Die erstaunliche Entblössung

Der Winterthurer Trainer René Weiler gerät beim 1. FC Nürnberg immer mehr unter Beschuss. Wie er damit umgeht.

Der Winterthurer Trainer René Weiler gerät in Nürnberg immer mehr unter Druck.

Der Winterthurer Trainer René Weiler gerät in Nürnberg immer mehr unter Druck. Bild: Keystone

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Der Winterthurer Trainer René Weiler, der während des Erfolgs beim FC Aarau seinen Vertrag aufgelöst hatte, um höhere Aufgaben wahrzunehmen, heuerte in der letzten Saison schliesslich beim 1. FC Nürnberg an. Doch zurzeit ergeht es ihm nicht viel besser als seinem ehemaligen Verein, der nach dem Abstieg aus der Super League auch in der Challenge League nach unten durchgereicht wird und auf dem letzten Tabellenrang steht.

Der 1. FC Nürnberg kommt nach dem Abstieg aus der ersten Bundesliga auch in der zweiten Saison nicht auf Touren, obwohl sich der Club den Wiederaufstieg in die oberste Spielklasse als Saisonziel gesteckt hat. Nach der 1:2-Niederlage in Bochum liegt Nürnberg nach vier Runden mit vier Punkten und einem Torverhältnis von 9:12 lediglich auf dem 12. Tabellenrang.

Desaströse Werte für Weiler

Ganz bitter: Bochums holländischer Trainer Gertjan Verbeek, der in Nürnberg entlassen worden war, grüsst verlustpunktlos von der Tabellenspitze. Die Nürnberger Nachrichten zeigten wenig Gnade mit Weilers Mannschaft: «Harmlos, einfallslos und erfolglos» hiess die Schlagzeile. Die Matchstatistik untermauerte dieses Verdikt.

Bochum verzeichnete sechsmal so viele Eckbälle wie Nürnberg (12:2), schoss elfmal mehr auf das Tor (19:8) und hatte mehr als doppelt so viel Ballbesitz (67 Prozent). Auch an die 17 geschlagenen Flanken Bochums kam der Club mit drei Versuchen nicht heran. Die Zweikampfbilanz fiel ebenfalls klar zugunsten der Platzherren aus (55:45). Desaströse Werte.

«Es gelingt mir im Moment nicht»

Und offenbar wird die Luft für Weiler tatsächlich immer dünner. Laut Informationen der stets gut unterrichteten «Bild»-Zeitung habe sich der scheidende Sportvorstand Martin Bader schon lange von Weiler abgewendet. Und auch Präsident Thomas Grethlein und Fussball-Abteilungsleiter Wolfgang Wolf sollen nach dem schlechten Saisonstart die Arbeit Weilers hinterfragen.

Aber mittlerweile tut dies Weiler auch selbst. Der Winterthurer, der in den vergangenen Monaten den ganzen Club immer wieder kritisch unter die Lupe nahm und sich auch öffentlich dazu äusserte, nimmt sich selbst nicht mehr aus der Schusslinie.

Schicksalsspiel schon am Sonntag?

Er sagt unmissverständlich: «Wir haben vier, fünf Wechsel in der Stammelf, aber ich muss es trotzdem besser hinbekommen. Ich muss meine Energie kanalisieren und versuchen, mit dem Personal einfach eine bessere Leistung abzurufen. Es gelingt mir im Moment nicht, aus dem vorhandenen Spielermaterial eine konstante und kompakte Einheit zu formen.» Worte, die einer erstaunlichen Entblössung gleichkommen in einem Geschäft, das Selbstkritik nur selten erlebt.

Am Sonntag spielt Nürnberg gegen den Tabellenvorletzten Fortuna Düsseldorf, der lediglich einen Zähler aufweist. Eine weitere Niederlage kann sich Weiler kaum erlauben.

Erstellt: 25.08.2015, 10:15 Uhr

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