Ein weiterer Denkzettel fürs Schweizer Nationalteam

Wie gegen England zahlte die Schweiz auch beim 0:1 in Slowenien für ihre Versäumnisse einen hohen Preis.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In der 70. Minute hatte sich Vladimir Petkovic endlich dazu durchgerungen, von aussen auf das Resultat zu reagieren. Er brachte Verteidiger für Verteidiger, Steve von Bergen für den leicht angeschlagenen Philippe Senderos. Gleich darauf brachte er Stürmer für Stürmer, Admir Mehmedi für Josip Drmic.

Und was war am Ende? Am Ende ­verspielten die Schweizer noch alles, aus dem 0:0 wurde ein 0:1. Wäre schon das Unentschieden Ernüchterung und Enttäuschung zugleich gewesen, so ist diese Niederlage ein so schmerzlicher wie bitterer Denkzettel. Er zeigt, dass ­ihnen in dieser Qualifikation nichts so leicht von den Füssen geht, wie sie sich das wohl selbst vorgestellt haben.

Was sie jetzt hingelegt haben, ist ein Fehlstart. Und der erinnert an jenen vor vier Jahren, als sie erst gegen England und dann unerwartet auch in Monte­negro verloren. Und schliesslich nur Zuschauer waren bei der EM 2012. Jetzt hat er noch nicht die gleichen Auswirkungen wie damals, weil auch der Gruppenzweite direkt qualifiziert ist und selbst der Dritte noch eine Chance dazu hat.

Die verhängnisvolle Szene

Irgendwo müssten sie Punkte holen, wenn sie nach Frankreich wollten, hatte Goalie Yann Sommer am Vortag erklärt. Die ersten hatte er sich für gestern aus­gerechnet. Nun aber müssen sie bis zum nächsten Dienstag warten, bis zu einem Spiel, in dem wirklich nichts schiefgehen sollte. Gegner ist mit San Marino die schlechteste Mannschaft der Welt.

Ins Verderben stürzten sich die Schweizer gleich selbst. Von Bergen ­verlor den Ball, die Slowenen nutzten das zum Konter, Johan Djourou sah sich zum Laufduell mit dem schnellen Kevin Kampl gezwungen, nahm kurz den Arm hoch, und das reichte Kampl, um sich fallen zu lassen. Gross wehrte er sich nicht dagegen, gross war der Lohn mit einem Elfmeter. Altmeister Novakovic nahm ungefähr 15 Meter Anlauf und liess Sommer keine Chance, obschon der die richtige Ecke geahnt hatte.

Die slowenischen Zuschauer trieben ihre Mannschaft feurig an, die Schweizer versuchten, sich gegen die Niederlage zu wehren, taten das aber ohne Plan und Glück. Und hätten die Slowenen noch ein wenig besser gekontert, hätten sie höher verloren.

0:6 Punkte, 0:3 Tore – dabei hatten Petkovics Spieler so begonnen, dass nichts auf diese Zwischenrechnung nach zwei Partien hindeutete. Sie waren ­konzentriert, diszipliniert, engagiert, sie waren willens, all das besser zu machen, was ihnen gegen England missglückt war. Dafür baute Petkovic in der Abwehr neu auf Senderos statt auf Von Bergen. Im Sturm zog er Drmic dem zuletzt verletzten Mehmedi vor, und er beorderte Xherdan Shaqiri von der Seite in die Mitte.

Da sollte Shaqiri sein Talent aus­leben, sollte er den Beweis antreten, dass er dem Team hier besser dient, weil er sich hier wohler fühlt. Gegen Honduras an der WM hatte er von dieser Position aus die Schweiz ganz allein zum 3:0 geführt, mit seinen drei Toren. Diesmal begann er lebhaft, versuchte zu dribbeln, zu passen, zu schiessen.

Starker Start, aber keine Tore

In der 23. Minute verlor er einen Ball, nahe der Mittellinie, Slowenien konterte, Novakovic schoss, weit daneben zwar. Von da an waren die Schweizer nicht mehr so souverän wie zuvor, sie waren wohl weiterhin ungefährdet und die bessere Mannschaft, aber sie hatten nicht mehr die Ausstrahlung der Startphase. Und mit Beginn der zweiten Halbzeit wurden ihre Aktionen nicht flüssiger, ihre Bewegungen nicht geschmeidiger, sie waren kaum mehr in der Lage, Samir Handanovic ernsthaft zu prüfen.

Einmal musste der Goalie von Inter Mailand nach einem Freistoss von Rodriguez hechten, einmal hatte er das Glück, dass Haris Seferovic aus vier ­Metern hoch übers Tor schoss. Den Rest erledigten seine tapfer kämpfenden Vorderleute, wie etwa Brecko, als der gleich nach der Pause eine glänzende Konterchance von Drmic zunichtemachte. «Selbstschuld» hatte Petkovic als ­Ursache für das 0:2 gegen England diagnostiziert. Selbst schuld für die Niederlage waren seine Spieler auch gestern. Wahrscheinlich hatten sie sich nach dem überzeugenden Start schon zu ­sicher gefühlt, hatten gegen spielerisch bescheidene Slowenen schon den Sieg vor Augen gesehen.

Zuletzt zahlten sie für ihre Versäumnisse im Abschluss, für die vergebene Chance von Granit Xhaka nach einer Viertelstunde, der aus fünf Metern an Handanovic scheiterte, für die mindestens so grosse Chance von Seferovic kurz vor der Pause, der ebenfalls am Goalie hängen blieben. Sie zahlten, dass ihnen die Ideen mehr und mehr ausgingen, dass dem Dreimannsturm die Durchschlagskraft fehlte, aus dem Mittelfeld so wenig an wirkungsvoller Unterstützung kam wie von den beiden Aussenverteidigern Rodriguez und Lichtsteiner. Dafür zahlten sie teuer.

Erstellt: 10.10.2014, 06:47 Uhr

Artikel zum Thema

Der «unverkäufliche» Millionenmann

Ricardo Rodríguez verteidigt und stürmt auf Weltklasseniveau. Nach vier Bundesliga-Siegen in Serie mit Wolfsburg rückt er ins Nationalteam ein. Mehr...

Eine bittere Niederlage in Slowenien

Das Schweizer Fussball-Nationalteam hat das wichtige EM-Qualifikationsspiel in Maribor gegen Slowenien mit 0:1 verloren. Das Team von Vladimir Petkovic steht nach zwei Runden ohne Punkt da. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Harter Einsatz: Ein Demonstrant wird in Santiago de Chile vom Strahl eines Wasserwerfers getroffen. Die Protestbewegung fordert unter anderem höhere Untergrenzen für Löhne und Renten, günstigere Medikamente und eine neue Verfassung, die das Grundgesetz aus den Zeiten des Diktators Augusto Pinochet ersetzen soll. (9. Dezember 2019)
(Bild: Fernando Llano) Mehr...