Die einzige Bank bei den Grasshoppers

Der österreichische Goalie Heinz Lindner ist der wichtigste Einzelspieler bei den Zürchern, für die ein Begriff ein Fremdwort ist: Konstanz. 

Ein Routinier im GC-Tor: Heinz Lindner ist der dritterfahrenste Spieler der Zürcher. Foto: Christian Merz (Keystone)

Ein Routinier im GC-Tor: Heinz Lindner ist der dritterfahrenste Spieler der Zürcher. Foto: Christian Merz (Keystone)

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Manchmal dauert es nur wenige Sekunden, bis man weiss, ob eine Idee gut oder schlecht war. 120 zum Beispiel bei GC im letzten Spiel der vergangenen Saison: Heinz Lindner wurde beim Stand von 1:1 gegen YB ersetzt, um Vaso Vasic eine würdige Verabschiedung zu ermöglichen. Eine schöne Idee an und für sich, in der kurzen Restspielzeit fiel aber der Siegtreffer für den Meister.

Vasic die Schuld am Gegentor anzulasten, wäre verfehlt, die Aussage aber ist doch klar: Ohne Lindner geht bei den Zürchern nur sehr wenig. Es waren die einzigen Meisterschaftsminuten, die der Österreicher in den eineinhalb Jahren seiner Vertragszeit verpasste, und prompt kassierten die Zürcher ein Gegentor. In Zweifel gestellt wurde Lindner trotz Konkurrenten wie Vasic und Joel Mall eigentlich nie, ausser zu Beginn der letzten Rückrunde. Da fühlte sich Murat Yakin bemüssigt, die interne Hierarchie zu hinterfragen, er eröffnete damit einen weiteren unnötigen Nebenkriegsschauplatz.

Yakin ist bei GC längst Geschichte, und eines kann man mit Sicherheit behaupten: Lindner ist zwar auch nicht fehlerfrei, aber als Letzter schuld an der Misere. Schon im ersten Einsatz parierte er im Stadtderby einen Penalty von Michael Frey, seither bügelte er regelmässig so manchen Lapsus seiner Vorderleute aus. Achtmal blieb er in der ersten Saison ohne Gegentor, diesmal blieb seine Weste in der Vorrunde aber nur einmal weiss. Auf die Vorrunde angesprochen, erklärte er letzte Woche nur: «Neues Jahr, neues Glück, man kann dies sicher so sagen.»

Der Einbruch nach der Pause

Dass sich die Grasshoppers mit nur 17 Punkten erneut in den Ranglistenniederungen befinden, liegt vor allem an einer Tatsache: am regelmässigen Einbrechen in der zweiten Hälfte. Bis zur Pause können sie sich 27 Punkte notieren lassen, es ist ligaweit der viertbeste Wert.

Es ist nicht zu übersehen: Der Mannschaft mangelt es an Erfahrung, aufgrund der langen Verletztenliste gemahnt die Aufstellung oft an eine Abordnung aus «Jugend forscht». Allzu oft fehlen eine ordnende Hand, die Struktur, wahre Leader. Lindner hofft, dass Spieler wie Nathan, Sigurjonsson oder Basic möglichst bald aus Verletzungspausen zurückkommen: «Routiniers können vor allem in heiklen Situationen Ruhe bewahren. Mit der Erfahrung kommt Konstanz rein.» Ein Routinier ist auch Lindner, nach Basic und Sigurjonsson ist er dritterfahrenster Spieler.

Für ihn hat sich der Wechsel zu GC gelohnt: «Ich bin heute ein besserer Torhüter. Die Trainings mit Christoph Born haben sich in physischer und technischer Hinsicht ausbezahlt.»

Das 0:4 gegen Basel war eine Ohrfeige

Das Kompliment, er sei der wichtigste Einzelspieler bei GC, will er nur beschränkt annehmen: «Danke sehr, aber auch wenn es sich wie eine Floskel anhört: Mit ein, zwei Einzelakteuren erreichen wir nichts.»

Das Startspiel gegen Basel zeigte dies – das 0:4 war eine Ohrfeige. Die Diskussionen über die Leistungsstärke von GC nahmen damit vor dem heutigen Derby nicht ab. Lindner verhehlt nicht, dass die Lage ernst ist: «Wir müssen so schnell wie möglich unten raus. Erst wenn wir das geschafft haben, können wir uns neue Ziele stecken.»

Dass Lindners Leistungen auch andere Interessenten auf den Plan rufen, ist verständlich, besonders, weil sein Arbeitspapier nach zwei Jahren im Sommer ausläuft. Er kann sich aber vorstellen, bei GC zu bleiben: «Ich habe nicht vergessen, dass GC mir das Vertrauen geschenkt hat, als ich in Frankfurt in zwei Jahren nur dreimal spielen durfte. Wir stehen in ständigem Austausch, und mir gefällt es hier. Aber klar: Ich werde mir auch andere Angebote ansehen.»

Erstellt: 08.02.2019, 22:49 Uhr

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