Dieses brisante Duell müsste die Uefa verhindern

Das Verhältnis zwischen Albanien und Serbien ist – gelinde gesagt – belastet. Nun treffen in der Europa League Clubs aus den beiden Ländern aufeinander.

Befeuerte einen jahrzehntelang schwelenden Konflikt: Die Drohne mit einer grossalbanischen Flagge im EM-Qualifikationsspiel zwischen Serbien und Albanien.

Befeuerte einen jahrzehntelang schwelenden Konflikt: Die Drohne mit einer grossalbanischen Flagge im EM-Qualifikationsspiel zwischen Serbien und Albanien. Bild: Keystone

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Wenn am Donnerstagabend in Elbasan, 30 Kilometer vor der albanischen Hauptstadt Tirana, der KF Skënderbeu Korça die Serben von Partizan Belgrad empfängt, so interessiert das die internationale Fussballgemeinde herzlich wenig. Nicht ganz zu Unrecht: Die Partie in der Gruppe B der Europa League (wo auch die Young Boys mitspielen) wird für den späteren Verlauf dieses Wettbewerbs nicht von Bedeutung sein, der sportliche Wert ist bescheiden.

Und doch hat die Partie im Vorfeld die Uefa beschäftigt und auch das Rückspiel in zwei Wochen in Belgrad steht beim europäischen Verband unter besonderer Beachtung. Albanien und Serbien – das ist keine einfache Beziehung. Die Vergangenheit ist beiderseits von Gewalt geprägt, Tito regierte im ehemaligen Jugoslawien, Enver Hoxha im ebenfalls kommunistischen Regime Albaniens mit harter Hand. Ende der 90er-Jahre erreichte der Konflikt der zerstrittenen Nachbarn mit dem Kosovo-Krieg den Tiefpunkt. Seither herrscht frostige Stille zwischen den Parteien.

Erinnerungen an 2014

Fussballspiele und der ihnen eigene Nationalismus sind einer Versöhnung nicht unbedingt zuträglich. Beim EM-Qualifikationsspiel im Oktober 2014 eskalierte die Situation, als die serbischen Fans erst mit geschmacklosen Gesängen provozierten, bevor eine Drohne mit der grossalbanischen Flagge übers Feld flog und unter den Spielern deswegen eine wilde Schlägerei ausbrach. Spielabbruch, Sanktionen, ein grosses Bohei. Beim Rückspiel in Albanien waren fast 3000 Polizisten präsent – obwohl gar keine Auswärtsfans mehr zugelassen waren.

Die Uefa hat daraus nur bedingt Lehren gezogen. Obwohl sie etwa seit der Krim-Annexion durch Russland auch russische und ukrainische Teams nicht mehr gegeneinander antreten lässt, hat sie das Aufeinandertreffen von Skënderbeu und Partizan nicht verhindert.

Auch Gibraltar und Spanien wurden getrennt

Als Gibraltar 2013 die Aufnahme in die Uefa vor Gericht erwirkte und das Neumitglied bei der anschliessenden Auslosung der EM-Qualifikationsgruppen ausgerechnet mit Spanien zusammengelost wurde, musste der europäische Verband auch improvisieren. Kurzerhand pflanzte er Gibraltar in eine andere Gruppe. Bestimmt sinnvoll, auch wenn die Unabhängigkeit Gibraltars die spanischen Patrioten höchstens ein wenig verstimmt und die Differenzen mit der ethnischen Brisanz des Balkan-Problems zwischen Serbien und Albanien nicht zu vergleichen sind.

So finden sie nun aber statt, die heiklen Partien zwischen Skënderbeu und Partizan. Auswärtsfans wären zwar von der Uefa nicht explizit verboten. Jedoch haben beide Clubs offiziell bekannt gegeben, keine Fanreisen anzubieten und die Anhänger auch gebeten, keine Tickets auf individuellem Weg zu kaufen.

Dennoch hat sich ein serbischer Fan aus Belgrad mit dem Velo ans Spiel im mehr als 800 Kilometer entfernten Elbasan aufgemacht. Die Aktion wurde nun in albanischen Medien so lange kontrovers diskutiert, bis der Fan schliesslich wegen Sicherheitsbedenken umdrehte – was in den sozialen Medien von vielen als doch etwas übertrieben taxiert wurde. Zuvor war der Serbe bereits dem Basketball-Team Partizans auf seinem Fahrrad hinterhergereist – durch den ganzen Balkan, ohne Probleme.

Doch alleine dass ein Auftritt des albanischen Seriensiegers Skënderbeu – in der Hauptstadt Tirana ansonsten wenig beliebt – plötzlich nationale Bedeutung erfährt, zeigt, wie die Beziehung zu Serbien in Albanien noch heute kaum jemanden kalt lässt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.10.2017, 16:59 Uhr

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