Eine wilde Weltreise von Basel zu GC

Zehn Länder, zwölf Vereine, immer wieder verrückte Episoden: Für den Schweizer Stürmer Danijel Subotic ist die Challenge League ein Neustart – mit 30.

Danijel Subotic wollte in die Champions League, nun fühlt er sich bei GC richtig wohl.

Danijel Subotic wollte in die Champions League, nun fühlt er sich bei GC richtig wohl. Bild: Sabrina Bobst

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Letzigrund, Challenge League, keine 5000 Zuschauer. Ein trister Rahmen. Danijel Subotic lehnt sich zurück, lächelt. «Das hier», sagt er und deutet mit den Augen aus dem Restaurant hoch über Zürich Richtung Stadion, «das, was ich hier habe … damit bin ich zufrieden.» Denn Subotic hat auch die hässliche Seite der Fussballwelt kennen gelernt. Es gab Tage, da kam er sich nicht vor wie ein Profi.

Subotic stiess Ende August zu GC, zum ersten Mal spielt er, schweizerisch-serbischer Doppelbürger und in Basel aufgewachsen, auf diesem Niveau für einen Schweizer Verein. Dafür musste er 30 werden und viel reisen, durch halb Europa, dazu Abstecher nach Asien. In zehn Ländern und für zwölf Vereine spielte er, aber für keinen mehr als 40-mal. Acht Sprachen spricht er mittlerweile, deutsch, englisch, französisch, italienisch, spanisch, serbisch, russisch und rumänisch.

Einst spielte Subotic im Nachwuchs seiner Heimatstadt. Mit Timm Klose und Valentin Stocker. Er war nah dran an der ersten Mannschaft, doch Trainer Christian Gross wollte ihn nicht. Es wurmt Subotic heute noch, er findet, er hätte mit seinen 1,90 Metern wunderbar ins Konzept des Basler Erfolgscoachs gepasst. Eines Tages will er Gross darauf ansprechen und herausfinden, was da schieflief.

Auf dem Tisch lag ein Papier. «Unterschreib das!», befahl der Mann, «und stell keine Fragen.»

Subotic wagte den Schritt ins Ausland, noch nicht einmal 20 war er, als er sich Portsmouth anschloss. Er träumte von Premier und Champions League, er wollte in die Nationalmannschaft, er berichtet von einem Kribbeln im Bauch, als er zum ersten Mal das Trikot der Schweizer U-19-Auswahl trug. Er kam auf sechs Einsätze. In Portsmouth konnte sich Subotic aber nicht durchsetzen, er wurde erst nach Belgien ausgeliehen und verliess England im Sommer 2010 definitiv.

Er entschied sich fürs Geld

Es folgte, was Subotic als schlimmste Zeit seiner Karriere bezeichnet, mit Abstand. Italien, Serie B, US Grosseto, vier Teileinsätze, kein Tor. Das Abenteuer endete damit, dass Subotic, damals 19, ins Büro des Präsidenten bestellt wurde. Auf dem Tisch lag ein Papier. «Unterschreib das!», befahl der Mann, «und stell keine Fragen.» Es war die Vertragsauflösung. «Da habe ich gelernt, wie die Fussballwelt funktioniert», sagt Subotic. Er bereut den Wechsel nicht, Italien habe ihn zu einem anderen Menschen gemacht, der Musterschüler, so bezeichnet er sein früheres Ich, wurde abgehärtet.

Subotic zog weiter, nach Rumänien, in die Ukraine, überall das Gleiche, erzählt er. In der Ukraine, bei Volyn Lutsk, war er einer von acht Zuzügen, gekauft von einem reichen Präsidenten, der gerne einmal mit einer Tasche voll Bargeld in die Garderobe kam, um Prämien auszuzahlen. Da hiess es dann: «Subotic, so und so viel, und dann war der Nächste dran.» Es begann gut, das Team war auf Platz 5 nach einem halben Jahr, «aber als wir aus den Ferien zurückkamen, war der Präsident weg», erzählt Subotic. Während vier Monaten bekam das Team keinen Lohn, Subotic fällte einen Entscheid: «Ich wollte dorthin, wo in erster Linie das Geld stimmte.» Die Lösung hiess Kuwait.

Subotic verabschiedete sich damit vom Traum, Nationalspieler zu werden oder in der Champions League zu spielen. Dennoch erlebte er die beste Zeit seiner Karriere, «was den Erfolg angeht, das Leben, das Finanzielle». Er gewann die asiatische Ausgabe der Europa League, zwei Cupwettbewerbe und wurde zum besten Ausländer der Liga gekürt. Das machte ihn begehrt. Viele Fans waren Geschäftsleute, die Einfluss auf seinen Club Al-Qadisiyah nehmen wollten. «Sie luden uns in ihre Häuser ein und zahlten uns Prämien aus», erzählt Subotic, einer habe ihm ein Auto schenken wollen. Der Stürmer lehnte ab.

Nicht einmal Wasser gab es

Das Leben in Kuwait war anders, Subotic spricht von langen Nächten und kurzen Tagen, er hatte viel Freizeit. Einmal spazierte er in ein Elektronikgeschäft, er hatte sein Ladegerät vergessen. «Da sah ich ein DJ-Set und sagte mir: Weisst du was, kauf das, schauen wir mal.» 25 war er damals, hobbymässig legte er House-Musik auf. DJ sein und Fussballspielen – es war eine komplizierte Zusammensetzung, «nach einer langen Nacht wieder ins Training, das ging nicht», sagt Subotic. Er blieb beim Fussball, verdiente in Kuwait viel Geld.

Dann aber kam der Anruf von seinem Vater. «Ich sagte: Wer GC? Sicher nicht! GC Zürich?»

Ein Jahr blieb der Stürmer am Persischen Golf, dann wechselte er nach Aserbeidschan. Er lebte im Hotel, «ich war eingeschlossen», sagt er, «kannte nur mein Zimmer, den Fussballplatz und den Fitnessraum im Keller». Später spielte er in Moldau für das reiche Sheriff Tiraspol in einer armen Liga. Spieler, die bis zu 30'000 Dollar im Monat verdienten, duschten auswärts in Stadien mit Wasser, das in Flaschen abgefüllt war, weil es in den Garderoben kein fliessendes Wasser gab. Und in Südkorea, da war zwar der Lohn gut, dafür hatte er drei Trainer in einem Monat. Anekdoten wie diese lassen Subotic sagen, er sei sich nicht immer wie ein Profi vorgekommen.

Die Nase voll vom Wechseln

Berichteten Schweizer Medien über Subotic, bekam er Übernamen und Etiketten. So bezeichnete ihn das Fussballmagazin «Zwölf» als Schweizer Beckham, wegen seiner vielen Tattoos. Damit kann er leben. Man sagte ihm aber auch nach, er sei ein Partylöwe. Das stört ihn heute. «Ich habe nicht mehr Party gemacht als andere», sagt er, während der Saison ohnehin nie. Heute beschäftigt er sich mit seiner Zukunft, er will eine Familie gründen und fährt einen Kleinwagen. Und: Er spielt bei GC.

Fast ein Jahr war er davor vereinslos, «das machte mich kaputt», sagt er. Jeden Morgen stellte er sich die Frage, ob er aufgeben oder weitermachen soll, da war Subotic 29. Er war zurück in Basel und hielt sich fit. Es gab Angebote aus Zypern, Griechenland und den Emiraten. Aber Subotic hatte «die Nase voll» vom Wechseln, er hatte immer gesagt, er wolle seine Karriere in der Schweiz beenden, sonst reizte ihn nur noch die USA. Dann aber kam der Anruf von seinem Vater. «Ich sagte: «Wer? GC? Sicher nicht! GC Zürich?» Eineinhalb Stunden sassen Subotic und sein Bruder Dejan zusammen und besprachen das Angebot. «Egal, wie wir es drehten und wendeten, am Schluss stand immer GC, Challenge League hin oder her.» Er unterschrieb für ein Jahr und traf in bisher sechs Spielen dreimal.

Mit Mitspieler Robin Kamber pendelt er täglich von Basel nach Zürich. Erstmals in seiner Karriere gehört er zu den Ältesten im Team. Nur Vero Salatic und Marko Basic sind älter. «Das Projekt mit den Jungen gefiel mir», sagt Subotic, «und der Aufstieg ist ein super Ansporn.» Was aber, wenn es damit nicht klappt? Würde er noch ein Jahr in der Challenge League anhängen? Er, der es nie lange bei einem Verein aushielt? Das wird nicht der Fall sein, sagt er und grinst. «Wir steigen auf.» Als Erster oder über die Barrage? «Wir steigen auf.»


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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Erstellt: 19.10.2019, 10:17 Uhr

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