstant guten Leistungen. Müssten Sie nicht endlich einmal ein Thema für die Nationalmannschaft werden?
Ganz ehrlich gesagt, nein. Da mache ich mir überhaupt keine Illusionen. Die Konkurrenz ist einfach zu gross. Basel hat mit Yann Sommer, GC mit Roman Bürki und YB mit Marco Wölfli herausragende Torhüter. Auch FCZ-Keeper David Da Costa lieferte gegen uns eine tolle Partie ab. Auch Guillaume Faivre von Thun überzeugt immer wieder. Im Ausland haben wir Diego Benaglio in Wolfsburg. Er bringt über Jahre seine Leistung und ist bei Ottmar Hitzfeld die unbestrittene Nummer 1. Wenn die Schweiz eines nicht hat, dann ist es ein Goalieproblem.

Ihr Vertrag läuft im nächsten Jahr aus. Dann könnten Sie den FC St. Gallen ablösefrei verlassen. Müsste sich der Club mit der Vertragsverlängerung nicht langsam beeilen?
Priorität hat für mich zurzeit nicht die Vertragsverlängerung. Im Vordergrund stehen einzig die tägliche Arbeit im Training und die vielen Spiele, die wir zurzeit haben. Wenn ich weiter meine Leistung bringe und ich mein Niveau halten kann, ergibt sich alles von selbst.

Am Donnerstag steigt das Rückspiel in den Europa-League-Playoffs bei Spartak Moskau. Was erwarten Sie nach dem 1:1 in St. Gallen?
Ich denke, dass die Russen ihr Potenzial noch nicht ganz abgerufen haben. Doch wir müssen uns im Nachhinein den Vorwurf gefallen lassen, dass wir im Spiel in St. Gallen zu viele Chancen vergaben. Das war schon fast grobfahrlässig. Spartak hätte sich nicht beklagen können, wenn wir die Mannschaft mit einer 1:3-Niederlage nach Hause geschickt hätten. Ich denke, dass unsere Chancen auf die Gruppenphase intakt sind.

Ihr Teamkollege Kristian Nushi hat für Russland kein Visum erhalten, weil er nur den kosovarischen Pass besitzt, Russland den Kosovo aber nicht als unabhängigen Staat anerkennt. Wie denken Sie darüber?
Ich finde es äusserst schade, dass die Politik Einfluss auf den Sport nimmt. Politik hat im Sport nun wirklich überhaupt nichts zu suchen. Kristian hätte gerne ein weiteres Mal auf der internationalen Bühne gespielt. Man nimmt ihm eine grosse Chance.

Erstellt: 27.08.2013, 12:28 Uhr

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