Interview

«Eitelkeiten haben keinen Platz»

Gökhan Inler ist mit der SSC Napoli auf Titelkurs. Der Naticaptain spricht über den Konkurrenzkampf mit seinen Schweizer Teamkollegen, den Scudetto, Maradona und die Gefahren einer pulsierenden Stadt.

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Gökhan Inler, Ihr Club hat erst zweimal die Meisterschaft gewonnen. Den letzten Titel holte die SSC Napoli vor 23 Jahren. Was würde der Scudetto für die Stadt bedeuten?
Das können sie mich in zwei Monaten wieder fragen. Aber natürlich wäre der Scudetto für diese fussballverrückte Stadt und die Napoli-Fans phänomenal.

Sie geben also den Titelgewinn nicht als Saisonziel aus?
Selbstverständlich wollen wir Meister werden. Aber es sind noch 16 Runden zu spielen, und die Konkurrenz mit Juventus Turin, Lazio Rom und den Mailänder Clubs ist gross. Es tönt zwar simpel: Aber wir schauen nur von Spiel zu Spiel. Das ist unsere Philosophie. Wichtig ist, dass jeder Einzelne daran glaubt und in jeder Partie sein Potenzial abrufen kann.

In Ihrem Club herrscht eigentlich die gleiche Konkurrenzsituation wie in der Schweizer Nationalmannschaft. Valon Behrami, Blerim Dzemaili und Sie kämpfen um zwei Plätze im defensiven Mittelfeld. Ist das ein Problem?
Nein, überhaupt nicht.

Auch wenn fast immer einer aus diesem Trio auf die Bank muss?
Das ist wirklich kein Problem. Bei uns herrscht ein gesunder Konkurrenzkampf, indem wir uns gegenseitig anstacheln und vor allem helfen. Das Wichtigste ist ein tadellos funktionierendes Kollektiv. Da haben Eitelkeiten keinen Platz. Im letzten Spiel war Valon Behrami gesperrt. Da habe ich mit Blerim Dzemaili im defensiven Mittelfeld gespielt. Und das hat, wie auch jeweils mit Behrami, problemlos funktioniert.

Auf welches Spielsystem setzt Ihr Trainer Walter Mazzarri?
Wir sind sehr flexibel und beherrschen eigentlich jedes System, das wir gegebenenfalls auch auf den jeweiligen Gegner ausrichten. Vorwiegend praktizieren wir aber ein 3-4-3-System.

Die beiden letzten und bisher einzigen Meisterschaften holte Ihr Verein noch mit dem legendären Diego Maradona. Wie präsent ist der Argentinier noch in Neapel?
Er ist omnipräsent und allgegenwärtig. Maradona lebt in unserer Stadt.

Wie macht sich das bemerkbar?
In den Strassen sieht man Bilder und Statuen von ihm. Maradona werden unsere Fans nie vergessen. Er wird immer in ihren Köpfen sein. Sie werden ihn immer vergöttern und lieben. Die SSC Napoli ist auch Maradona.

Stimmt es, dass die Nummer 10, die einst Maradona in Neapel trug, in diesem Club nie mehr vergeben wird?
Ja, das ist so, die Nummer 10 wird nie mehr ein Spieler der SSC Napoli auf dem Rücken tragen.

Ihr Teamkollege Blerim Dzemaili wurde von Nationalcoach Ottmar Hitzfeld nicht für den WM-Test vom kommenden Mittwoch in Athen gegen Griechenland aufgeboten. Wie enttäuscht war er?
Wir haben darüber noch nicht gesprochen. Die Entscheidung hat Ottmar Hitzfeld getroffen, und das muss man respektieren und akzeptieren.

In der Bundesliga kommen viele Ihrer Natikollegen wie Eren Derdiyok, Tranquillo Barnetta, Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka nicht regelmässig zum Einsatz. Da machen Sie sich als Captain der Nationalmannschaft bestimmt Ihre Gedanken.
Selbstverständlich. Das ist nicht unproblematisch. Es sind zurzeit einige Spieler, die wenig Spielpraxis haben. Das ist nicht optimal. Trotzdem sehe ich das nicht so pessimistisch.

Weshalb?
Spieler, die in ihren Clubs nicht regelmässig spielen, sind erst recht heiss, wenn sie dann in der Nationalmannschaft zum Einsatz kommen.

Themawechsel: Valon Behrami wurde mitten in der Stadt in seinem Auto von zwei Töfffahrern angehalten und mit der Pistole bedroht. Dann musste er seine teure Hublot-Uhr aushändigen. Wie sicher fühlen Sie sich?
Das mit Valon ist natürlich eine üble Geschichte. Glücklicherweise habe ich mich hier noch nie bedroht gefühlt. Wer nach Neapel kommt, muss wissen, dass so etwas passieren kann. Neapel ist eine wunderbare und pulsierende Stadt. Aber eigentlich kann so etwas generell überall passieren. Auch in Zürich.

Angst haben Sie also keine?
Nein, absolut nicht. Man muss einfach immer aufmerksam sein und ruhig bleiben.

Sie fühlen sich also sicher?
Ich hatte wirklich noch nie ein Problem. Ich spüre, dass mich die Fans lieben. Ich habe mein Domizil auch bewusst etwas ausserhalb von Neapel aufgeschlagen. Ich wohne ganz in der Nähe des Trainingsgeländes. Da habe ich meine Ruhe.

Erstellt: 01.02.2013, 15:21 Uhr

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