«Es ist einfach, in dieser Situation einen Sündenbock zu finden»

Uli Forte reagiert auf die Kritik nach dem Vaduz-Spiel. Er verstehe sie und möchte neues Feuer entfachen. Am besten mit einem Sieg gegen Lausanne-Ouchy.

Will gewinnen und unbesorgt bleiben: GC-Trainer Uli Forte.

Will gewinnen und unbesorgt bleiben: GC-Trainer Uli Forte. Bild: Patrick B. Kraemer/Keystone

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Unten beim Eingang, da ist die Stimmung gut. Goalie Mirko Salvi kommt vom Mittagessen, grüsst freundlich, «alles gut bei Ihnen?», fragt er. Und: «Kommen Sie auch zum Spiel?» Eine Etage höher aber, in den Büroräumen des GC-Campus, da geht es um anderes. Um Kritik, um schlechte Leistungen, um Trainer Uli Forte, der sagt: «Eine Reaktion ist gefragt.»

Forte hat mit GC einen Punkt in zwei Spielen der Rückrunde geholt. Der Start ist misslungen, trotz einer guten Vorbereitung. Während und nach dem Freitagsspiel gegen Vaduz gab es Beleidigungen in Richtung des Trainers, sogar einzelne Zuschauer von der Haupttribüne forderten: «Forte raus!» Das ist ein Rückschritt in den Frühling, als Fans auf dem Campus und vor Fortes Wohnsitz Transparente mit eindeutigen Botschaften aufhängten.

«Wenn man nicht gewinnt mit GC, oder vor allem wenn ich als Uli Forte mit GC keinen Erfolg habe, dann dreht die Stimmung schnell.»Uli Forte zur Kritik an seiner Person.

Ohne Champagner siegreich

«Ich verstehe das», sagt Forte vor dem Spiel am Freitagabend gegen Lausanne-Ouchy. «Wenn es nicht läuft, sucht man einen Sündenbock, und es ist einfach, in dieser Situation einen zu finden.» Die Stimmung im GC-Umfeld war miserabel, als Forte kam, «ich wusste, dass ich zum Erfolg verdammt bin». In der Hinrunde stimmten die Resultate, auch wenn der 45-Jährige sagt: «Es war nicht immer superschöner Champagnerfussball, aber den spielt YB ja auch nicht immer.» Oft landeten drei Punkte auf dem Konto der Zürcher, ohne dass sie überragend spielten. Jetzt ist das nicht mehr der Fall. Und Forte sagt: «Wenn man nicht gewinnt mit GC, oder vor allem wenn ich als Uli Forte mit GC keinen Erfolg habe, dann dreht die Stimmung schnell.»

Forte hat ein Kader, gespickt mit erfahrenen Spielern. Captain Veroljub Salatic, Andreas Wittwer, Nassim Ben Khalifa und Oliver Buff kommen zusammen auf fast 1000 Einsätze in der Super League. Sie sollten es sein, die dieses Team tragen, um diese Achse sollten die Jungen wirbeln, an ihr sollten sie sich orientieren. Wittwer, Buff und auch der 31-jährige Danijel Subotic waren zum Saisonstart noch nicht da, gegen Vaduz standen sie aber in der Startformation, «jetzt können wir nicht mehr von einer jungen Mannschaft sprechen», sagt Forte. Er sei überrascht gewesen, dass trotz dieser Erfahrung auf dem Platz so wenig kam von seinem Team. GC war über das ganze Spiel hinweg ungefährlich, Forte findet: «So dürfen wir uns nicht mehr präsentieren.»

Basic in China, Pusic gesperrt

Und jetzt ist auch noch Marko Basic weg. Der 31-jährige Kroate wollte gehen, ist auf dem Weg nach China, er soll in die zweithöchste Liga wechseln. Sein Ersatz war in der Hinrunde der 20-jährige Genfer Baba Souare, er kam im März 2019 von Servette. Forte ist zuversichtlich, Souare habe sich gut entwickelt und grosses Potenzial. Die Probleme der Grasshoppers liegen auch weiter vorne, Sportchef Fredy Bickel ist auf der Suche nach einem Stürmer. Bis dahin aber bringe es nichts, zu überlegen, ob das Kader reiche oder nicht, sagt Forte.

Ratlose Gesichter: Marko Basic in seinem letzten Spiel für GC, daneben Captain Veroljub Salatic. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Er wird in der Startformation Wechsel vornehmen. Einerseits, weil er will. Andererseits, weil er nach Basics Abgang muss. Zudem fehlt Petar Pusic gesperrt, gegen Vaduz hat er seine vierte Gelbe Karte gesehen. Und Allan Arigoni hat sich im Training am rechten Knie verletzt, der Aussenverteidiger fällt bis zu sechs Wochen aus.

«Ich hoffe, dass durch die Umstellungen neues Feuer entsteht», sagt Forte. Ob er unbesorgt ist? «Unbesorgt ist man, wenn man gewinnt. Alles andere blenden wir aus.» Weitere Fragen zu seiner Person dürfen nicht gestellt werden. GC will nach vorne schauen. Und einmal mehr versuchen, die Stimmung aufzuheitern.


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Erstellt: 07.02.2020, 16:11 Uhr

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