FCZ-Präsident möchte die Trainerfrage nicht beantworten

Der FCZ und Trainer Bernard Challandes geraten nach der 0:1-Blamage gegen Aarau immer ärger in Bedrängnis.

Grosser Ärger: «Das war Alibi-Fussball», erklärte Trainer Bernard Challandes nach dem Spiel.

Grosser Ärger: «Das war Alibi-Fussball», erklärte Trainer Bernard Challandes nach dem Spiel. Bild: Keystone

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Ludovic Magnin war sich am frühen Samstagabend auf der Tribüne des Letzigrunds in der Halbzeitpause sicher: «Wir schiessen in der zweiten Hälfte das entscheidende Tor und besiegen Aarau.» Und danach, so der gesperrte FCZ-Verteidiger, werde er nach Hause fahren und am Teletext die Rangliste der Super League aufrufen. Er werde genüsslich feststellen, dass sein Klub nur noch 1 Punkt hinter Luzern und Rang 4 liege, der Ende Saison die Qualifikation zur Europa League einbringt.

Nach seiner Rückkehr in sein Haus im St. Galler Rheintal wird Magnin den Fernseher indes kaum eingeschaltet haben. Er hatte sich in der Pause im Letzigrund geirrt und davon blenden lassen, dass der FCZ vor der Pause dominiert und einige sehr gute Chancen vergeben hatte. Nicht die Zürcher erzielten in der zweiten Halbzeit den entscheidenden Treffer, sondern die Aarauer. Ausgerechnet der frühere FCZ-Nachwuchsstürmer Mustafi sicherte dem Tabellenletzten und seinem Interimstrainer Jakovljevic den zweiten Sieg in Folge in der Liga. Es war der erste Auswärtserfolg seit genau einem Jahr; die Euphorie bei den Aarauern war entsprechend gross. Präsident Alfred Schmid kündigte an, dass Jakovljevic, der U-21-Trainer ohne die erforderlichen Papiere für die Super League, das Team auch im Heimspiel gegen St. Gallen betreuen werde. Wunschkandidat für die Nachfolge ist Ryszard Komornicki.

Zürcher Alibi-Fussball

Die Zuversicht ist beim FC Aarau wieder vorhanden – die Hoffnung, den Klassenerhalt über die Barrage doch noch zu erreichen, stark gewachsen. Der Rückstand auf das neuntplatzierte Bellinzona beträgt noch einen Punkt. Und in der letzten Runde kommt es im Tessin zur direkten Begegnung. Ganz anders ist die Gemütslage beim FCZ, vorab wegen der miserablen Darbietung in der zweiten Halbzeit. «Das war Alibi-Fussball», erklärte der enttäuschte Trainer Bernard Challandes. Der Meister kam, abgesehen von zwei, drei Standardsituationen, nie mehr in aussichtsreiche Abschlusspositionen. Es fehlten die Bewegung, die Breite und Tiefe im Spiel, die Inspiration, der Esprit – eigentlich alles. «Wir haben versagt», wusste der desillusionierte Challandes. Und Captain Hannu Tihinen zog das zutreffende Fazit: «Mit solchen Darbietungen können wir die Europa League vergessen.»

Schicksalsspiel in Luzern

Das 0:1 gegen den Tabellenletzten ist eine Blamage für den Meister. Da mochte auch Ancillo Canepa nichts schönreden. Der Präsident hatte den Auftritt noch im Stadion reichlich verärgert als schlechteste Saisonleistung, ja eine der schwächsten FCZ-Darbietungen während seiner Amtszeit bezeichnet. Seit gut drei Jahren führt er den Verein. Nach der Niederlage verbrachte er den ersten Teil des Samstagabends noch im Letzigrund, wo er das 5:0 der FCZ-Frauen gegen Thun verfolgte.

Wenigstens sie hätten ihm Freude gemacht, bemerkte er am Sonntagmittag nach einer kurzen Nacht mit wenig Schlaf. Es war nicht zu überhören, dass der Frust des Vortags noch nicht verarbeitet war. Bis anhin, sagte Canepa, sei es in dieser Rückrunde meist der Fall gewesen, dass die Mannschaft wenigstens ansprechend gespielt habe, auch wenn die Resultate nicht immer gestimmt hätten. Die zweite Halbzeit gegen Aarau aber war ein leistungsmässiger Totaleinbruch. Darüber ist der Präsident noch viel mehr enttäuscht als vom negativen Ergebnis. Er stimmt mit Tihinen überein, dass mit Auftritten dieser Art der vierte Platz nicht zu erreichen sei. Am Saisonziel Europa League hält er dennoch eisern fest. Alles andere sei für einen Meister nicht akzeptabel.

Kein Vertrauensbeweis Noch stehen in der Super League fünf Runden aus; noch sind 15 Punkte zu vergeben. «Wir geben nicht auf», kündigt Canepa an. Kommenden Samstag steht das nächste Schlüsselspiel des FC Zürich im Kampf um den vierten Rang gegen Luzern an. Mit Bernard Challandes als Trainer an der Seitenlinie? Canepa, sonst nie um eine Entgegnung verlegen, erklärt nach langem Zögern: «Diese Frage möchte ich im Moment nicht beantworten.» Ein Vertrauensbeweis tönt anders.

Erstellt: 19.04.2010, 08:52 Uhr

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