Die Woche der Wahrheit für Paulo Sousa

Der Nachfolger des zweifachen Meistertrainers Murat Yakin in Basel gibt Rätsel auf. Viele Fans distanzieren sich bereits vom Portugiesen. Auch im Präsidium und bei den Spielern kommen offenbar erste Zweifel auf.

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Die Vereinsleitung des FC Basel um Präsident Bernhard Heusler und Sportdirektor Georg Heitz kam nach einer Analyse und einer Aufarbeitung der letzten Saison zur festen Überzeugung, dass Murat Yakin nicht mehr der richtige Trainer sei. Und so heisst der neue Mann seit dem 16. Juni Paulo Sousa, der Portugiese, der sogleich mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet wurde, obwohl dieser in seiner bisherigen Trainerkarriere erst bei wenig namhaften Clubs gearbeitet hatte. Immerhin gewann er mit Videoton den ungarischen Cup und mit Maccabi Tel Aviv die israelische Meisterschaft.

Inzwischen hat in Basel nach der anfänglichen Euphorie um Yakins Nachfolger in kürzester Zeit die Ernüchterung Einzug gehalten. Mit Sousa erreichte der FCB nämlich bisher genau das Gegenteil von dem, was der Club mit der einvernehmlichen Trennung von Yakin eigentlich hatte bewirken wollen. Die Mannschaft spielt unter dem Portugiesen alles andere als einen attraktiven Fussball. Und die Resultate stimmen auch nicht.

Sousa gibt fast nur Rätsel auf

Unter Sousa ist die Verteidigung des Meistertitels, den Yakin zweimal in Serie gewonnen hatte, in Gefahr. In der Gruppenphase der Champions League und sogar auch im Cup beim Challenge-League-Leader FC Wohlen am Mittwoch droht das vorzeitige Aus. Während man im Spiel von Murat Yakin einen klaren taktischen Plan ausmachen und eine Idee dahinter erkennen konnte, gibt Sousa fast nur Rätsel auf.

Er wechselt die Mannschaft und die Positionen nach Belieben, rotiert, als hätte er ein Kader gespickt mit Weltstars, wie Pep Guardiola es bei den Bayern zur Verfügung hat. Für Unverständnis und Unruhe sorgte Sousa auch, als er im Spiel gegen GC seinen Abwehrchef Fabian Schär bereits nach 36 Minuten aus unerfindlichen Gründen auswechselte und den Nationalspieler mit dieser Aktion blossstellte.

Das Spiegelbild des eigenen Trainers

Die Probleme kaschierte einzig der 1:0-Sieg in der Königsklasse gegen Liverpool, von dem sich die Verantwortlichen aber mittlerweile auch nicht mehr blenden lassen dürften. Denn danach folgten prompt die Niederlage in der Super League gegen St. Gallen, das glückhafte 1:0 bei YB, die Niederlage in der Champions League gegen Ludogorez und das schmeichelhafte 1:1 zu Hause gegen Sion, das in dieser Saison erneut gegen den Abstieg spielt.

Während der Spiele macht Sousa alles andere als einen souveränen Eindruck. Er fuchtelt wie wild und irrt in seiner Coachingzone herum. Und so konzept- und hilflos wirken auch seine Spieler, die am Samstag im Heimspiel gegen Sion das Spiegelbild ihres Trainers abgaben und mit dem Unentschieden noch gut bedient waren.

Der Zorn der Fans

Noch selten hat man FCB-Präsident Bernhard Heusler derart enttäuscht gesehen. Und seine klaren Worte verheissen nichts Gutes für Sousa. «Schlimm ist, dass man mit dem Resultat nicht einmal unzufrieden sein muss. Wir haben nicht mehr verdient», diktierte er in der Mixzone in die Mikrofone der Reporter.

Unzufriedenheit macht sich jedoch nicht nur im Präsidium breit. Dem Vernehmen nach sollen sich auch die Spieler bereits über Paulo Sousas Methoden beklagen. Bei den Fans ist die Stimmung sogar völlig gekippt. Auf eine Analyse von Tagesanzeiger.ch/Newsnet mit dem Titel «Eine ungenügende Reaktion des FC Basel» nach dem Spiel gegen Sion hagelte es über hundert Kommentare, die grösstenteils vernichtend ausfielen.

«Diese Hetzjagd geht zu weit»

«Aus, Schluss, fertig! Grauenhaft! Blamabel! Beschämend! Peinlich! Ätzend! Gesundheitsschädigend! Beleidigend! Als FCB-Anhänger und zahlender Kunde muss ich mir diesen Sousa-Fussballdemontageprozess bei ‹meinem› FCB nicht länger gefallen lassen», lautete einer von vielen bissigen Kommentaren.

Es gab aber auch vereinzelte moderate Stimmen, die noch an Sousa glauben. «Vorneweg: Ich bin überhaupt nicht mit allem einverstanden, was im Moment beim FCB abgeht, und PS muss zuerst noch zeigen, was er wirklich kann, aber diese Hetzjagd geht jetzt eindeutig zu weit. Man hat teilweise das Gefühl, wir sind Letzter und kurz vor dem Abstieg. Wir können immer noch Meister werden, den Cup gewinnen und in der CL überwintern. Unterstützt die Mannschaft, und hört auf zu pfeifen!»

Fakt ist: Paulo Sousa steht unter Druck, und vor ihm liegt eine Woche der Wahrheit. Morgen steigt das Cupspiel in Wohlen, am Samstag gastieren die Grasshoppers im St.-Jakob-Park, und drei Tage später empfängt der FCB Ludogorez in der Champions League. Spätestens dann wird FCB-Präsident Bernhard Heusler wohl eine erste Zwischenbilanz seines Wunschtrainers ziehen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.10.2014, 12:14 Uhr

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