Favres BVB verliert Spektakel in Leverkusen

Bayer Leverkusen gewinnt in einem spektakulären Schlagabtausch gegen Dortmund 4:3 und mischt wieder im Rennen um die Champions-League-Plätze mit.

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Aus im Cup, Rückschlag in der Liga - nach starkem Start in die Rückrunde ist bei Dortmund trotz eines Traumtors von Neuzugang Emre Can wieder Ernüchterung eingekehrt. Wie schon beim Aus im DFV-Pokal in Bremen (2:3) vor vier Tagen blieb die Mannschaft von Trainer Lucien Favre auch beim 3:4 in Leverkusen den Nachweis ihrer Klasse schuldig.

Vor 30 210 Zuschauern in der ausverkauften BayArena sorgten Kevin Volland (20./43.), Leon Bailey (81.) und Lars Bender (82.) für den Sieg der Hausherren, die im Kampf um die Champions-League-Plätze einen wichtigen Erfolg feierten. Dagegen verpasste der BVB trotz der Treffer von Mats Hummels (22.), Can (33.) und Raphael Guerreiro (65.) die Chance, zumindest über Nacht mit dem Tabellen-Spitzenreiter aus München gleichzuziehen.

Offener Schlagabtausch und viele Tore

Zur Freude der Zuschauer entwickelte sich von Beginn an ein sehenswerter Schlagabtausch der beiden offensivstarken Teams mit bereits vier Treffern in der ersten Halbzeit. Obwohl der BVB den besseren Start erwischte, ging Leverkusen in Führung. Nach klugem Zuspiel von Nadiem Amiri setzte sich Volland gegen seinen Gegenspieler Manuel Akanji durch und liess BVB-Keeper Roman Bürki keine Chance.

Im Gegensatz zur Partie in Bremen reagierten die Dortmunder diesmal schnell und schlugen binnen 13 Minuten gleich zweimal zurück: Hummels (22.) mit einem sehenswerten Kopfballtor und Neuzugang Can (33.) mit einem Traumtor aus 20 Metern. Doch es passte ins Bild des bisherigen Saisonverlaufs, dass der BVB erneut ins Wanken geriet. Dass Hummels unnötig zur Ecke klärte, wurde umgehend bestraft. Und wieder war es Volland (43.), der zum 2:2 traf.

Nach Wiederanpfiff bestimmte der BVB weiter das Spiel. Aber ein Treffer von Sancho (54.) wurde nach Videobeweis zurückgenommen. Der BVB ging dann aber doch noch in Führung: Guerrero traf zum 3:2. Wars das? Von wegen. Das Favre-Team wurde für sein grosses Engagement nicht belohnt. Wegen Bailey und Bender, die in der 81. und 82. Minute das Resultat auf den Kopf stellten.

Steffen erzielte Ausgleich in Unterzahl

Fortuna Düsseldorf hat trotz einem Mann mehr einen wichtigen Sieg aus der Hand gegeben. Der Bundesliga-Tabellenvorletzte spielte beim VfL Wolfsburg nur 1:1. Nur zwei Minuten, nachdem der Videobeweis eine Tätlichkeit von Marin Pongracic ermittelt und der VfL-Verteidiger die Rote Karte gesehen hatte (48.), gelang zehn Wolfsburgern durch Renato Steffen (50.) nach einer Vorlage seines Schweizer Kollegen der Ausgleich, nachdem der Abstiegskandidat verdient durch Matthias Zimmermann (13.) in Führung gegangen war.

Der VfL brauchte offenbar einen Art Weckruf wie den Platzverweis für seinen Winter-Einkauf Pongracic, um in dieses Spiel zu finden. Denn vorher waren völlig zahnlose «Wölfe» von ihren Fans sogar schon während der ersten Halbzeit ausgepfiffen worden. Am Ende rettete die Moral in Unterzahl diesen Wolfsburger Nachmittag. Unter anderen Umständen wäre niemand mit einem 1:1 zufrieden gewesen.

Der Schwung aus dem Cup ist verpufft

Werder Bremen hat den Schwung aus dem DFB-Pokal nicht mitnehmen können und taumelt in der Liga weiter dem Abstieg entgegen. Vier Tage nach dem beeindruckenden Cup-Coup gegen Dortmund verloren die Norddeutschen gegen Urs Fischers Union Berlin 0:2. Vor 42 100 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion erzielte Marius Bülter (52. und 72. Minute) die Treffer für den Aufsteiger, der sich damit weiter ins gesicherte Tabellenmittelfeld absetzte. Union hat nun schon neun Punkte Vorsprung auf Werder. Für die Bremer war es bereits die siebte Heimniederlage der Saison.

Liebeserklärung an Christian Streich

Die Liebeserklärung seines Trainerkollegen Alfred Schreuder brachte selbst den meist sehr ernst schauenden Christian Streich für einen Moment zum Schmunzeln. Nach dem 0:1 in Freiburg beendete der Hoffenheim-Coach sein Statement zum Spiel mit aussergewöhnlichen Worten: «Ich muss meinen Kollegen beglückwünschen, weil ich liebe ihn einfach.» Streich bedankte sich prompt beim Niederländer: «Dankeschön, Alfred», antwortete der 54-Jährige lächelnd. «Mir geht es auch so.»

Vor der Liebeserklärung hatte Freiburg dank Nationalspieler Luca Waldschmidt seine Mini-Krise beendet. Vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw sorgte der Angreifer per Foulelfmeter (40.) für den Sieg gegen Hoffenheim. Nach zuvor zwei Niederlagen und 0:6 Toren stellte Streichs Mannschaft den Anschluss an die Europa-League-Plätze wieder her. Dennoch bleibt die siebtplatzierte TSG in der Tabelle einen Punkt und einen Platz vor den Freiburgern.

Tor mit Helm und Schalke patzt

Vier Tage nach dem Rassismus-Skandal im DFB-Pokalspiel gegen Hertha hat Schalke wichtige Punkte abgegeben. Gegen den Tabellenletzten SC Paderborn kamen die Knappen nur zu einem 1:1-Remis. Der eingewechselte Klaus Gjasula (81.) rettete dem Abstiegskandidaten einen verdienten Punkt. Zuvor hatte der ebenfalls eingewechselte Ahmet Kutucu (63.) die Königsblauen in Führung gebracht. Zum Sieg reichte das nicht, den Schalke im Kampf um die Europacupplätze fest eingeplant hatte.

Nachdem Berlins Jordan Torunarigha am Dienstag laut eigener Aussage rassistisch beleidigt worden war, war der Slogan «#stehtauf» gegen Paderborn in der Schalker Arena allgegenwärtig. Damit wollten die Schalker zu Zivilcourage aufrufen und ein Zeichen gegen Ausgrenzung setzen. Deshalb fanden rund um die Partie verschiedene Aktionen statt. Die Schalker liefen mit T-Shirts auf den Rasen, auf denen «#stehtauf» stand. Zudem trug Captain Omar Mascarell eine speziell zum Spieltagsmotto entworfene Binde, für die Eckfahnen wurde das Regenbogenmuster als Zeichen gegen Homophobie verwendet.

Klinsmanns Hertha wieder im Abstiegskampf

Nach dem nächsten Rückschlag im Abstiegskampf verordnete Jürgen Klinsmann den Profis von Hertha zwei freie Tage. «Die Jungs sollen sich die Köpfe frei machen, mit ihren Frauen ein bisschen rausgehen und das verdauen. Danach gehen wir am Dienstag wieder in die Vorbereitung Richtung Paderborn», sagte Klinsmann nach dem 1:3 der Berliner gegen Mainz. Während den Rheinhessen nach zuvor vier Niederlagen der erste Sieg des Jahres 2020 gelang, laufen die erschreckend mut- und ideenlosen Berliner weiter den eigenen Ansprüchen hinterher.

Gelöst hingegen war die Stimmung bei den Mainzern - vor allem beim Dreifach-Torschützen Robin Quaison. «Es war ein guter Tag für mich. Nach den Niederlagen der letzten Spiele war der Sieg wichtig für unser Selbstvertrauen», sagte der Hertha-Spezialist. Erstmals seit Mitte Dezember konnte Mainz wieder siegen. Vor allem dank der Treffer des 26-Jährigen (17./81. und 90.+4/Foulelfmeter). Vor zwei Jahren sorgte er beim Mainzer 2:0 im Olympiastadion schon für beide Tore und auch beim 2:1 in der Hinrunde war er einmal erfolgreich. «Wir sind richtig froh, dass wir diese drei Punkte einfahren konnten», sagte Mainz-Coach Achim Beierlorzer: «Die Mannschaft hat alles investiert, alles reingeworfen. Die drei Punkte tun uns wahnsinnig gut.»

Telegramme:

Freiburg - Hoffenheim 1:0 (1:0). - 24'000 Zuschauer.–Tor: 39. Waldschmidt (Foulpenalty) 1:0.–Bemerkungen: Hoffenheim ohne Zuber (Ersatz).

Hertha Berlin - Mainz 05 1:3 (0:1).–Tore: 17. Quaison 0:1. 82. Quaison 0:2. 84. Bruma (Eigentor) 1:2. 94. Quaison (Foulpenalty) 1:3.–Bemerkungen: Mainz ohne Edimilson Fernandes (verletzt). 89. Gelb-Rote Karte gegen Wolf (Hertha Berlin/Foul).

Schalke 04 - Paderborn 1:1 (0:0). - 61'614 Zuschauer. - Tore: 63. Kutucu 1:0. 81. Gjasula 1:1.

Werder Bremen - Union Berlin 0:2 (0:0). - 42'100 Zuschauer.–Tore: 53. Bülter 0:1. 72. Bülter 0:2.–Bemerkungen: Werder Bremen ohne Lang (verletzt).

Wolfsburg - Düsseldorf 1:1 (0:1). - 23'445 Zuschauer.–Tore: 13. Zimmermann 0:1. 50. Steffen 1:1.–Bemerkungen: Wolfsburg mit Mehmedi, Steffen (bis 74.) und Mbabu (ab 27.). 48. Rote Karte gegen Pongracic (Wolfsburg/Tätlichkeit).

Bayer Leverkusen - Borussia Dortmund 4:3 (2:2). - 30'210 Zuschauer.–Tore: 20. Volland 0:1. 22. Hummels 1:1. 33. Can 1:2. 43. Volland 2:2. 65. Guerreiro 2:3. 81. Bailey 3:3. 82. Lars Bender 4:3.–Bemerkungen: Dortmund mit Bürki und Akanji, ohne Hitz. 58. Hradecky (Leverkusen) lenkt Schuss an Pfosten. 64. Pfostenschuss Havertz (Leverkusen).

(ete/dpa)

Erstellt: 08.02.2020, 19:16 Uhr

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