Fahnder untersuchen Geldflüsse des PSG-Chefs an Jérôme Valcke

Die Schweizer Justiz ermittelt gegen den katarischen Präsidenten von Paris Saint-Germain. Der Vorwurf: Bestechung.

Links: PSG-Präsident und Sportstatthalter des Emirs: Nasser al-Khelaïfi. Rechts: Langjähriger Generalsekretär der Fifa: Jérôme Valcke. Fotos: Getty Images

Links: PSG-Präsident und Sportstatthalter des Emirs: Nasser al-Khelaïfi. Rechts: Langjähriger Generalsekretär der Fifa: Jérôme Valcke. Fotos: Getty Images

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Er war der Mann, der Neymar nach ­Paris geholt hatte, für 222 Millionen Euro. Während die Öffentlichkeit noch versuchte, diese Rekordsumme zu fassen, trat Nasser al-Khelaïfi im eng geschnittenen Anzug vor die Presse und sagte den Satz: «Trust me, he didn’t come for the money.» Vertraut mir, er kam nicht wegen des Geldes. Auf dem Pult, hinter dem der Katarer sass, prangte der Slogan: «Dream Bigger».

Träum grösser.

Solche Momente gab es immer wieder, seit das Emirat Katar den französischen Hauptstadtclub 2011 übernommen hatte. Seither hantiert man in Paris schnell mit achtstelligen Eurosummen. Khelaïfis Macht leitet sich von jener des Emirs ab, er amtet als Sportstatthalter der Herrscherfamilie in Europa. Neben dem PSG-Chefposten führt er auch den staatlichen Fonds Qatar Sports Investments und das Sportsender-Konglomerat BeIN Media Group, ein Spin-off von al-Jazeera.

Nasser al-Khelaïfi, der als Junge mit dem Kronprinz von Katar Tennis gespielt hatte, versuchte es als Profi, schaffte es bis zum Weltranglistenplatz 995. Er besuchte Eliteschulen, spricht Englisch und Französisch; sein Aufstieg an die Spitze des europäischen Sportbusiness vollzog sich in irrem Tempo. Heute ist er 43 Jahre alt. Sein Leumund: unbefleckt.

Bis jetzt. Nun steht ein schwerer ­Vorwurf im Raum: Khelaïfi soll nicht nur Fussballspieler gekauft haben. Sondern auch die Nummer 2 der Fifa.

Bestechung, Betrug

Die Schweizer Bundesanwaltschaft gab gestern bekannt, dass sie gegen Khelaïfi und gegen Jérôme Valcke, den langjährigen Generalsekretär des Weltfussballverbands, Ermittlungen eingeleitet habe. Der Vorwurf: Verdacht auf Bestechung, Betrug, ungetreue Geschäfts­besorgung und Urkundenfälschung. Das Verfahren läuft bereits seit März, die ­Ermittler hielten es aber bisher geheim.

Der Fall dreht sich um die Vergabe von TV-Rechten der Fussball-Weltmeisterschaften von 2026 und 2030, deren Austragungsorte noch gar nicht bestimmt sind. Khelaïfi soll Valcke dafür «nicht gebührende Vorteile» zugehalten haben. Die Fifa bestätigte gestern auf Anfrage, dass BeIN «bestimmte Rechte» für diese beiden Turniere erworben hatte, insbesondere für den nordafrikanischen und den arabischen Raum.

Ein weiterer, namentlich nicht ­bekannter Sportrechtevermarkter ist laut Mitteilung der Bundesanwaltschaft ebenfalls in die Affäre verwickelt; es gebe Hinweise, dass dieser Geschäftsmann Jérôme Valcke für Rechte von Weltmeisterschaften von 2018 bis 2030 bestochen habe. Jérôme Valcke musste gestern den Ermittlern als Beschuldigter Rede und Antwort stehen. Gleichzeitig veranlasste die Bundesanwaltschaft ­Razzien in Spanien, Griechenland und Italien, die Schweizer Justiz war dabei anwesend. In Boulogne-Billancourt bei Paris durchsuchten französische Fahnder die Büros von BeIN Sports. Die ­Mediengruppe liess mitteilen, man weise alle Vorwürfe aus der Schweiz ­zurück.

Nasser al-Khelaïfis Aufstieg vollzog sich in irrem Tempo. Sein Leumund: unbefleckt. Bis jetzt.

Die Fifa schrieb in einem Statement, man unterstütze die Ermittlungen und sei als geschädigte Partei am Verfahren beteiligt. Weitere Kommentare könne man nicht abgeben.

180 Geldwäscherei-Meldungen

Bei der Bundesanwaltschaft sind im Fussballdossier inzwischen 180 Geldwäschereimeldungen eingetroffen, es laufen parallel 25 Strafverfahren rund um korrupte Funktionäre. Auf die Spur der neuen mutmasslichen Bestechungszahlungen kamen die Staatsanwälte ­offenbar während früherer Ermittlungen gegen Jérôme Valcke. Der Ex-Generalsekretär der Fifa sah sich bereits im Jahr 2016 mit dem Vorwurf konfrontiert, mit Ticketverkäufen in die eigene ­Tasche gewirtschaftet zu haben. Später gab die Fifa selbst bekannt, dass Valcke Teil eines internen Bonuskarussells ­gewesen sei. Im März 2016 hatten die Schweizer Ermittler Valckes Residenz durchsucht.

Der Franzose hatte die Vorwürfe gegen ihn stets bestritten; diesen Mittwoch trat er vor den Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne, um gegen seine zehnjährige Fussballsperre zu kämpfen, welche die Ethikkommission der Fifa verhängt hatte. Er habe immer im besten Interesse des Verbands gehandelt, sagte er, der heute laut «Inside World Football» in Spanien lebt.

Khelaïfi schweigt bisher

Unter der Ägide von Nasser al-Khelaïfi expandierte das Medienhaus BeIN ­aggressiv, kaufte WM-Übertragungsrechte, Pay-TV-Kanäle, selbst die legendäre Filmproduktionsfirma Miramax. Der Auftrag des Emirs schien eindeutig: den Kleinstaat in eine globale Sport- und Medienmacht zu verwandeln.

Jüngst litt BeIN allerdings unter der Fehde, die Katar mit Saudiarabien und anderen arabischen Staaten austrägt. Reporter der Senderkette sahen sich in der Region von Fussballspielen aus­geschlossen oder Belästigungen aus­gesetzt; bisweilen mussten laut «New York Times» gar fremde TV-Crews Aufzeichnungen für die unerwünschten BeIN-Leute übernehmen.

Und jetzt auch noch eine Bestechungsaffäre. So hat sich Nasser ­al-Khelaïfi, der «grösser träumen» will, Saison eins nach dem Neymar-Transfer kaum vorgestellt. Zu den Vorwürfen aus der Schweiz schwieg er gestern.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.10.2017, 23:18 Uhr

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