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Die schweren Fehler des Präsidenten

Nach der Entlassung von Trainer Fringer ist klar: Der FC Zürich hat mit Ancillo Canepa einen Chef, der mit seiner Emotionalität zur Belastung zu werden droht.

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Es hätte alles besser werden sollen im Sommer, als der FC Zürich nach einem Jahr der Krise mit neuem Trainer in die neue Saison ging. Es ist nichts besser geworden. Der Club dreht sich nicht einmal im Kreis. Er gerät in immer grössere Schwierigkeiten.

Nach der vorzeitigen Trennung von Meistertrainer Bernard Challandes im April 2010 führte Urs Fischer die Mannschaft aus der sportlichen Krise auf Schlussrang 2, bevor der Club ins nächste Tief rutschte. Nach Fischers Ende im März dieses Jahres brachte Rolf Fringer die inzwischen stark veränderte Mannschaft nicht einmal mehr zwischenzeitlich in Schwung.

Das kann am Trainer liegen – einem Trainer allerdings, der in St. Gallen und Luzern zumindest in den ersten Monaten sehr erfolgreich gearbeitet hat. Das kann aber auch an den Umständen im Club liegen. Die jüngste FCZ-Vergangenheit mit drei verbrauchten Trainern und vielen Krisen sind Anzeichen dafür, dass dieser Club tiefer liegende Probleme hat. Der FCZ schleppt auch nach dem ausgerufenen personellen Neubeginn Altlasten mit sich herum. Verlassen haben den Verein zuletzt vor allem Stammspieler wie Margairaz, Djuric, Mehmedi, Rodriguez, Aegerter oder Alphonse, aber abgesehen von Magnin nicht Unruhestifter wie der dauerverletzte Chikhaoui, der unzuverlässige Chermiti, Ersatzgoalie Guatelli, der zu Fringer illoyale Captain Beda.

Es fehlen in diesem Team die Leader, die Wachrüttler, die Vorbilder – schlicht die Typen. Und an der Spitze hat der FCZ mit Ancillo Canepa wohl einen finanzstarken und engagierten Chef. Er hat mit ihm aber auch einen Präsidenten, der mit seiner Emotionalität zur Belastung zu werden droht. In der letzten Woche hat Canepa den Spielern hinter Fringers Rücken Gehör verschafft und damit den Trainer desavouiert, wie es ein Präsident nie tun darf. Seine Spieler sind ihm – auch aus wirtschaftlichen Überlegungen – offenbar wichtiger als sein Führungspersonal. Die zeitlichen Abläufe von Fringers Entlassung lassen auch vermuten, dass Canepa den Entscheid im Alleingang gefällt hat. Solange sich an seinem Verhalten nichts Grundlegendes ändert, wird es für den FCZ schwierig, zum Erfolg zurückzufinden.

Erstellt: 26.11.2012, 23:09 Uhr

Ueli Kägi ist Fussball-Experte beim «Tages-Anzeiger».

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