Interview

«Die schlimmsten Stunden meines Lebens»

Ex-FCZ-Stürmer Adrian Nikci lag mit einer Hirnhautentzündung im Spital. Im Interview spricht der Spieler von Hannover 96 über Ängste, Hoffnungen, Zweifel und die Kraft seiner Familie.

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Adrian Nikci, wie geht es Ihnen?
Ich bin auf dem Weg der Besserung. Aber ich darf nach wie vor nur reduziert trainieren. Ich halte mich vorwiegend mit Velofahren fit. Ich will auch nichts überstürzen.

Vor anderthalb Wochen mussten Sie für das Spiel in Hamburg Forfait erklären. Was ereignete sich zuvor?
Wir sind schon am Freitag nach Hamburg gefahren. Nach dem Nachtessen war ich vor dem Einschlafen mit meinem Teamkollegen Felipe im Zimmer. Wir haben noch zwei, drei Sätze gewechselt. Plötzlich überkam mich eine ungewöhnliche Müdigkeit. Mir war nicht wohl.

Was haben Sie genau gespürt?
Ich hatte urplötzlich einen pulsierenden Kopf, es war ein richtiges Hämmern. Die Schmerzen wurden immer schlimmer. Ich habe befürchtet, mir platzt der Kopf. Es ging mir gar nicht gut. Ich hatte Angst.

Wurden Sie von einem Arzt betreut?
Am Samstag, dem Spieltag, suchte ich um 9 Uhr morgens unseren Teamarzt auf. Ich wurde dann sofort nach Hause gefahren. Meine Freundin, mit der ich mich für nach dem Spiel beim HSV in Hannover verabredet hatte, war bereits aus der Schweiz angereist. Sie hat sich dann sehr um mich gekümmert.

Was lautete die erste Diagnose des Teamarztes?
Er vermutete eine verschleppte Grippe und gab mir Medikamente. Aber diese nützten nichts. Mir ging es immer mieser. Dann hat mich meine Freundin in der Nacht auf Sonntag ins Spital von Hannover gebracht. Ohne sie hätte ich es nicht alleine geschafft.

Was hat man dort festgestellt?
Man hat mir wieder Medikamente verabreicht. Um 5 Uhr bin ich dann wieder nach Hause gegangen. Am Sonntagmorgen hat mich unser Mannschaftsarzt besucht und mich sofort wieder ins Spital eingeliefert. Dann hat man mich genau untersucht, Blut entnommen und mir mit einer Spritze Flüssigkeit aus dem Rückenmark entzogen. So haben die Ärzte feststellen können, was ich wirklich habe. Sie haben mir dann eine harte Diagnose gestellt.

Wie lautete diese genau?
Ich hatte eine infektiöse Hirnhautentzündung erlitten, ausgelöst durch ein Virus. Für mich tönte das natürlich schlimm. Das war ein Schock. Ich war in meinem ganzen Leben noch nie schwer krank oder gravierend verletzt.

Wie wurden Sie dann behandelt?
Ich erhielt starke Medikamente. Die Ärzte versuchten mich aber sofort zu beruhigen, man werde das Problem in den Griff bekommen. Sie haben mir auch erklärt, dass eine bakterielle Hirnhautentzündung schlimmer gewesen wäre als die virale.

Wie lange mussten Sie im Spital bleiben?
Fünf Tage. Das waren die schlimmsten Stunden und Tage in meinem Leben. Das war der reinste Horror. Ich war der Verzweiflung nah. Du machst dir viele Gedanken und stellst dir existenzielle Fragen. Kannst du überhaupt je wieder Fussball spielen? Fussball ist ja dein Leben. Aber das Ganze hatte im Endeffekt auch eine positive Seite.

Welche?
Man lernt das Leben wieder so richtig schätzen und geniessen. Wenn alles gut läuft, sind deine Probleme, wie du dich anziehen sollst, was du essen willst oder in welches Restaurant du gehen sollst. Aber das sind doch alles so unwichtige Dinge. Das ist mir im Spital erstmals so richtig bewusst geworden. Im Spital sehnte ich mich beispielsweise nach frischer Luft. Für mich fühlt es sich nach diesem Spitalaufenthalt wie ein neues Leben an. Ich werde ab sofort bewusster und mit mehr Demut durchs Leben gehen. Ich weiss jetzt, was die wahren Probleme im Leben sind und wie es einem gut geht, wenn man gesund ist und eine intakte Familie hat, die einem Kraft gibt. Auch meine Eltern und mein Bruder sind sofort aus der Schweiz angereist und waren zusammen mit meiner Freundin die grossen moralischen Stützen am Krankenbett.

Was hat Sie im Spital sonst noch beschäftigt?
Der grauenhafte Autounfall von Hoffenheims Spieler Boris Vukcevic. Er liegt ja immer noch im Koma, hat offenbar die schwersten Kopfverletzungen erlitten. Die Ärzte sollen ja immer noch um sein Leben kämpfen. Wenn ich an Boris denke, dann sind meine Sorgen und Probleme verschwindend klein geworden.

Erstellt: 11.10.2012, 10:16 Uhr

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