Dwamena und sein Herz

Ein Herzproblem soll den früheren FCZ-Spieler vom Fussballspielen fernhalten. Schon wieder.

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Die Geschichte von Raphael Dwamena liest sich wie ein Märchen, dem ein böses Ende droht. In seinem Geburtsort Kwahu Tafo, einer Kleinstadt Ghanas zwischen den Metropolen Accra und Kumasi, spielte Dwamena als Kind auf der Strasse, wo er schon früh seine Leidenschaft für den Fussball entdeckte. Aufgewachsen ist er bei der Grossmutter – Vater und Mutter hat er nie gekannt.

Mit 15 wurde Dwamena in die Akademie von Red Bull Ghana in Sogakope, einem Dorf im Südosten Ghanas, aufgenommen. Drei Jahre später lud ihn RB Salzburg zu einem Probetraining ein, bei welchem er die Verantwortlichen von sich überzeugen konnte. Im Januar 2014 wechselte der talentierte Offensivspieler in die Juniorenabteilung der Salzburger, wo er zunächst in der U-18 zu Einsätzen kam.

Im darauffolgenden Sommer gab ihn RB Salzburg zu dessen Farmclub Liefering in die zweithöchste Liga Österreichs ab. Nachdem Dwamenas Vertrag 2016 ausgelaufen war, wechselte er ablösefrei zum Ligakonkurrenten Austria Lustenau, wo er so richtig durchstartete und Tor an Tor reihte – 21 in 22 Spielen.

«Das war nicht meine Kraft, das war seine»

Sein Erfolg weckte Begehrlichkeiten und Dwamena hatte sobald Angebote von mehreren ausländischen Vereinen auf dem Tisch. Beraten von der Agentur SBE, deren Mitinhaber der Basler Philipp Degen ist, entschied sich Dwamena für den FC Zürich, den damaligen Challenge-League-Club. Mit dem FCZ stieg er vier Monate später in die Super League auf. Beim Saisonauftakt gegen Stadtrivale GC schoss der Angreifer sein Team mit zwei Toren zum 2:0-Erfolg und dankte nach dem Spiel vor laufender Kamera Gott für den Sieg: Gegenüber SRF sagte er: «Das war nicht meine Kraft, das war seine.»

Zur gleichen Zeit war der Premier-Ligist Brighton and Hove Albion verzweifelt auf der Suche nach einem neuen Stürmer. In Zürich wurden die Scouts des Clubs bald einmal fündig: Dwamena hatte die Engländer mit seinen Leistungen von sich überzeugt und sollte die Offensive des Aufsteigers verstärken. Rund 15 Millionen Franken wollte Brighton für die Verpflichtung des ghanaischen Nationalspielers bezahlen. Der FCZ rieb sich schon die Hände.

Der geplatzte Traum

Nur der Medizincheck stand noch zwischen dem Deal. Doch nach diesem hatte Dwamenas Traum von der Premier League ein böses Erwachen: Die englischen Ärzte entdeckten eine kardiale Anomalie und rieten ihm gar vom Leistungssport ab. Der Transfer platzte – was die Chefetage des FCZ erzürnte. Dass die Engländer öffentlich von Herzproblemen des jungen Spielers berichteten, konnte Präsident Ancillo Canepa nicht verstehen. Er warf Brighton «unprofessionelles Verhalten» vor und sprach gar von «Rufmord».

Obwohl der FCZ schon vor Dwamenas Verpflichtung über dessen Herzanomalie Bescheid gewusst hatte, warfen die Befunde der englischen Ärzte in Zürich Fragen auf. Um kein Risiko einzugehen, unterzog sich Dwamena weiteren Untersuchungen, nach welchen sich die Parteien dazu entschieden hatten, ein Gerät zur Überwachung seines Herzryhthmusses zu implantieren.

Der operative Eingriff lief ohne Komplikationen ab und Dwamena konnte rund zwei Wochen danach wieder ins Training einsteigen – mit dem Implantat in der Brust. Er war jedoch nicht mehr ganz der Alte. Es schien, also ob ihm der gescheiterte Transfer zu schaffen machte. Erst Monate später fand er wieder auf sein altes Leistungsniveau zurück.

«Sie sagten mir, ich würde nie wieder spielen»Raphael Dwamena

Zum Ende seiner ersten Super-League-Saison mit den Zürchern, die im Gewinn des Schweizer Cups gipfelte, wechselte Dwamena für rund 6 Millionen Euro zu Levante in die spanische La Liga. Alle Beteiligten waren glücklich: «Nach dieser langen Geschichte mit den vielen Auf und Ab haben wir eine Lösung gefunden mit nur Gewinnern», sagte Sportchef Thomas Bickel nachdem der Transfer vollzogen war. Bei seiner Präsentation äusserte sich Dwamena auch über den geplatzten Traum von der Premier League: «Die Ärzte sagten mir, ich würde nie wieder spielen. Doch hier bin ich.»

Seit dem 16. Juli dieses Jahres spielt der schnelle, technisch begabte Stürmer in der zweiten Liga Spaniens bei Real Saragossa. Als zweitteuerster Transfer der Geschichte des Vereins waren die Erwartungen an ihn entsprechend hoch. Mit zwei Toren aus neun Spielen konnte er diese zumindest teilweise erfüllen. Bis jetzt. Denn am Mittwoch gab der spanische Zweitligist bekannt, dass der Stürmer bis auf Weiteres ausfallen wird.

Erneuter Rückschlag

Bei einem routinemässigen Medizincheck sollen beim 24-jährigen Ghanaer gesundheitliche Probleme zum Vorschein gekommen sein: «Der Stürmer wird sich neuen Tests unterziehen, um Aufschluss über das Ausmass seiner Krankheit zu erhalten», teilte der Club via Twitter mit. Wie spanische Medien berichten, habe das implantierte Gerät Herzrhythmusstörungen erkannt. Dwamena lässt sich in einem Spital in Barcelona genauer untersuchen und steht mit Spezialisten aus Zürich in Kontakt.

Dies ist ein erneuter Rückschlag in der dramatischen Geschichte des Waisenkindes aus Kwahu Tafo. Es bleibt zu hoffen, dass das Märchen doch noch ein gutes Ende haben wird. Oder um es mit Dwamenas Worten zu sagen: «Mit Gott ist immer alles möglich.»


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts oder direkt hier:

Erstellt: 10.10.2019, 20:39 Uhr

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