Ein Coup mit Misstönen

Der FC Basel erlebte in Salzburg ein aussergewöhnliches Spiel. Ein früher Platzverweis, pöbelnde Fans und ein Gegentor konnten die Schweizer nicht stoppen.

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Blankes Entsetzen oder ungläubiges Jubeln – dazwischen gab es nichts. Sauro, der Basler Verteidiger, drehte lachend ab, er war es, der das Tor erzielte in dieser 60. Minute. Es war das 2:1 für den FCB, das 1:2 aus Sicht der Salzburger, und beide Seiten fragten sich: Wie nur hatte das passieren können? Neun Minuten zuvor hatte Salzburg noch ungefährdet geführt.

Zuerst traf Streller, später Sauro, beide mit dem Kopf, und so schaffte der FC Basel die Wende in einem turbulenten Rückspiel des Europa-League-Achtelfinals bei Red Bull Salzburg auf geradezu wundersame Weise. Wie im Vorjahr erreichte er den Viertelfinal. Sein nächster Gegner wird heute Mittag ausgelost.

Inszeniert worden war der Match in Österreich als nationale Angelegenheit. «Salzburg für Österreich, Österreich für Salzburg», hatte der Kolumnist der «Krone» das Fussballvolk eingeschworen. Der frische Angriffsfussball, den Salzburg spielt – er lässt zuweilen vergessen, dass viele im Land den Club wegen dessen Konzern dahinter ja eigentlich nicht mögen. Und die Bullen zeigten sofort nach dem Anpfiff, welches ihr Spiel ist: das blitzschnelle, offensive.

Ruppig, überflüssig, ja dumm

Der FCB wusste nicht, wie ihm geschah. Es scheiterten Alan, Mané und Kampl, gerade einmal sieben Minuten waren da gespielt. Und als neun Minuten um waren, da waren die Basler noch zu zehnt auf dem Feld. Abwehrchef Suchy hatte Alan mit einem ruppigen, überflüssigen, ja dummen Einsteigen von hinten gefällt. Rot war die richtige Konsequenz.

Das erleichterte die Aufgabe für Basel nicht, und entsprechend ging das Spiel weiter nur in eine Richtung, in Richtung von Sommer. «Wir hatten keine Lösung und fanden nicht ins Spiel», sollte Trainer Yakin in der Halbzeitpause resümieren. Und es dauerte nicht mehr lange, bis die Österreicher in Führung lagen.

Wie dabei aber die Degen-Brüder Geleit- und Schützenhilfe leisteten, war dann doch bemerkenswert. Erst liess sich David von Klein an der Grundlinie düpieren, dass es selbst dem Trainer eines Amateurclubs die Zornesröte ins Gesicht getrieben hätte. Philipp wiederum fand es nach der Flanke nicht weiter nötig, Stürmer Soriano zu bewachen. Der Spanier erzielte ohne Mühe sein 37. Saisontor.

Der Appell von Heusler

Doch das trübste Kapitel aus Basler Sicht sollte erst noch folgen. In der 29. Minute unterbrach Schiedsrichter Gräfe die Partie, weil bei einem Eckball Salzburgs unablässig Gegenstände wie Fahnenstangen und Bierbecher aus dem Sektor der Basler Fans geflogen kamen. Der sichtlich betroffene FCB-Präsident Heusler begab sich erst zu den Fans und sprach später über die Lautsprecher zu ihnen. «Unterstützt uns, macht nichts kaputt», bat er. Fast 15 Minuten dauerte der unwürdige Unterbruch. Und er nahm Salzburg den Wind aus den Segeln.

Als die Partie nach der Pause drehte, tat sie das ohne Ankündigung. Und zu beiden Treffern leistete Frei mit Eckbällen die Vorarbeit. Dass dazwischen der junge Verteidiger Ajeti wegen eines Kopfstosses nicht vom Platz gestellt wurde, war sein Glück an diesem spektakulären Abend. Und am Ende stimmte eben doch, was Trainer Yakin am Tag davor gesagt hatte: «Mit unserer Erfahrung lassen wir uns nicht so schnell nervös machen.»

Salzburg - Basel 1:2 (1:0)

Red-Bull-Arena. - 29'320 Zuschauer (ausverkauft). - SR Gräfe (De). - Tor: 22. Soriano (Kampl) 1:0. 51. Streller (Frei/Corner) 1:1. 60. Sauro (Ajeti) 1:2.

Salzburg: Gulacsi; Klein, Ramalho, Rodnei, Svento (83. Meilinger); Kampl, Ilsanker (72. Zulj), Leitgeb, Mané; Alan, Soriano (78. Berisha).

Basel: Sommer; Arlind Ajeti (88. Embolo), Suchy, Sauro; Philipp Degen, Elneny, Frei, David Degen (42. Aliji); Sio (58. Xhaka), Stocker; Streller.

Bemerkungen: Salzburg ohne Hinteregger (gesperrt), Schwegler, Vorsah, Ulmer (alle verletzt), FCB ohne Serey Die (gesperrt), Delgado, Voser, Ivanov, Safari (alle verletzt), Schär (rekonvaleszent), Callà (nicht spielberechtigt). 9. Rot gegen Suchy (Foul). 30. Schiedsrichter verfügt wegen Problemen im FCB-Fansektor zwölfminütigen Unterbruch. 86. Gelb-Rot gegen Alan (Foul). Verwarnungen: 9. Streller (Reklamieren). 39. Sio (Foul/im nächsten Spiel gesperrt), 54. Arlind Ajeti und Alan (beide Unsportlichkeit), 62. Rodnei, 78. Ramalho, 88. Philipp Degen, 90. Leitgeb (alle Foul).

Erstellt: 21.03.2014, 06:35 Uhr

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