Die treue Seele

David Zibung musste als Goalie des FC Luzern viel Kritik einstecken. Gegen den FCZ zeigte er allerdings eine starke Reaktion.

Endlich wieder ein Erfolgserlebnis: Luzern siegte beim FCZ 3:2 – auch dank Zibung. Foto: Keystone

Endlich wieder ein Erfolgserlebnis: Luzern siegte beim FCZ 3:2 – auch dank Zibung. Foto: Keystone

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In jungen Jahren stand David Zibung auf der alten Allmend hinter dem Tor, immer am gleichen Ort. Er war stolzer Luzerner Balljunge. Stefan Klos hiess sein Vorbild, Goalie in Dortmund, aber Zibung träumte nicht vom Ausland, sondern vom FCL. Ja, er wollte es einmal so weit bringen wie Stephan Lehmann oder Patrick Foletti, denen er als Bub den Ball zuwarf. Zibung, aufgewachsen in Hergiswil NW, übte in jeder freien Minute, am liebsten trug er ein Dortmund-Trikot von Stéphane Chapuisat. Es war eine unbeschwerte Zeit.

Zibung schaffte es tatsächlich zum FCL. Er fing in der U-15 an, stieg 2001 in die erste Mannschaft auf, löste 2003 Andreas Hilfiker als Nummer 1 ab, erlebte zehn Trainer, einen Abstieg, einen Aufstieg und drei Cupfinals. In heiklen Momenten konnte er sich nicht auf natur-gegebenes Talent verlassen, aber während der Ausbildung zum Maurer hatte er gelernt, hart zu arbeiten. Wer immer Trainer war, auf der Goalie-Position bestand nie Handlungsbedarf.

«Papier nimmt alles an»

Als die Saison 2014/15 begann, setzten in Luzern bald auch Probleme ein. Zwölf Runden ohne Sieg schürten Unruhe. Der 30-jährige Zibung leistete sich Fehler, das wusste er. Nur spürte er eben auch, wie reflexartig geurteilt wurde: Die Schuld an Gegentoren trug primär er, wie immer sie gefallen waren. In der lokalen Presse kam er schlecht weg. Das erweckte in Zibung irgendwann den Eindruck, dass die mediale Kritik nicht mehr auf sachlicher Ebene stattfand, er erinnerte sich aber gern an Worte, die ihm sein Vater früh mitgegeben hatte: «Papier nimmt alles an, Kritik und Lob. Du musst das richtig einordnen können.»

Zibung las trotzdem alles, er registrierte, was über ihn verbreitet wurde, «ich wollte wissen, wovon die Rede war, wenn mich jemand mit einer Schlagzeile konfrontierte». Und fand sich damit ab, weil ihm klar war: «Wir bewegen uns in einem Geschäft, in dem jeder seine Meinung äussern darf. Und im Fussball ist es halt so: Wenn es nicht läuft, werden Verantwortliche gesucht. Jetzt bin ich es halt.»

Ein Leben für den FCL

Zweimal sass Zibung nur auf der Bank, Trainer Carlos Bernegger hatte den Eindruck gewonnen, dass der Torhüter nervlich angeschlagen war. Dann kam Markus Babbel als neuer Coach, stellte Zibung wieder ins Tor, machte sich auch öffentlich für ihn stark, und am Samstag gab es ein erstes gemeinsames Erfolgserlebnis. Luzern siegte beim FCZ 3:2, auch dank Zibung. «Es war schön, aber uns steht Demut gut an», sagte er. Dazu hält allein ein Blick auf die Tabelle an – Luzern ist immer noch Letzter.

David Zibungs Vertrag läuft bis 2016 mit Option auf Verlängerung, es deutet alles darauf hin, dass er seine Laufbahn bei Luzern beenden wird. Er zog es vor, in der Super League zu bleiben, statt die Nummer 2 bei Werder Bremen zu werden, wie es einmal möglich gewesen wäre. Das Gefühl, etwas verpasst zu haben, hat ihn trotzdem nie beschlichen, im Gegenteil: «Ein Leben für den FCL – ich bereue nichts.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.11.2014, 23:50 Uhr

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