Ein Club taumelt

Nach dem 1:5 in Basel rechnet der FCZ wegen Chaoten mit massiven Strafen.

Der einzige Treffer des FCZ, erzielt von Stürmer Franck Etoundi. Video: SRF

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Und dann noch das: 87 Minuten sind zwischen dem FC Basel und dem FCZ gespielt, als Berat Djimsiti den Ball unbedrängt ins eigene Tor schiebt. Es ist das 1:5 aus Zürcher Sicht, die Szene wird auf der Videowand nicht gezeigt. Der FCZ ist auch so schon genug gedemütigt worden an diesem Nachmittag, an dem alle Probleme, die den Club plagen, aufzubrechen scheinen.

Ancillo Canepa sitzt danach lange auf der Spielerbank, zieht an seiner Pfeife und blickt auf den Rasen. Links vom FCZ-Präsidenten tobt es im Zürcher Sektor. Und Spieler suchen das Gespräch mit jenen, die eine halbe Stunde zuvor mit geworfenen Bengalos und einem heftigen Böller einen zehnminütigen Spielunterbruch provoziert haben.

Canepa schaut nicht hin. Aber danach spricht er, der in jüngerer Vergangenheit auch dafür gescholten worden war, in Krisensituationen nicht hinzustehen. Er sagt Sätze wie: «Diese Knallpetarden sind ein Skandal.» Oder: «Es gibt einen Bodensatz an Leuten, die du nicht in den Griff bekommst.» Und: «Wir als Fussballclub haben nicht die Mittel, um gegen diese Leute vorzugehen. Dazu wäre die Polizei da.»

Es sind Aussagen, die nicht darauf schliessen lassen, dass die Probleme in der FCZ-Kurve demnächst gelöst würden. Und dort knallt das Feuerwerk in letzter Zeit fast immer. Die Liga hat das registriert. Es ist denkbar, dass die Zürcher demnächst mit einer Stadion­sperre belegt werden. Canepa sagt trocken: «Ich rechne damit.»

Ausschreitungen in Pratteln

Nach dem Spiel kommt es am Bahnhof Pratteln zu Ausschreitungen mit Tränengaseinsatz – Zürcher Matchbesucher hatten im Zug die Notbremse gezogen. Der FCZ vermeldet, er sichere «den Behörden jegliche Unterstützung zu, um die Täter für ihr gemeingefährliches Tun zur Rechenschaft ziehen zu können».

Die Art und Weise, wie sich ein Teil des Zürcher Anhangs derzeit aufführt, lässt eine Entfremdung zwischen Club und Kurve erahnen. Irgendwo scheint Canepa in einem Zickzack zwischen Nähe und Ablehnung zu den schwierigsten Gruppierungen unter den FCZ-Anhängern den Zugang verloren zu haben. Und vielleicht hat es zu einer Akzentuierung der Probleme geführt, dass Trainer Urs Meier zuletzt mit Canepas Unterstützung den Südkurven-Liebling David Da Costa vom Stammgoalie zur Nummer 3 degradiert hat.

Mit Da Costas Verbannung hat der FCZ einen Lautsprecher und kritischen Geist zum Schweigen gebracht. Damit könnte ein weiteres Problem zu tun haben: Das Team hinterlässt einen führungslosen Eindruck, es ist in diesen krisenhaften Zeiten überfordert.

Captain Yassine Chikhaoui leistete sich in Bern eine Tätlichkeit. Ersatz­captain Davide Chiumiento fliegt in Basel nach 37 Minuten vom Platz. Es ist die erste von zwei Roten Karten im Klassiker, wenig später muss der Basler Shkelzen Gashi für eine Tätlichkeit gegen Rikan vom Rasen. FCZ-Verteidiger Kecojevic hat Glück, dass Schiedsrichter Amhof ein ebenfalls Rot-würdiges Vergehen an Gashi übersieht.

Canepa stützt Trainer Meier

«Zu frustriert» sei er in den Zweikampf gegangen, sagt Chiumiento zu seiner Grätsche gegen Delgado. Und beschreibt so wohl gleich das Gesamt­gefühl dieser Mannschaft, die (auch) in Basel ein desolates Bild abgibt. Der FCZ hat in der Liga seit dem 21. Februar in sechs Partien nicht mehr gewonnen und zuletzt viermal in Folge verloren.

Trainer Urs Meier stellt fest, dass seine Spieler «labil auf die negativen Dinge reagieren, die in den letzten Wochen geschehen sind. Das Selbstvertrauen ist im Keller.» Es liegt an ihm, es wieder aufzubauen. Und das bald, sonst droht der FCZ gar die Europa League zu verpassen. Nur noch auf Rang 4 liegen die Zürcher, drei Punkte vor St. Gallen, dem nächsten Gegner.

Für Canepa ist klar, dass Meier noch der richtige Mann ist: «Kommen Sie ins Training, dann sehen Sie, wie gut gearbeitet wird.» Klingt gut. Nur: Auf der Allmend Brunau werden keine Punkte gewonnen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.04.2015, 23:28 Uhr

Artikel zum Thema

Embolos Gala im Skandalspiel

Ein Spielunterbruch, zwei Platzverweise und sechs Tore – der einseitige Klassiker zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich hatte es in sich. Mehr...

SBB-Chaos wegen FCZ-Fans

Spielunterbruch, Böller im Stadion und dann noch die Notbremse im Zug: Nach der 1:5-Blamage kochte die Wut beim Zürcher Anhang hoch und entlädt sich. Mehr...

Ausser Form und ohne Vertrauen

Analyse Der FCZ hat gute Stürmer, aber er schiesst keine Tore – wie beim 0:1 gegen Sion. Mehr...

Dossiers

Super League

36. Runde

02.06.FC Basel 1893 - FC St. Gallen4 : 1
02.06.FC Lugano - FC Luzern0 : 1
02.06.FC Sion - Grasshopper Club1 : 1
02.06.FC Vaduz - FC Thun1 : 3
02.06.BSC Young Boys - FC Lausanne-Sport2 : 0
Stand: 02.06.2017 22:38

Rangliste

NameSpSUNG:EP
1.FC Basel 189336268292:3586
2.BSC Young Boys36209772:4469
3.FC Lugano361581352:6153
4.FC Sion361561560:5551
5.FC Luzern361481462:6650
6.FC Thun3611121358:6345
7.FC St. Gallen361181743:5741
8.Grasshopper Club361081847:6138
9.FC Lausanne-Sport36981951:6235
10.FC Vaduz36792045:7830
Stand: 02.06.2017 22:39

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Haar um Haar: Was aussieht wie die Nahaufnahme eines Blütenstandes sind tatsächlich Rasierpinsel aus Dachshaar. Sie stehen bei einem Pinselhersteller im bayerischen Bechhofen. (25. September 2018)
(Bild: Daniel Karmann/dpa) Mehr...