Ein liebenswertes Hexenkesselchen

Wenigstens als Modell kann man das neue Stadion Zürich jetzt anfassen. Schon das macht Spass – und bringt das Kopfkino in Gang.

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Das neue Zürcher Stadion kommt weit diskreter daher als der hochtrabende und – mit Verlaub – hässliche Pentagon-Entwurf, der in grauer Vorzeit umhergeisterte. Man könnte es ein wenig boshaft auf gut Zürcherisch als Stadiönli bezeichnen. Und das ist gut so. Wer in Zürich regelmässig Fussballspiele besucht, weiss: Weniger ist mehr. Jenen, die die Nase rümpfen, weil nicht einmal 20'000 Zuschauer in die Schüssel passen, sei die Frage gestellt, wann denn zum letzten Mal so viele Fans an einen Match gekommen sind. Eben! Der FCZ lockte in den letzten Jahren durchschnittlich 10'000 Menschen an, der Lokalrivale GC rund 6000. Sie würden sich in einem pompösen 30'000-Plätze-Bau selbst zusammengenommen recht verloren ausnehmen.

Bei einem Stadion zählt nicht die schiere Grösse. Es geht um Nähe, Auslastung, Akustik, Ambiance. Ein Stadion muss kein Repräsentationsbau für Länderspiele und eventuelle Besuche von Real Madrid oder Manchester United sein, sondern eine Heimat für die Fans, ob sie nun sitzen oder stehen. Ein echtes Stadion ist ein homogener Hexenkessel und nicht wie der missliebige Letzigrund eine gut gefüllte Fankurve mit dem übrigen Teil des Runds als kaum genutztem Annex, in dessen Weiten die Stimmung verpufft.

Für die Zukunft des Zürcher Fussballs ist es wichtig, dass man auch des Ambientes wegen wieder gern zu den Spielen des FCZ und der Grasshoppers geht – und dass man bei einem Derby nicht einfach ins Stadion spazieren kann, weil es ohnehin mehr leere als volle Plätze gibt. Die Attraktivität einer Sache wächst, wenn sie nicht in beliebiger Menge verfügbar ist, das gilt auch für Fussballtickets. Ich freue mich auf das neue Stadiönli, so es denn den endgültigen Segen bekommt. Ich freue mich darauf, als Fussballfan wieder eine Heimat zu haben.

Von Architektur verstehe ich wenig, doch das Hypodrom-Modell des Stadion Zürich, das seine Stärken im Inneren hat, gefällt mir. Weil ich sehe, dass es hier um den Fussball geht und eben nicht ums Drumherum. Nicht um Angeberei, sondern um Fans, Clubs und Spieler. GC-Präsident André Dosé hat es ganz richtig gesagt: Mit der Präsentation der Arena endet in gewisser Weise schon das Zeitalter des Provisoriums Letzigrund. Sein FCZ-Kollege Ancillo Canepa bemerkte pointiert, es sei höchste Zeit, dass kein Gästespieler mehr sagen kann, er komme sehr gern nach Zürich, weil der Rasen dort so gut und die Stimmung von den Rängen nicht zu spüren sei.

Erstellt: 24.10.2012, 15:36 Uhr

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Alex Kühn ist Sportreporter bei Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

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