Eine Halbzeit reicht auch dem FCB nicht

Der FC Basel wird vom kriselnden FC Thun mit dessen Moral überrascht. «Wir haben in der zweiten Halbzeit aufgehört, Fussball zu spielen», lautet Murat Yakins trockenes Fazit.

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Als ob er es geahnt hätte. «Das wird das schwierigste Spiel in dieser Phase», sagte Murat Yakin am Freitag, nur wenige Stunden nach dem begeisternden 3:0-Sieg gegen Sporting Lissabon. Das schwerste Spiel? Gegen Thun? Ja, denn die Berner Oberländer waren nach dem Rücktritt von Trainer Bernard Challandes in der Pflicht. «Es ging um Stolz», sagte Captain Dennis Hediger nach dem 3:2-Coup gegen den Schweizer Meister. «Alles was wir wollten, war Spielfreude zu zeigen», meinte Interimstrainer Mauro Lustrinelli, von Yakin als Fuchs bezeichnet. Offensichtlich hat das geklappt.

Die Einsatzbereitschaft der Gastgeber war augenscheinlich. Zwar ging Thun dank des fulminanten Diagonalschusses von Anatole Ngamukol quasi aus dem Nichts in Führung, legitimierte diese aber danach mit viel Engagement. Nichts von Einigeln, nichts von Konterstrategie. Nachdem aber Ngamukol alleinstehend an Yann Sommer gescheitert war, reagierte der Schweizer Meister im Stile eines Champions: Mohamed Salah, spielte Marco Streller an, dieser bediente den durchgelaufenen Fabian Frei, der mit einem gefühlvollen Schlenzer den Ausgleich erzielt. Und sieben Minuten später geschieht praktisch nochmals das Gleiche. Diesmal scheitert Andreas Wittwer mit seinem Scharfschuss an Sommer, im Gegenzug veredelt Streller einen Traumpass von Salah zum 2:1. Damit schien der Mist schon vor der Pause geführt.

«Aufgehört, Fussball zu spielen»

Das dachten offensichtlich auch die Basler, denn nach der Pause verpassten sie das vorentscheidende dritte Tor. «Wir haben in der zweiten Halbzeit aufgehört, Fussball zu spielen», formulierte Murat Yakin die zweite Hälfte der Leistung seines Teams. Dennoch schienen die Gäste näher am dritten Tor zu stehen, als Thun am Ausgleich. Bis zu Hedigers Pass auf Wittwer, der Steinhöfer überlief und Sommer mit einem Flachschuss von links bezwang. Am Ursprung hatte ein Ballverlust von Salah gestanden.

Danach deutete viel auf ein Unentschieden hin. Dass man nach Ghezals Handspiel in der 66. Minute auch Penalty hätte pfeifen können, passt in die völlig verkorkste zweite Halbzeit des FCB. Ebenso wie die entscheidende Szene in der 88. Minute. Nach einem Freistoss schoss Cabral Fabian Schär an, Ngamukol schnappte sich den Abpraller und drosch den Ball aus fünf Metern in den Winkel. «Wir sind wieder aufgestanden. Das ist sinnbildlich für unsere Situation», kommentierte Thun-Captain Hediger.

Die gerissene Serie

Dass dem FCB in der Nachspielzeit beinahe noch der Ausgleich gelungen wäre – Jacques Zoua traf nur Torhüter Faivre, David Degen den Pfosten –, darf er als verdientes Schlachtenglück abbuchen. «Wir haben das 3:2 verpasst und konnten dann nicht mehr reagieren. So läuft das im Fussball», meinte Yakin. In der von ihm angesprochenen Szene in der 86. Minute übersah Fabian Frei bei seinem Kopfball, dass hinter ihm Streller besser postiert gewesen wäre. Diesmal nutzten die Thuner die Basler Ineffizienz aus.

Damit reisst für den FC Basel eine Serie von sechs Pflichtspiel-Siegen. In der Super League verlor der FCB erstmals wieder seit Yakins missglücktem Debüt in Luzern am 21. Oktober, zuletzt gewann der Meister dreimal hintereinander. Und damit verpassen die Basler auch den Sprung auf Tabellenplatz zwei. Dazu haben sie in sechs Tagen die nächste Chance, wenn das Spitzenspiel gegen den FC St. Gallen ansteht. Vielleicht war das jener Tritt auf die Euphoriebremse, den Yakin nach dem Sieg gegen Sporting Lissabon für nötig erachtet hatte. Nur hätte er diesen lieber selbst getan, als ihn dem Zweitletzten der Liga zu überlassen. Immerhin kann er von sich behaupten, Recht gehabt zu haben. Es war das schwierigste Spiel in dieser Phase.

FC Thun - FC Basel 3:2 (1:2)
Thun-Arena. – 7042 Zuschauer. – SR Studer. – Tore: 5. Ngamukol (Salamand) 1:0. 32. Fabian Frei (Streller) 1:1. 39. Streller (Salah) 1:2. 64. Wittwer (Hediger) 2:2. 88. Ngamukol 3:2.
Thun: Faivre; Reinmann, Matic, Ghezal (79. Manière), Schirinzi; Hediger, Demiri; Ferreira (54. Zuffi), Salamand (67. Frey), Wittwer; Ngamukol.
Basel: Sommer; Steinhöfer, Schär, Dragovic, Park; Cabral; Salah (76. Alex Frei), Fabian Frei, Diaz (91. Zoua), Stocker (56. David Degen); Streller.
Bemerkungen: Thun ohne Bigler, Steffen, Cassio, Schindelholz (alle verletzt), Schneuwly (krank), Lüthi (gesperrt), Basel ohne Voser, Jevtic, Pak (alle verletzt). 92. David Degen schiesst an den Aussenpfosten. Verwarnungen: 91. Hediger (Foul), 92. Cabral (Reklamieren), 93. Faivre (Unsportlichkeit).

Erstellt: 25.11.2012, 18:49 Uhr

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