Elektromonteur unter Strom

Luzerns Flügelstürmer Adrian Winter hat einen bemerkenswerten Karriereweg hinter sich.

In der vergangenen Saison ohne Treffer, kann der Spieler Adrian Winter in Luzern endlich wieder jubeln.

In der vergangenen Saison ohne Treffer, kann der Spieler Adrian Winter in Luzern endlich wieder jubeln. Bild: Keystone

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Die Begrüssung war alles andere als freundlich. Von einem Fehltransfer war die Rede. Die «Neue Luzerner Zeitung» titelte «Ohne Mentor und ohne Tor» und setzte zu Beginn der Saison gleich ein Fragezeichen hinter die Verpflichtung von Mittelfeldspieler Adrian Winter. Dieser war kurz zuvor mit dem FC St. Gallen in die Challenge League abgestiegen, hatte während der letzten Saison keinen Treffer erzielt und musste zum ersten Mal in seiner Karriere ohne Uli Forte auskommen. Der Trainer war über zehn Jahre lang sein Mentor und liess Winter ohne Begründung fallen. Der rechte Mittelfeldspieler fiel in der Ostschweiz ausser Rang und Traktanden und wurde in den Nachwuchs verbannt.

Auf die Überholspur

Ein knappes Jahr später wird Winter heute um 17.45 Uhr gegen den FC Basel zu seinem 25. Meisterschaftseinsatz für den FC Luzern kommen. Vom Abstellgleis auf die Überholspur – mit sieben Toren entwickelt er sich in der Zentralschweiz immer mehr zu einem Publikumsliebling. Gar zum Aufsteiger der Liga? «Das wäre wohl übertrieben», sagt Winter und gibt sich im Gespräch bescheiden. Auf die Frage, ob er der schnellste Spieler der Liga sei, antwortet er: «Das glaube ich nicht, aber in Luzern bin ich seit dem Wechsel von Hakan Yakin einer der Schnelleren.» Er punktet mit Humor, spricht seine Sätze ruhig und überlegt, sagt selten zwei Worte, wenn auch nur eines reicht. «Ich vergesse nicht, woher ich komme und bin einfach nur dankbar, dass ich Fussballprofi sein darf. Das ist nicht selbstverständlich.»

Privileg Fussballprofi

Fussballprofi. Für Winter mehr als nur ein Job. Ein Privileg, das er schätzt. Mehr als seine Berufskollegen, denn der 25-Jährige weiss, was es heisst, den ganzen Tag zu malochen. «Ich habe eine Lehre als Elektromonteur gemacht und vier Jahre lang jeden Tag von sieben Uhr morgens bis fünf Uhr gearbeitet.» Eine harte Zeit, wie Winter betont: «Nach der Arbeit bin ich jeweils direkt ins Training von Red Star Zürich (1. Liga, die Red.) gefahren und hatte so gut wie keine Freizeit.» Im Alter von 20 Jahren schloss er die Lehre ab, ging eine Woche später zum FC Wil in die Challenge League, wechselte ein Jahr darauf zum FC St. Gallen und hat nun beim FC Luzern einen Vertrag bis 2014 in der Tasche. Ein sehr steiler Aufstieg, der im heutigen Profigeschäft eher selten vorkommt. «Mein Weg war sehr speziell», bestätigt Winter. Er sieht aber auch etliche Nachteile in seinem Werdegang.

Er habe als Teenager keine professionellen Trainingseinheiten absolvieren können, habe nie in einer Schweizer Juniorenauswahl gespielt und deshalb Defizite im technischen und auch taktischen Bereich gehabt. «Ich weiss nicht, wo ich jetzt stehen würde, wenn ich von Anfang an alles auf die Karte Fussball gesetzt hätte», sagt Winter. Bereut hat er seine Entscheidung trotzdem keine Sekunde. «Für mich war von Anfang an klar, dass ich eine Lehre absolvieren werde, denn wenn die Sache mit der Profikarriere nicht geklappt hätte, wäre ich zwischen Stuhl und Bank gefallen. Man braucht eine Absicherung, denn als Fussballer, weiss man nie, wie lange die Karriere dauert – und ob es überhaupt klappt.»

Aus diesem Grund geniesse er jede Sekunde auf dem Rasen und mache sich keine grossen Gedanken darüber, was sein könnte, wenn er einmal einen schlechten Tag erwische. «Ich lebe meinen Bubentraum und darf Fussball spielen. Es gibt nichts, was mir mehr Spass macht.» Negative Berichte in der Presse erschüttern ihn nicht. Er erinnert an einen Menschen, der Millionen im Lotto gewonnen hat und sich keine Sorgen mehr über die Zukunft machen muss. Winter wirkt entspannt und locker.

Der Stimmungsmacher

Charaktereigenschaften, die der rechte Flügel auch neben dem Rasen transportiert. Er gilt als Stimmungsmacher in der Kabine, steht ständig unter Strom und ist berüchtigt für seine Spässe. Mitspieler Xavier Hochstrasser warnt: «Man muss immer auf seine Sachen aufpassen, sonst wird man Opfer von Adis Streichen.» Winter will zwar nicht verraten, wie er seine Kollegen ärgert. Aber er bestätigt seinen Ruf: «Ich bin ein aufgestellter, lebensfroher Mensch. Spässe gehören dazu.»

Sein Trainer Murat Yakin sei davon aber ausgenommen: «Er ist der Chef und eine Respektsperson. Spässe gegenüber ihm gehören sich nicht.» Sollten sich die Innerschweizer aber am Mittwoch gegen den FC Sion für den Final qualifizieren und am 16. Mai den Schweizer Cup gewinnen, dann wäre Winter der Erste, der Yakin mit einer Ladung Bier übergiessen würde: «Das gehört im Fussball dazu.»

Erstellt: 07.04.2012, 16:37 Uhr

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