FCZ in Bern heillos überfordert

Beim 0:3 gegen YB waren die Zürcher ohne Chance. Negativer Höhepunkt: Chikhaoui wurde vom Platz gestellt.

Täter Chikhaoui wird auch von YB-Trainer Forte zurückgehalten. Am Boden wälzt sich Opfer Steffen. Foto: Urs Lindt (freshfocus)

Täter Chikhaoui wird auch von YB-Trainer Forte zurückgehalten. Am Boden wälzt sich Opfer Steffen. Foto: Urs Lindt (freshfocus)

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Der FC Zürich erlebte im Stade de Suisse ein Fiasko. Die Zürcher verloren beim 0:3 gegen die Young Boys nicht nur drei Punkte, sondern auch Captain Yassine Chikhaoui durch Platzverweis. Mit nunmehr sieben Punkten Rückstand auf YB schwindet auch fast jegliche Hoffnung, im nächsten Sommer die Qualifikations­spiele für die Champions League ­bestreiten zu können. Die absteigende Tendenz ist frappant: In den sieben Meisterschaftsspielen dieses Frühjahres ergatterte der FCZ lediglich acht Punkte; er droht im Mittelmass zu versinken.

Bereits nach einer halben Stunde war die Partie in Bern entschieden, als Bertone einen Flankenball von Gerndt zum 2:0 in die Maschen von Goalie Da Costa setzte. Und als Chikhaoui in der 44. Minute nach einer Tätlichkeit an Steffen die Rote Karte sah, ging es für den FCZ nur noch um Schadensbegrenzung. Nach einem Foul von Steffen trat der ­Tunesier zuerst nach dem YB-Spieler, zog ihn danach an beiden Ohren und verpasste ihm anschliessend eine Watsche ins Gesicht. Und auch Teamkollege Berat Dijmsiti griff tüchtig zu, wurde aber von Schiedsrichter Klossner dafür nicht bestraft.

Urs Meier musste hinterher die Scherben zusammenkehren. «Unentschuldbar, inakzeptabel» sei das Verhalten von Chikhaoui, tadelte der FCZ-Trainer. Er sei nach dem Spiel in der ­Kabine am ­Boden zerstört gewesen, «wie wir alle», fügte Meier an. Doch sei Chikhaoui ­zuvor mehrmals gefoult worden, ohne dass der Schiedsrichter eingegriffen habe, was unverständlich sei. «Chikhaoui fühlte sich ungerecht behandelt, er fühlte sich provoziert.»

Dennoch, schränkte Meier ein, «weiss man ja, dass Steffen ein Spieler ist, der Gas gibt. Darauf muss man sich einstellen können.» Chikhaoui aber hatte seine Nerven nicht im Griff, und Steffen gab hinterher unumwunden zu: «Es ist ­bekannt, dass Chikhaoui es nicht mag, wenn man ihn bearbeitet.»

Bickel: «Wir haben Platz 2»

Chikhaoui reist nun für Länderspiele zu Tunesiens Nationalmannschaft. Dem FCZ wird er aber mehrere Spiele fehlen, auch im Cuphalbfinal am 7. April gegen Sion. Und Meier muss schauen, dass er mit seiner Mannschaft den Anschluss im oberen Drittel der Tabelle nicht ganz verliert. Der Rückstand auf YB beträgt jetzt sieben Punkte, was YB-Sportchef Fredy Bickel zur Bemerkung veranlasste. «Wir haben Platz zwei zementiert.» Und er fügte an, dass man sich gleichwohl nicht zu sicher fühlen dürfe.

Doch momentan ist der FCZ nicht in der Lage, YB zu fordern. Für die Berner war es der sechste Heimsieg in Serie, seit zwölf Partien sind sie ungeschlagen mit neun Siegen und drei Unentschieden.

Meier hatte die Abwehr von einer Dreier- auf eine Viererkette umgestellt. «YB strotzt vor Selbstvertrauen, Basel hat hier vier Gegentore kassiert», argumentierte der FCZ-Trainer. Bereits in der 12. Minute war alles Makulatur. Der FCZ geriet in Rückstand, als nach Vorarbeit von Steffen der Schwede Gerndt seinen Schuss vor der Torlinie von Koch ­abgewehrt sah; doch der Ball fiel genau vor die Füsse von Topskorer Hoarau, der den Ball ins Netz wuchtete. Hoarau verwertete in der 57. Minute ­zudem den Penalty zum 3:0, den der eingewechselte Chiumiento an Steffen verschuldet hatte.

Zu diesem Zeitpunkt aber war es ­bereits ein Spiel ohne jegliche Spannung gewesen. Der FCZ bekundete mannig­fache defensive Probleme und war nicht in der Lage, YB auch nur annähernd zu fordern. «Das Spiel war schon vor dem Platzverweis entschieden», bekannte ein frustrierter Mario Gavranovic. «Nichts, was wir uns vorgenommen hatten, konnten wir umsetzen, wir sind nur dem Ball hinterhergelaufen.»

Erstellt: 22.03.2015, 21:49 Uhr

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