Die vielen Gegenbewegungen des FC Hard

Heimatlos und erfolglos: Der FC Hard Zürich steht für beides. Aber diese zugespitzte Charakterisierung alleine würde ihm nicht gerecht werden. Denn daneben ist der 81-jährige Club vor allem eines nicht: lieblos.

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Passend dazu das Selbstverständnis, wie es Präsident Roland Rebsamen formuliert: «Wir sind ein Fussballverein, definieren uns eigentlich aber als Familienverein.» Eine tolle Kameradschaft, deren intensive Pflege, Gemütlichkeit und gemeinsame Aktivitäten gehören dazu. Besonders unternehmungslustig oder eben vorbildlich unter den 160 Mitgliedern sind die Supporter: mit Ski-Weekends, Wanderungen, Höcks. Bei der jüngeren Generation dagegen sei das Bedürfnis nach Zusammenhalt nicht mehr ganz so gross, eine typische Zeiterscheinung. Dabei führt Rebsamen das Gedankengut, dem sich sein FC Hard verschrieben hat, nochmals aus: «Wir möchten den Leuten etwas Gutes tun, daneben vereint uns das ‹Tschüttele›.» Sein letztes Wort wählt er mit Bedacht. Denn neben dem Platz ist der Atem definitiv länger, als er es auf dem Rasen ist. So ist der Verein mit nur drei Aktivteams - darunter eine Kooperation bei den Veteranen mit Buchs-Dällikon - und einer Oldie-Auswahl «just for fun» sportlich nicht auf Rosen gebettet.

Der Motivator aus der Nähe

Rebsamen vergisst nicht zu erwähnen, dass zuletzt eine leichte Kurskorrektur stattgefunden habe. So dürfen in der 5.-Liga-Fanionequipe unter dem spanischen Trainer Jose Miras erstmals seit langem wieder so etwas Ähnliches wie Aufstiegsambitionen formuliert werden. «Er stiess vor vier Jahren zu uns, seither ist neuer Schwung eingekehrt. Wir im Vorstand begrüssen seinen Ehrgeiz und würden ausflippen, sollte es klappen mit der Promotion», sagt der Vorsitzende. Denn während der letzten 25 Jahre dümpelte Hard in der 5. Liga, zwei Saisons in der 3. Liga von 1978 bis 1980 bildeten den glanzvollen Kontrast dazu. Als Ranglistenzweiter der Gruppe 4 ist der Aufstieg noch aus eigener Kraft zu schaffen - vielleicht am letzten Spieltag im Direktduell mit dem Leader, der dritten Formation Zürich-Affolterns.

Von weither war Miras, der zuvor als Ausbildner des Nachwuchses von Red Star gewirkt hatte, nicht gekommen. Weil der FC Hard ebenfalls seit 30 Jahren auf der Allmend Brunau eingemietet ist, hatte sich die Zusammenarbeit ergeben. Früher genoss der Club Gastrecht im Utogrund und im Hardhof. Weil ein eigener Standort und damit die Identifikation mit einer Region fehlt, fehlt ebenso eine Juniorenabteilung. «Wir konnten nie Wurzeln schlagen, sind oft umgezogen, deshalb liess sich nichts auf die Beine stellen», erklärt Rebsamen. Sein Verein kompensiert das Vakuum in der Nachwuchsbewegung mit einem kompakten Engagement an drei Tagen. «Wir organisieren ein jährliches Hallenturnier mit 80 Mannschaften für D-, E- und F-Junioren sowie neu für U-23-Frauen», sagt der 50-jährige Bäcker-Konditor. Stolz macht ihn, «dass wir auch nach einem Wechsel der Austragungsstätte durchgehalten haben». Nach einem Brand in der Mehrzweckhalle Oberglatt fiel die Veranstaltung 2011 aus, im kommenden Jahr ist nun in Wallisellen die 25. Jubiläumsauflage geplant.

Das Potenzial aus der Ferne

Die Entstehung des FC Hard geht zurück ins Jahr 1931. Damals hatten sich unter dem Dach des Satus-Sportverbandes sechs Männer auf einem Pausenplatz an der Bullingerstrasse zum Arbeiterfussballclub AFC Zürich formiert. «Sie verkörperten das Proletariat und wollten einen Gegenpol zur gehobenen Schicht setzen», zitiert Rebsamen aus der Chronik. In den 70er-Jahren hat sich der Club dem Schweizerischen Fussballverband angeschlossen, die Bewegung mit ihrer ursprünglich hemdsärmligen Ausrichtung entwickelte sich allmählich in eine andere Richtung. Denn der Zufall wollte es, dass der FC Hard zuletzt zu einer gefragten Adresse für englische und isländische Spieler aus dem Bankenwesen geworden ist. «Ihnen helfen wir bei der Integration», nennt Rebsamen einen weiteren Zweck seines FC.

Erstellt: 20.06.2012, 15:33 Uhr

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