Diese Mannschaft darf und muss höhere Ziele haben

Die Schweizer Fussballer haben sich für Brasilien qualifiziert. Diesem Team kann durchaus eine schöne Zukunft bevorstehen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Jubelszenen in Tirana: Die Schweiz fährt zur WM in Brasilien. Erst Xherdan Shaqiri, der Mann mit kosovo-albanischen Wurzeln, dann Neuling Michael Lang schossen die Tore zum 2:1 gegen Albanien.

Die Schweizer Fussballer sind somit zum dritten Mal nacheinander an einer Weltmeisterschaft dabei, zwischen 2004 und 2014 an fünf von sechs grossen Turnieren (WM und EM). Das ist bemerkenswert und eine Bilanz, die ausser den sechs Topteams von Europa kein anderes Land vorweisen kann. Es ist der Beweis für die beispielhafte Nachwuchsarbeit im Verband und in den Clubs.

Die letzten drei Spiele dieser Qualifikation zeigten auch, was in dieser Mannschaft steckt, es ist eine ideale Mischung aus Jugend und Erfahrung. Gegen Island, als aus dem 4:1 noch ein 4:4 wurde, waren die Schweizer lange Zeit spielerisch stark und unbekümmert, dann sorglos und überheblich, vier Tage später gegen Norwegen und jetzt in Tirana dagegen kaltblütig und konzentriert.

Um die 30 sind die Älteren (Diego Benaglio, Gökhan Inler, Stephan Lichtsteiner), Anfang 20 die vielen jungen Talente (Xherdan Shaqiri, Granit Xhaka, Fabian Schär, Haris Seferovic). Und geführt werden sie von einem Trainer, der bewies, dass er in heiklen Momenten richtig zu reagieren weiss. Wenn Ottmar Hitzfeld angespannt ist, seine Furchen im Gesicht noch auffälliger sind, seine Lippen schmaler, sein Körper aber signalisiert, dass er alle kritischen Ansätze abprallen lässt, dann ist er meist ein starker Trainer. «Wenn mir das Wasser bis zum Hals steht, dann bin ich sehr konzentriert. Vielleicht nicht kalt, aber ruhig, dann kommen meine Kämpferfähigkeiten zum Vorschein», sagte er einmal. Er spricht dann immer von speziellen Herausforderungen.

Wie ein Simultanschachspieler

Besonders nach dem 4:4 gegen Island vor fünf Wochen reagierte Hitzfeld wieder wie ein Clubtrainer, dem bis zum nächsten Spiel nur wenig Zeit bleibt, der extern seine Mannschaft schützt und intern klare Worte spricht. Er sei, sagt einer aus dem engen Umfeld, wie ein Simultanschachspieler gewesen, der von Brett zu Brett geht und immer den richtigen Zug wählt. Die Spieler verstanden es.

Ein 2:0 in Oslo war die Antwort, jetzt folgte das 2:1 in Tirana. Den ersten Matchball haben die Schweizer damit verwertet, in einer Gruppe, die für sie vorteilhaft war, mit Gegnern in der Weltrangliste auf Plätzen zwischen 25 und 123. Aber diese Mannschaft darf und muss höhere Ziele haben.

Dank begabten Jungen, dank erfahrenen Führungsspielern. Und einem Trainer, der wohl nicht, wie einst vorgesehen, in Brasilien im nächsten Sommer abtreten wird, sondern weitermacht. Sein Vertrag dürfte bald bis 2016 verlängert werden. Auch weil sich Hitzfeld ausrechnet, dass er und diese Mannschaft eine schöne Zukunft haben können.

Erstellt: 12.10.2013, 11:54 Uhr

Fredy Wettstein ist Sportchef des «Tages-Anzeigers».

Artikel zum Thema

Wo wohnen die Schweizer? Wo gibt es Tickets?

Mit einem 2:1-Sieg gegen Albanien hat sich die Schweizer Nati gestern für die WM in Brasilien qualifiziert. Wir beantworten nun alle Fragen rund um die Meisterschaft im Sommer 2014. Mehr...

«Brasilien hat man schon als Kind im Kopf»

Für Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka war die Partie gegen Albanien eine nervliche Belastung und der Sieg eine grosse Befreiung – ein Gespräch mit den zwei Baslern im Hotel in Tirana. Mehr...

«Es geht ein grosser Traum in Erfüllung»

Video Nach dem Sieg gegen Albanien liegen sich die Schweizer in den Armen. Wie die Spieler die Stimmung in Tirana erlebt haben und was die WM 2014 in Brasilien fürs Nationalteam bedeutet – im Video. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Grosser Sammelspass für die ganze Familie

Perfekt für kalte Wintertage: Bei jedem Einkauf Marken sammeln und gegen exklusive «Disney Winterzauber»-Prämien von Coop eintauschen!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Feueralarm: Ein Lufttanker lässt Flammschutzmittel auf die Brände in den Gospers Mountains in New South Wales fallen. Durch die hohen Temperaturen und starke Winde ist in Australien die Gefahr von Buschfeuer momentan allgegenwärtig. (15. November 2019)
(Bild: Dean Lewins) Mehr...