Ein beispielloses Kapitel geht zu Ende

Die Schweizer Rekordspielerin Lara Dickenmann gibt nach 17 Jahren und 135 Länderspielen ihren Rücktritt aus dem Nationalteam bekannt.

Blickt einer Zukunft ohne Nationalteam entgegen: Lara Dickenmann (33).

Blickt einer Zukunft ohne Nationalteam entgegen: Lara Dickenmann (33). Bild: Salvatore Di Nolfi/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Allzu viele Augenzeugen gibt es nicht. 500 Zuschauer sollen im Stadion anwesend gewesen sein. Eine TV-Übertragung gab es so wenig wie Spielberichte am Tag danach, ja: Den meisten Schweizer Zeitungen war nicht einmal das Resultat der Rede wert.

So war das damals, 2002: Der Fussball der Frauen genoss wenig Aufmerksamkeit und fand kaum Publikum, er war Randsport pur. Dabei hätte es durchaus Gründe gegeben, über jenes Spiel der Schweizer Fussballerinnen am 14. August 2002 zu berichten. Nicht nur, weil sie in der Nähe von Paris die Französinnen besiegten – was in den 16 Jahren seither nicht mehr passiert ist. Aber wer konnte das denn ahnen?

Und wer konnte vorhersehen, dass die junge Schweizerin, der bei ihrem Debüt im Nationaldress schon in der 33. Minute das 1:0 gelang, später zur erfolgreichsten Fussballerin werden würde, die das Land je hatte? Zur Rekordnationalspielerin mit 133 Einsätzen. Zur Rekordtorschützin mit 53 Treffern. Weitere werden nicht hinzukommen: Gestern trat Lara Dickenmann aus dem Nationalteam zurück.

Damit endet ein wichtiger Teil in der beispiellosen Karriere der jetzt 33-jährigen Luzernerin, und er endet einigermassen bitter: Dickenmanns letzter Einsatz mit der Schweiz im Rückspiel der WM-Barrage gegen Belgien liegt zehn Monate zurück, weil sie sich wenig später in einer Partie mit Wolfsburg einen Kreuzbandriss zuzog. Ein Pflichtspiel hat sie seither noch nicht bestritten.

Sie nennen sie Grossmami

Sie habe gespürt, dass nach Verpassen der WM in diesem Jahr in Frankreich der Zeitpunkt für den Rücktritt gekommen sei, liess sich Dickenmann in einer Mitteilung des Schweizerischen Fussballverbandes zitieren. Stattdessen möchte sie sich, nachdem die Knieverletzung ausgeheilt sei, auf die nächsten zwei Jahre bei Wolfsburg konzentrieren – bis Juni 2021 läuft ihr Vertrag.

Dickenmann hat als Leaderin mitgeholfen, das Nationalteam in die Zukunft zu führen und steht als jahrelange Stammspielerin stellvertretend für dessen Aufschwung im letzten Jahrzehnt. Ihre Teamkolleginnen nennen sie «Grosle», Grossmami. Zur unverzichtbaren Bezugsperson wurde sie gerade auch für Trainerin Martina Voss-Tecklenburg, mit der sich die Schweiz 2015 erstmals für eine WM qualifizierte. Als nach der EM 2017 die langjährige Kapitänin Caroline Abbé zurücktrat, übernahm Dickenmann als bisherige Stellvertreterin die Binde.

Erstellt: 07.08.2019, 13:11 Uhr

Artikel zum Thema

Nati-Captain fällt ein halbes Jahr aus

Lara Dickenmann wird das WM-Playoff gegen Holland verpassen. Die 32-Jährige zog sich am Mittwoch einen Kreuzbandriss zu. Mehr...

Rekord, Tor und Sieg für Dickenmann

Im Spiel gegen Schottland schafft der Captain des Schweizer Frauen-Nationalteams Historisches. Die Schweizerinnen gewinnen im fünften Quali-Spiel zum fünften Mal. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Die grosse Vorbereitung: Eine Woche vor Beginn des eidgenössischen Schwing- und Älplerfests in Zug wird ein Schwingplatz mit Sägemehl ausgelegt. (16. August 2019)
(Bild: Alexandra Wey) Mehr...