Favre stapelt tief

Gladbachs Trainer Lucien Favre zählt in der Branche nicht zu den taktischen Angsthasen. Doch wenn es um eine Prophezeiung für diese Saison geht, ist der Schweizer weit weniger mutig.

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Trotz des guten Saisonstarts mit vier Punkten und den Millioneninvestitionen in neue Spieler stapelt Lucien Favre tief. Das erneute Erreichen des vierten Platzes hält der Romand für ausgeschlossen. «Ich kann schon jetzt mit Bestimmtheit sagen, dass wir keine so herausragende Saison spielen können wie im Vorjahr. Es wird sehr, sehr gefährlich für uns», warnte Favre gegenüber Ran.de vor einem möglichen grossen Absturz. Der Coach lieferte für seine Bedenken gleich die Erklärung mit: «Damals konnten wir das Selbstbewusstsein, den fast sicheren Abstieg doch noch vermieden zu haben, mit in die neue Saison nehmen. Doch diesmal ist mit Marco Reus, Roman Neustädter und Dante unser Rückgrat weg. Alle drei sind unmöglich zu ersetzen.»

«Es braucht viel Zeit, die Neuen zu integrieren»

Zudem bereite ihm die Entwicklung der Neuverpflichtungen Bauchschmerzen. «Ich sehe tagtäglich im Training, dass es Zeit braucht, die Neuen zu integrieren. Um Dominguez mache ich mir keine Sorgen, er kommt aus Spanien. Xhaka, de Jong und Hrgota dagegen aus der Schweiz, aus Holland und aus Schweden. Diese Meisterschaften haben ein völlig anderes Niveau», sagt der ehemalige Meistermacher des FC Zürich. Die Mehrbelastung in der Europa League sei ein weiterer Grund, weshalb Platz 4 nicht mehr realistisch sei. «Gladbach ist seit 16 Jahren erstmals wieder im internationalen Geschäft dabei. Da müssen wir uns erst eingewöhnen.»

«Gladbach hat die Qualität, um wieder oben mitzuspielen»

Gladbach-Experte Jörg Stiel kann die Ängste Favres vor dem grossen Absturz nicht nachvollziehen. «Ich finde es doch etwas früh, wenn Favre jetzt schon sagt, wie die Saison diesmal für Gladbach ausgehen könnte», erklärt der ehemalige Captain und Torhüter von Borussia Mönchengladbach. Die Mannschaft habe auch nach den namhaften Abgängen immer noch sehr viel Qualität. «Diese müsste eigentlich ausreichen, um in der Bundesliga wieder um Platz 3 oder 4 mitspielen zu können.» Favre jammere auf einem sehr hohen Niveau. Gladbach sei mit einem Sieg im Pokal und vier Punkten aus zwei Bundesligaspielen hervorragend in die Saison gestartet. «Hätten die Gladbacher das Hinspiel in der Champions-League-Qualifikation gegen Kiew nicht mit 1:3 verbockt, stünden sie nach dem 2:1-Sieg im Rückspiel sogar in der Champions-League-Gruppenphase.» Der Aargauer sagt aber auch: «Falls Lucien Favre tiefstapelt mit dem Hintergedanken, den Druck von seiner jungen Mannschaft nehmen zu wollen, dann machen seine Warnungen für mich durchaus Sinn.»

Favres Forderungen wurden alle erfüllt

Favre hatte Borussia Mönchengladbach vor zwei Jahren in extremis vor dem Abstieg bewahrt und das Team in der vergangenen Saison sensationell auf den 4. Tabellenrang der Bundesliga geführt. Dieser Erfolg führte dazu, dass Gladbach mit Torjäger Reus, Abwehrchef Dante und Mittelfeldspieler Neustädter drei Eckpfeiler verlor, die von Dortmund, Bayern und Schalke abgeworben wurden. Deshalb forderte Favre neue Spieler mit derselben Qualität. Geld war ja vorhanden. Zwar erhielt der Club für Neustädter keine Ablöse, weil dessen Vertrag auslief. Dafür kassierte Gladbach für Reus von Dortmund 17,5 Millionen Euro. Für Dante, der zu den Bayern wechselte, vier Millionen. Favre drängte darauf, dieses Geld sofort wieder zu investieren. Sein Aktionismus hatte Erfolg. Der Verein blätterte für vier neue Stars 34,5 Millionen Euro auf den Tisch.

34,5 Millionen Euro für neue Spieler

In den holländischen Nationalspieler Luuk de Jong von Twente Enschede investierte Mönchengladbach inklusive gestaffelter Bonuszahlungen 15 Millionen Euro. In den Schweizer Internationalen Granit Xhaka 8,5 Millionen, in den spanischen Verteidiger Alvaro Dominguez 8 Millionen und in den deutsch-togoischen Stürmer Peniel Mlapa 3 Millionen. Macht 34,5 Millionen Euro. De Jong ist der mit Abstand teuerste Spieler in der 112-jährigen Vereinsgeschichte der Borussia.

Erstellt: 14.09.2012, 11:18 Uhr

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