Eine Umarmung von Collina und viel Lob für Esther Staubli

Der EM-Final verlief spektakulär – und wurde von der besten Schweizer Schiedsrichterin geleitet. Für ihre Leistung erhielt sie nur Lob.

Die klaren Entscheidungen von Esther Staubli während des EM-Finals wurden geschätzt.

Die klaren Entscheidungen von Esther Staubli während des EM-Finals wurden geschätzt. Bild: Getty Images

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Als alles vorbei war, das Spiel zu Ende, die Holländerinnen als Europameisterinnen gekürt, da verliess Esther Staubli das Stadion und lief Pierluigi Collina in die Arme. Heute sitzt der ehemalige Spitzenreferee mit der berühmten Glatze der Fifa-Kommission der Schiedsrichter vor. Der Italiener umarmte die Schweizerin lange. Die Geste sagte: gut gemacht. Staubli war die Schiedsrichterin des EM-Finals und stand damit unter grösster Beobachtung.

«Die ersten zehn Minuten des Spiels sind besonders wichtig», ist Staublis Credo. Diese ersten Minuten im Final hatten es in sich: In der sechsten Minute wurde die Dänin Troelsgaard im Strafraum zu Fall gebracht. Staubli zögerte nicht und zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt – sie lag richtig. Ansonsten verlief das Spiel, das die Holländerinnen 4:2 gewannen, fair, und Staubli wurde rundum gelobt. SRF-Expertin Kathrin Lehmann hob Staublis «klare und schnelle Entscheidungen» hervor: «Sie machte es super.»

Auch den Champions-League-Final hat Staubli bereits gepfiffen

Staubli kann auf einige Erfahrung an Grossanlässen zurückgreifen. Seit über zehn Jahren ist die 37-Jährige Fifa-Schiedsrichterin. Nach 2009 und 2013 war sie nun zum dritten Mal an einer Europameisterschaft dabei, 2015 erstmals an einer Weltmeisterschaft. Im gleichen Jahr leitete sie den Champions-League-Final zwischen dem 1. FFC Frankfurt und Paris Saint-Germain.

Im Alter von 21 Jahren tauschte Staubli das Spieler- mit dem Schiedsrichter-Trikot. Zuvor war sie Stürmerin in der höchsten Spielklasse bei Rot-Schwarz Thun. Sie hatte gemerkt, dass ihr Talent nicht für das Nationalteam reichen würde, und deshalb nach einer neuen Herausforderung gesucht. Hauptberuflich arbeitet die Bernerin als Agronomin und ist Dozentin an der Landwirtschaftsschule Zollikofen.

Mit der Verantwortung für den EM-Final trat Staubli in die Fussstapfen von Nicole Petignat, der bekanntesten Schweizer Schiedsrichterin. Petignat war 2001 Unparteiische im EM-Final und bisher die einzige Frau, die Spiele der Männer auf Super-League-Niveau geleitet hat. Das könnte sich in den nächsten Jahren ändern, denn Staubli pfeift seit 2014 regelmässig Challenge-League-Spiele.

Nach der Motivation für ihr zeitaufwendiges Hobby gefragt, sagte Staubli vor dem Final: «Wenn ich 22 Spielerinnen ein tolles Fussballspiel ermöglichen konnte, stellt mich das zufrieden.» Für sie sei es eine Ehre, ein so grosses Spiel leiten zu dürfen, und der Lohn für den Einsatz, den sie Jahr für Jahr leiste. «Ich versuche immer noch, meine Emotionen zu sammeln, aber das gelingt mir noch nicht. Sie werden erst am Montag richtig kommen, wenn ich im Flugzeug zurück nach Hause sitze.» (va)

Erstellt: 07.08.2017, 11:57 Uhr

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