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Ergreift jetzt sogar Messi die Flucht?

Der Sportchef verärgert den Superstar, die Clubführung verrechnet sich, die Resultate sind dürftig: Beim FC Barcelona liegt einiges im Argen.

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Schwer zu sagen, wann der grössere Rückschlag passierte. In der 79. oder in der 93. Minute des Spiels in Bilbao? Fakt ist nur: Der FC Barcelona verliert einen weiteren Schlüsselspieler und scheidet durch ein Gegentor in der Nachspielzeit gegen Athletic Bilbao aus dem Cup aus. Einem Cup, in dem Barça im Halbfinal auf San Sebastián, Granada oder Zweitligist Mirandés hätte treffen können. Doch angesichts der turbulenten Woche wäre ein Weiterkommen auch für den grossen Favoriten fast schon eine Überraschung gewesen.

Eigentlich war ja schon der Start ins 2020 beim spanischen Meister ein einziges Chaos. Da war zum Beispiel der Abgang des talentierten Innenverteidigers Jean-Clair Todibo. Nicht, dass der 19-Jährige eine Teamstütze gewesen wäre, aber jetzt stehen noch drei Innenverteidiger im Kader. Seit Donnerstagabend sind es sogar nur noch zwei – Gerard Piqué musste sich in der 79. Minute mit einer Muskelverletzung auswechseln lassen. Wie lange der Abwehrchef ausfällt, ist noch unklar – am Sonntag im Auswärtsspiel bei Betis Sevilla wäre er jedoch sowieso gelbgesperrt gewesen.

Weise Voraussicht liess die Vereinsführung um Präsident Josep Maria Bartomeu und das Sportchef-Duo Eric Abidal/Ramon Planes auch in der Trainerfrage und bei einer weiteren Baustelle, dem Mittelsturm, vermissen. Zuerst verhandelten sie in aller Öffentlichkeit mit Xavi, obwohl Ernesto Valverde noch auf dem Trainerstuhl sass. Nach der Absage der Vereinslegende entliessen sie Valverde und verpflichteten Quique Setién. Das Vorgehen veranlasste sogar die sonst eher zurückhaltende Vereinsikone Andrés Iniesta zur Kritik.

Zudem verpassten es die Clubbosse, einen Ersatz für den bis Saisonende verletzten Luis Suárez zu holen. Sie waren nach Valencias Absage betreffend Wunschspieler Rodrigo der Meinung, vier Stürmer (den 17-jährigen Ansu Fati mitgezählt) reichten für drei Positionen. Nun, jetzt sind es nur noch drei – der seit November verletzte Ousmane Dembélé erlitt kurz vor seinem Comeback einen Sehnenriss, auch für ihn ist die Saison gelaufen. Und Barça sucht plötzlich wieder händeringend nach Ersatz.

Weil das Transferfenster geschlossen ist, darf aufgrund einer schweren Verletzung ein vertragsloser Spieler oder ein Profi aus der spanischen Liga geholt werden. Medienberichten zufolge heisst der auserwählte Angel – so viel göttlicher Beistand muss in dieser Situation schon sein. Der 32-Jährige stürmt aktuell für das Überraschungsteam Getafe, schoss bisher 13 Saisontore und hat eine Ausstiegsklausel von 10 Millionen Euro.

Messis scharfe Reaktion

Nach so viel Chaos ist es irgendwie logisch, dass sich Abidal zur Rechtfertigung gezwungen sah. Er tat dies mittels Interviews in den katalanischen Sportzeitungen «Mundo Deportivo» und «Sport». Und er machte damit alles noch schlimmer. Denn der Champions-League-Sieger von 2009 und 2011 sagte unter anderem: «Einige Spieler waren unzufrieden mit Valverde und arbeiteten nicht mehr richtig.» Eine verbale Ohrfeige fürs Team, die Captain Lionel Messi zu einer scharfen Reaktion provozierte.

Der Weltfussballer postete auf Instagram einen Screenshot von Abidals Interview bei «Sport» und schrieb dazu: «Wer Spieler kritisiert, sollte auch Namen nennen. Sonst werden Unschuldige in den Dreck gezogen.» Und: «Die sportliche Leitung sollte ihre Verantwortung wahrnehmen und für ihr Handeln geradestehen.» Messis Ärger soll so weit gehen, dass er mittlerweile sogar einen Wechsel zu Manchester City in Erwägung ziehe – dies will zumindest das britische Portal «The Athletic» erfahren haben.

Nun stehen sie also da bei Barça, vor einem grossen Trümmerhaufen. In der Liga nur noch auf Rang 2 und im Haus ein Berg selbst verschuldeter Probleme. Mit grossen Erwartungen sind sie in die Saison gestartet, nun deutet vieles auf die erste titellose Saison seit 2007 hin. Schwierig, mit einer derart dünnen Personaldecke um alle Pokale mitzuspielen. Immerhin: Jetzt sind es ja nur noch zwei.

Erstellt: 07.02.2020, 14:53 Uhr

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