Ein weiterer Basler Arbeitssieg

Beim 3:2-Sieg in Sion schenkte der FC Basel wieder einen 2:0-Vorsprung her. «Das war grob fahrlässig, das müssen wir abstellen», sagt FCB-Captain Marco Streller.

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Zu wenig Tempo und falsche Entscheidungen waren von Paulo Sousa als Hauptgründe für die 0:2-Niederlage des FC Basel gegen den FC St. Gallen am Donnerstag ins Feld geführt worden. Bessere Entscheidungen bezüglich Startformation traf der portugiesische Cheftrainer im Stade de Tourbillon. Mit Shkelzen Gashi und Marco Streller nominierte er seine beiden treffsichersten Angreifer – und beide sollten gegen den FC Sion wieder reüssieren.

Doch nicht nur ganz vorn zeigten die Basler ein anderes Gesicht als noch am Donnerstag, sondern auch ganz hinten. Erstmals setzte Sousa auf eine klassischer Viererkette mit Degen und Safari als Aussenläufer und dem Duo Schär/Suchy im Zentrum. Vor allem Fabian Schär war anzumerken, wie viel wohler er sich in der Mitte fühlt. Der Nationalspieler glänzte mit guter Übersicht und grossem Einsatz. Gleich zweimal verhinderte er eine Grosschance der Walliser. Allerdings kam auch der Ostschweizer nicht fehlerfrei durch die Partie. In der 69. Minute machte er zusammen mit Taulant Xhaka und Marek Suchy keine gute Figur.

Die drei umzingelten Gaëtan Karlen, konnten dessen Querpass zum freistehenden Ovidiu Herea aber nicht verhindern. Der Rumäne musste nur noch einschieben. Als Xhaka Karlen sechs Minuten später ungeschickt von den Beinen holte und Carlitos den fälligen Foulelfmeter sicher verwandelte, war das Spiel wieder völlig offen. «Einmal mehr haben wir nach einer 2:0-Führung aufgehört zu spielen. Das war grob fahrlässig, das müssen wir abstellen», kritisierte Captain Streller.

Torschützen vom Dienst

Dass der Meister wieder mit zwei Toren führte, dafür war ein mittlerweile eingespieltes Duo verantwortlich. Streller konnte in der 19. Minute Gashis Direktabnahme aus spitzem Winkel nicht verwerten, doch der letztjährige Torschützenkönig drückte den Ball im dritten Anlauf über die Linie. Als nach der Pause die Sittener auf den Ausgleich drängten, sorgte Streller für scheinbar klare Verhältnisse. «Das war ein schöner Ball von Mati. Ich schaute zur Mitte, und als ich niemanden sah, habe ich halt geschossen», beschreibt der 33-Jährige sein schönes Tor (58.). Der Flachschuss durch die Beine von Vanczak und genau in die weite Ecke hätte nicht präziser ausfallen können.

Aber eben: Danach hörte der FCB wieder auf, Fussball zu spielen. Vor allem defensiv. Denn unmittelbar vor dem Anschlusstreffer vergab Gashi die grosse Möglichkeit zum K.o.-Schlag. Konnte sich Andris Vanins in jener Situation noch auszeichnen, so avancierte der lettische Sion-Goalie in der Schlussphase zur tragischen Figur. In der 84. Minute lenkte Vanins eine Kopfball-Flanke mit der Flanke unglücklich ins eigene Tor. «Sonst hätte ich ihn reingemacht», meinte Streller späte lachend. Er wäre hinter Vanins zum Kopfball bereit gewesen. Der Leitwolf war aber einfach froh, dass der Ball sich hinter die Linie senkte. «Das ist eben auch eine Qualität dieser Mannschaft. Wir lassen zwar den Ausgleich zu, schiessen aber noch das 3:2», findet Streller das Positive am Arbeitssieg. Schon in Thun war den Baslern dies gelungen.

Stabiles Sion, rotierendes Basel

Das intensive Spiel in Sion hat zwei Erkenntnisse gebracht. Einerseits, dass der FCB genug Qualität und Charakter hat, nach einem Rückschlag aufzustehen und zu reagieren – nach einer Niederlage genau so wie nach einem Gegentreffer. Die Heimpleite gegen St. Gallen ist damit aufgefangen, man führt nun in der Tabelle zwei Punkte vor dem FCZ. Andererseits, dass beim FC Sion vieles stimmt. «Das war ein wichtiges Spiel für uns, darauf können wir aufbauen», sagte Sion-Trainer Jochen Dries. Man habe Leidenschaft und Herz bewiesen und sei als unglücklicher Verlierer vom Feld gegangen. Indiz dafür sind auch die Sprechchöre der Walliser Fans zugunsten von Pechvogel Vanins.

Schliesslich aber hat man auch gesehen, was Sousa meint, wenn er sagt, dass der Prozess der Neuausrichtung des FCB noch nicht abgeschlossen ist. Defensiv leistet sich der Meister zu viele Unkonzentriertheiten, die sicher auch der ständigen Rotation geschuldet ist. Dennoch sollen die vielen Wechsel sich positiv für den Meister auswirken, findet Philipp Degen: «Jeder weiss, was er zu tun hat. Auf die Saison hinaus wird es förderlich sein.» Sein Freund Streller gibt ihm Recht: «Bei so viel Qualität im Kader ist die Rotation kein Problem. Dafür sind wir frisch.» Wichtig sei ohnehin nur, dass der FCB gewinne. Wie in Sion.

FC Sion - FC Basel 2:3 (0:1)
11'800 Zuschauer. – SR Studer. – Tore: 19. Gashi (Streller) 0:1. 58. Streller (Delgado) 0:2. 69. Herea (Karlen) 1:2. 75. Carlitos (Foulpenalty/Karlen) 2:2. 84. Eigentor Vanins (Gashi) 2:3.
Sion: Vanins; Perrier (46. Rüfli), Vanczak, Lacroix, Pa Modou; Ndoye (87. Ramirez), Kouassi; Léo, Herea, Carlitos; Vidosic (65. Karlen).
Basel: Vaclik; Degen, Schär, Suchy (79. Calla), Safari; Xhaka; Kakitani (55. Delgado), Elneny (72. Frei), Diaz, Gashi; Streller.
Bemerkungen: Sion ohne Assifuah, Christofi (beide verletzt), Wüthrich (rekonvaleszent), Ferati (krank), Basel ohne Ivanov, Zuffi, Gonzalez (alle verletzt), Hamoudi, Sauro, Sio (alle nicht im Aufgebot). 19. Lacroix lenkt Kopfball von Streller gegen den eigenen Pfosten, Gashis Nachschuss gegen die Latte. 31. Lattenschuss von Elneny. Verwarnungen: 6. Elneny, 9. Vanczak, 31. Suchy (alle Foul), 93. Rüfli und Degen (beide Unsportlichkeit).

Erstellt: 17.08.2014, 16:33 Uhr

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