Dieses Trio will den Zerfall der Grasshoppers aufhalten

Die Chefs der abgestürzten Grasshoppers versuchen ein neues Fundament zu bauen – aber wie geht es finanziell weiter?

Die gute Laune tut ihnen gut: Uli Forte, Fredy Bickel und Andràs Gurovits (von links). Foto: Reto Oeschger

Die gute Laune tut ihnen gut: Uli Forte, Fredy Bickel und Andràs Gurovits (von links). Foto: Reto Oeschger

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GC zeigt sich im Rahmen seiner Möglichkeiten spendabel. Kaffee und Kuchen gibt es, als sich das Führungspersonal an diesem Mittwochnachmittag die Ehre gibt. Oben an der Wand stehen die Zahlen, die in Erinnerung rufen, für welchen Club sich Andràs Gurovits, Fredy Bickel und Uli Forte ins Zeug legen: 27 für die Meistertitel, 19 für die Cupsiege.

Gurovits ist der Präsident im schnittigen Anzug, Bickel der Geschäftsführer mit der legeren Kleidung und Forte der Trainer im Trainingsanzug. Sie üben sich in Optimismus, weil der ganz gut tun kann in diesen Tagen. Und trotzdem verkennen sie nicht die Schwierigkeit der Aufgabe, GC wirtschaftlich und sportlich auf Kurs zu bringen.

Dazu passt, was Fredy Bickel sagt. Er erzählt, dass er sich nach seiner Zeit bei Rapid Wien eine Herausforderung gewünscht hat, das schon. «Aber ich habe mir nicht gewünscht, dass sie gleich so gross ist.»

Es kann GC nur helfen, wenn es nicht noch mehr Baustellen gibt. Drei sind es laut Andràs Gurovits.

Am 1. Oktober hat er offiziell seine Arbeit bei GC angetreten, dem Club seines Herzens, wobei das irgendwie auch auf den FCZ und YB zutrifft. Führungslos sei der Club gewesen, sagt er. Es ist ein hartes Urteil, aber der Harmoniemensch Bickel will das nicht als Kritik an die richten, die nicht mehr da sind. Es sei halt alles unklar gewesen, weil man nach dem Abstieg nicht genau gewusst habe, wie es weitergehe. Und als er dann da gewesen sei, hätten alle gedacht: «Jetzt ist der Neue da. Jetzt rennen wir zu ihm.» Er sei leicht erschrocken, was alles auf ihn eingestürzt sei.

100 Leute haben seit Anfang Jahr GC verlassen. Es ist eine enorme Zahl, die Erstaunen auslöst. «Es sind einfach 100 Leute gewesen, die bei GC zu den Lohnbezügern gehörten», präzisiert Bickel, dazu gehörten auch Juniorentrainer mit ein paar Hundert Franken im Monat. Mit der Zahl will er verdeutlichen, wie gross die Erosion in Niederhasli gewesen ist. Wie viel an Arbeit nötig ist, um das Fundament stabil zu machen, die Organisation und Struktur wieder zu festigen. 14, 15 Stunden arbeitet er für GC, jeden Tag.

Bickel sagt: «Ich wünschte mir, ich könnte Uli mehr helfen.» Oder anders ausgedrückt: «Das Sportliche hat für mich nicht erste Priorität.»

Aussprache beim Essen

Bickel war schon bei YB Fortes Chef, und da entschloss er sich nach gut zwei Jahren Zusammenarbeit, ihn im August 2015 zu entlassen. Das sorgte für böses Blut zwischen den beiden. Heute betont Bickel: «Uli und ich brauchten jetzt keine Versöhnung. Wir hatten uns schon drei oder vier Monate nach der Trennung bei einem Essen ausgesprochen.»

GC kann es nur helfen, wenn es nicht noch eine weitere Baustelle gibt. Davon hat es genug, drei sind es nach der Rechnung von Andràs Gurovits. Erstens: den operativen Betrieb ins Rollen zu bringen. Zweitens: den Verwaltungsrat endlich zahlenmässig angemessen zu besetzen. Drittens schliesslich: die Finanzierung sicherzustellen.

Dass er noch immer der einzige Verwaltungsrat ist, auch nach der ordentlichen Generalversammlung Anfang Monat, das findet er nun «nicht immer lustig». Und wenn er sagt, die Verwaltungsratssitzungen seien kurz, will er das auch nicht als Scherz verstehen. «Das kann kein Dauerzustand sein», sagt er. Wieso er das trotzdem macht? «Für GC», antwortet er.

Anliker und Stüber suchen lieber den Ausstieg, als nochmals je 3,25 Millionen Franken aufzuwerfen.

Eigentlich ist er Anwalt von Beruf, Partner einer angesehenen Kanzlei an der Bahnhofstrasse, im Moment aber investiert er seine Arbeitszeit in GC. Dafür bezahlen ihn die beiden Grossaktionäre Stephan Anliker und Peter Stüber seit Juli.

Die grösste aller Baustellen ist die dritte, sie ist auch die älteste. Deshalb ist sie noch nicht gleich ein «running gag», weil es nicht Spass machen kann, schon wieder oder noch immer dem Geld nachzurennen und neuen Lösungen, dem Club die Zukunft zu sichern. Gurovits ist in dieser Beziehung der x-te Verantwortliche, der das macht. Die Planspiele heissen: die Mehrheit der Aktien im In- oder Ausland verkaufen oder eine Zürcher Lösung finden, allenfalls unter Einbindung der bisherigen Aktionäre. Revolutionär hört sich anders an, Gurovits sagt, Gespräche würden laufen. Es wäre jetzt doch der Zeitpunkt, sich als Interessent zu melden.

Der zeitliche Druck ist da, denn dass Anliker und Stüber nochmals im gleichen Rahmen ein Defizit decken wie diese Saison, ist schwer anzunehmen. Beide suchen lieber den Ausstieg, als nochmals je 3,25 Millionen Franken aufzuwerfen, um ein Budget von 13,6 Millionen zu decken. Was GC auch bleibt, ist die Möglichkeit, das Budget weiter zu straffen, um sich für Käufer attraktiv zu machen. Sein Problem bleiben die hohen Grundkosten, auch wegen des Campus, der im Jahr 1,5 Millionen verschlingt.

Ein Aufstieg schon diese Saison würde helfen, den finanziellen Druck zu lindern. Keiner der Chefs lässt sich dazu hinreissen, vom Aufstieg als Muss zu reden. Sie wollen sich nicht exponieren, wie Lausanne das tut. Sie glauben, der Druck sei so schon gross genug. Bickel sagt darum nur: «Der Aufstieg würde vieles erleichtern.» Und von Forte stammt das Zitat: «Herr Gurovits ruft nicht jeden Tag an und sagt: Du musst, du musst…» Der Trainer glaubt vielmehr: «Wenn wir die Barrage erreichen, haben wir einen guten Job gemacht.»

Zweiter ist GC aktuell in der Challenge League, die Bilanz ist ordentlich, auch wenn spielerisch noch Nachholbedarf besteht und 19 Tore in 11 Spielen für Forte kein Grund zu Jubelsprüngen sind. Die Lausanner Stürmer Zeqiri und Turkes haben zusammen allein 18 Treffer erzielt.

Schuhkäufer Salatic

Forte weiss, die Jungen brauchen Zeit und Anlehnung an Routiniers, gerade darum ist auch noch Oliver Buff geholt worden. Er erzählt, wie die Jungen noch an Disziplin zulegen müssen und wie oft sie schon 50 Franken bezahlen mussten, weil sie vor einem Training zu spät waren. Dafür lobt er Captain Veroljub Salatic im höchsten Mass – nicht in erster Linie für seine Leistungen auf, sondern mehr für seine Arbeit neben dem Platz. «Vero packt unsere Afrikaner ins Auto, fährt mit ihnen ins Einkaufszentrum und kauft ihnen Schuhe für den Winter», erzählt Forte, «und er bezahlt die Schuhe aus dem eigenen Sack.» Das tönt schon fast nach Wohlfühloase.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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Erstellt: 24.10.2019, 18:02 Uhr

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