Ein guter Punkt für beide

Der FCZ hätte gewinnen können, St. Gallen hätte gewinnen können: Das 1:1 ist das gerechte Resultat.

St. Gallen (Yannis Tafer, rechts) brachte den FCZ arg in Verlegenheit. Yassine Chikhaoui (links) und Asmir Kajevic verlieren den Ball aus den Augen. Foto: Walter Bieri (Keystone)

St. Gallen (Yannis Tafer, rechts) brachte den FCZ arg in Verlegenheit. Yassine Chikhaoui (links) und Asmir Kajevic verlieren den Ball aus den Augen. Foto: Walter Bieri (Keystone)

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Und dann kam sie doch noch, die ganz grosse Chance für den FCZ. Im Letzigrund lief die 86. Minute, als Verteidiger Djimsiti den Captain Yassine Chikhaoui mit einem wunderbaren Zuspiel in die Tiefe bediente. Der Tunesier lief und lief, vorbei an den St. Galler Verteidigern, ­hinein in den Strafraum, bis er nur noch Torhüter Lopar vor sich hatte. Chikhaoui hätte schiessen müssen, es wäre so einfach gewesen, das Tor zu erzielen.

Doch Chikhaoui ist ein Künstler, die simplen Treffer mag er nicht. Also entschloss er sich zu einem letzten Pass, sein tunesischer Freund Amine Chermiti sollte das 2:1 erzielen, das dem FCZ gewiss den Sieg gebracht hätte. Doch der Ball versprang, das Zuspiel missglückte, die Chance war dahin. Es blieb beim 1:1, bis zum Schluss.

Es war das Pech des FCZ, dass sein Captain den Matchball vergab. Aber es war nur gerecht, dass die St. Galler nicht als Verlierer vom Platz mussten. Denn auch sie hätten die Partie gewinnen können. Stark war ihre Reaktion auf den Zürcher Führungstreffer gewesen, den Abwehrchef Besle mit einem Ballverlust gegen Chikhaoui und dem anschliessenden Foul an Chermiti verschuldet hatte. Chikhaoui verwertete den Strafstoss nach einer knappen Stunde sicher – ­danach aber spielte nur noch St. Gallen.

Zweimal Latte, dann Karanovic

Zweimal trafen die Ostschweizer innerhalb von vier Minuten die Latte, zuerst Roberto Rodriguez, danach Facchinetti. Der Ausgleich durch den kurz zuvor eingewechselten Karanovic, der mit dem Kopf eine Flanke Tafers ins Tor lenkte, war später deshalb sehr verdient. Und noch bevor Chikhaoui in der Schlussphase den Sieg verpasste, hatte Da Costa Tafers Scharfschuss in den Corner gelenkt. Es war eine von vielen guten Paraden des stark spielenden FCZ-Goalies, der hinterher sagte: «Das Unentschieden ist das richtige Ergebnis. Die St. Galler ­haben uns alles abverlangt. Und wir selber zeigten nicht den besten Match.»

Dem FCZ fehlte in seinem dritten Spiel in einer Woche die Frische, körperlich wie mental. Er spielte mitunter zu kompliziert, er liess den Ball zu wenig laufen, einige, allen voran Chikhaoui, übertrieben die Einzelaktionen. Das sah auch Trainer Urs Meier so, der mit dem Unentschieden zufrieden war. «Wir sind nach einer schwierigen Woche weiterhin Leader, wir haben jetzt diesen Punkt gegen St. Gallen – aber leider auch viele angeschlagene Spieler.» Neben den Langzeitverletzten Gavranovic und ­Sadiku fehlten Rikan, Kecojevic, Kukeli und Schönbächler. Und Etoundi, der Mann des Derbys vor einer Woche, musste sich wegen Leistenschmerzen auswechseln lassen. Gemäss Meier wird auch der Kameruner länger ausfallen.

Bemerkenswert war, dass sich die Zürcher dieses 1:1 nicht nur erspielten, sondern es sich vor allem erkämpften – und es zum Schluss genauso verdienten wie die St. Galler, die das sechste Meisterschaftsspiel in Folge ungeschlagen blieben. Der FCZ macht in dieser Vorrunde einen viel stabileren und gefestigteren Eindruck als in den beiden letzten Jahren, in denen er die Ambitionen auf einen Spitzenrang jeweils schon zu einem frühen Zeitpunkt eingebüsst hatte und schliesslich in der Tabelle abgeschlagen in die Winterpause gehen musste.

FCZ im Letzigrund eine Macht

Nun ist vieles anders. Die Zürcher sind nach den ersten 13 Spielen Erste statt Siebente wie in den Saisons 12/13 und 13/14, sie haben 13 respektive 12 Punkte mehr auf ihrem Konto. Und in den Heimspielen sind sie schwer zu schlagen. Fünf Siege und zwei Remis ist die starke Bilanz dieser Saison, die letzte Niederlage im Letzigrund liegt ein halbes Jahr zurück. Meier sagt: «Es sieht um einiges besser aus als in den letzten zwei Jahren.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.10.2014, 22:36 Uhr

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