Erstmals spricht Petkovic über den Rauswurf von Inler

Der Nationalcoach ist nach einem Todesfall in der Familie zur Mannschaft gestossen. Mit fünf Tagen Verzögerung erklärt er seinen brisanten Personalentscheid.

Nationalcoach Vladimir Petkovic verzichtet in den EM-Tests gegen Irland und Bosnien-Herzegowina auf Captain Gökhan Inler.

Nationalcoach Vladimir Petkovic verzichtet in den EM-Tests gegen Irland und Bosnien-Herzegowina auf Captain Gökhan Inler. Bild: Keystone

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Der Termin ist ungewöhnlich. Um 9 Uhr morgens bittet Vladimir Petkovic zur Pressekonferenz im Mannschaftshotel in Feusisberg. Er redet lange, weil es aus seiner Sicht einiges gibt, was zu erklären ist. Zuerst redet er über seinen neuen Vertrag («Von mir aus war es nie eine Frage, nicht zu verlängern»). Dann vor allem über das Thema der Stunde: die Nichtnomination von Gökhan Inler.

Petkovic wartete am vergangenen Freitag bis zum letzten Moment, ob es allenfalls noch eine Absage eines Mittelfeldspielers gäbe, bis er das Unvermeidliche bekannt gab und Gökhan Inler für die Länderspiele gegen Irland und Slowenien aus dem Aufgebot strich. «Das ist nur eine sportliche Entscheidung», betont Petkovic. Inler ist zum Verhängnis geworden, dass er bei Leicester schon die ganze Saison kaum gespielt hat.

«An seiner Stelle wäre ich auch wütend»

«Ein Spieler wie Gökhan kann mit dieser Situation nicht zufrieden sein. An seiner Stelle wäre ich auch wütend. Aber ich muss darauf schauen, was in meiner Mannschaft passiert, das muss ich pflegen. Darum versuche ich, mit allen korrekt zu sein, das war ich auch mit Gökhan. Ich gab ihm viel Unterstützung, als er bei Napoli nicht spielte, ich gab sie ihm auch diese Saison. Er hat seinen Bonus gehabt, weil er dieser Spieler ist, ein solches Charisma, einen solchen Charakter und 89 Länderspiele hat. Aber ich verfolge eine klare Linie: Wenn man lange nicht spielt oder nicht viel, kann man kein seriöses Thema für meine Mannschaft sein.»

Das versteht er auch als Zeichen an Valentin Stocker, der bei Hertha Berlin schon länger keine Rolle mehr spielt und jetzt nicht aufgeboten ist. Er versteht es als Zeichen für alle. Im Dezember und Januar versuchte Petkovic noch, seinen Captain für die Situation zu sensibilisieren. Anders gesagt: Er versuchte, ihm die Vorteile eines Clubwechsels nahezulegen. Inler aber beharrte darauf, in Leicester zu bleiben: «Ich will nicht weglaufen.»

«Aber das ist jetzt die Konsequenz»

Petkovic anerkennt seinen Mut, sich der Situation zu stellen. «Aber das ist jetzt die Konsequenz», sagt er und meint damit, dass Inler erstmals seit über neun Jahren in einem Aufgebot für die Nationalmannschaft fehlt. Der Entscheid von heute gegen Inler bedeutet für Petkovic nicht, dass es schon ein Entscheid für den Sommer ist. Er hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich Inler im Verein noch irgendwie in die Mannschaft zurückkämpft. Nur deutet er auch an: «Wenn es so bleibt, wie es ist, wird es schwierig für ihn, an die EM zu kommen.»

Der Fall Lustenberger

Anders liegt der Fall von Fabian Lustenberger. Im Gespräch mit dem Captain von Hertha Berlin spürte Petkovic, dass er nicht bereit ist, als Ergänzungsspieler zum Nationalteam zu kommen. «Aber ich sehe ihn nicht als Stammspieler», erklärt Petkovic. Ohnehin will er keinem Spieler irgendetwas garantieren: weder einen Platz im Team oder auf der Bank noch irgendeine Funktion im Team. Auch bei Lustenberger will sich Petkovic alles offenlassen: «Was morgen ist, werden wir morgen sehen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.03.2016, 10:28 Uhr

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