Die trostlose Bilanz eines traurigen Häufchens

Im ersten Spiel nach Murat Yakin kontrolliert GC das Geschehen 82 Minuten lang und bricht dann auseinander – 1:2 gegen St. Gallen.

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Der Gang in die Kurve ist schwer. Die Grasshoppers gehen ihn zögerlich an, weil sie ahnen können, was sie da erwartet. Sie holen die Pfiffe der Fans ab und schleichen wieder davon.

Es ist ein trauriges Häufchen, das da unterwegs ist, als das Spiel gegen den FC St. Gallen vorbei und 1:2 verloren ist. Schon wieder kein Sieg, schon wieder unnötige Punktverluste, schon wieder eine Niederlage, die neunte in den letzten vierzehn Runden – die Bilanz wird immer trostloser. Und der Blick auf die Tabelle ist für die Zürcher immer mehr mit Besorgnis verbunden. Sollte Sion heute in Luzern gewinnen, sind sie noch einen Punkt vom Tabellenende weg.

«Selbstverständlich befassen wir uns mit dem Abstieg», sagt ihr Präsident Stephan Anliker im «Tages-Anzeiger» vom Samstag. Er sagt auch: «Wir haben jetzt die erste Massnahme getroffen, dass sich die Mannschaft wieder finden kann.»

Anliker redet vom Entscheid, Murat Yakin Anfang Woche als Trainer abzusetzen – nach einem stürmischen Empfang im August und nach turbulenten Monaten seit der Winterpause. Yakin ist innert weniger Monate tief gefallen und mit ihm die Mannschaft. Mitte November hatten sie zusammen noch auf dem 3. Platz der Super League gelegen. Der Blick ging nur nach vorne. Jetzt aber ist die Frage: Was machen diese negativen Resultate mit der Mannschaft? Ist sie stabil genug, sie wegzustecken und die Kurve zu bekommen?

Die Schlussphase zeigt, wie tückisch die Arbeit ist

«Die Bedenken sind das eine», sagt Mathias Walther, «das andere ist, dass wir Gegenmassnahmen ergreifen müssen, um diese Bedenken aus den Köpfen der Spieler zu bringen.» Walther ist der Sportchef, der am Dienstag zusätzlich die vorübergehende Nachfolge von Yakin angetreten hat. Das ist viel Arbeit, auch wenn er mit Patrick Schnarwiler und Timo Jankowski zwei Partner hat, die ihm dabei zur Hand gehen. Und wie tückisch diese Arbeit ist, zeigt sich gegen St. Gallen. Und zeigt vor allem diese Schlussphase mit den Gegentoren.

Während 75 Minuten hat GC keine Probleme, den Gegner unter Kontrolle zu halten. Das ist auch noch weiter kein Kunststück, weil St. Gallen komplett neben sich steht und vor allem spielerisch einen ganz schlechten Eindruck hinterlässt. Es bringt 82 Minuten lang nicht einen Torschuss zustande.

Die optische Überlegenheit führt bei Walther zur optimistisch gefärbten Analyse, die Mannschaft habe gekämpft und fussballerisch immer mehr zugelegt. Chancen hat in der ersten Halbzeit auch sie nicht eine einzige. Das wird erst nachher besser, Jeffrén trifft den Pfosten, Jeffrén scheitert an Stojanovic, und er ist es schliesslich, der in der 74. Minute den Elfmeter sicher verwertet, den Musavu-King ungestüm gegen Basic verschuldet hat.

GC jubelt, aber GC verliert die Kontrolle über das Spiel, kaum legen die St. Galler an Tempo und Entschlossenheit zu. In der 83. Minute gelingt ihnen durch Musavu-King der Ausgleich – mit ihrem ersten Torschuss überhaupt. Itten bietet sich in der 90. Minute die grosse Chance zum 1:2, Lindner rettet noch glänzend. Drei Minuten später ist der GC-Goalie geschlagen, Ben Khalifa trifft in die entfernte Ecke.

St. Gallens Trainer Giorgio Contini kommt zur Erkenntnis, dass das 0:1 wie eine Erlösung für seine Spieler gewesen sei. Danach hätten sie nichts mehr zu verlieren gehabt. Am Ende sagt er: «Für unsere Leistung sind wir unverdient mit drei Punkten belohnt worden.»

Aus ihm mag die Grosszügigkeit des Siegers sprechen. Er kann sie sich momentan leisten, weil er mit St. Gallen auf dem 3. Platz liegt. Das 2:1 ist für ihn aber auch ein Spiegelbild der Tabelle: Wer oben liegt wie St. Gallen, gewinnt auch nach solch tristen Vorstellungen, wer unten liegt wie GC, verliert eben, weil ihm auch das Glück fehlt.

Lindners Durchhalteparolen

«Wir haben kein Glück gehabt, und dann ist auch noch das Pech dazugekommen», zitiert Heinz Lindner eine alte Fussballweisheit des früheren Bundesligaspielers Jürgen Wegmann. Die Gegentore sind für ihn Sinnbild der Situation von GC. Das erste fällt nach einem Corner, als Musavu-King drei Meter vor dem Tor vergessen geht, das zweite nach einem Fehler von Pnishi.

Am Mittwoch muss GC nach Basel, dann folgen die Spiele gegen Lugano, in Lausanne, in Thun und gegen Sion. Das sind die vier Teams, die direkt hinter ihm liegen. Lindner sagt: «Es bringt nichts, in Selbstmitleid zu verfallen. Wir dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken. Fakt ist: Wir müssen weiterarbeiten.» Es sind Sätze wie aus dem Lehrbuch für Durchhalteparolen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.04.2018, 23:04 Uhr

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