Frei und Streller lassen Hitzfeld im Stich

Nationalcoach Ottmar Hitzfeld hat Alex Frei und Marco Streller oft vom Rücktritt abgehalten und ihnen stets loyal den Rücken gestärkt. Doch jetzt gibt es kein Zurück mehr.

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Hitzfeld, der seit dem Trauerspiel in Bulgarien noch mehr und sogar massiv in die Kritik, ja unter Druck geraten ist, gab nach dem 0:0 in Sofia Durchhalteparolen aus und sprach von einer durchaus intakten Chance im nächsten Spiel, sich zu rehabilitieren. Er hatte für die EM-Partie am 4. Juni in England auch fest mit dem Basler Sturmduo Alex Frei und Marco Streller gerechnet. Vergeblich: Die beiden haben per sofort ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekannt gegeben. Das überrascht und Hitzfeld dürfte sich ziemlich dumm vorkommen.

Die Majestätsbeleidigung für Hitzfeld

Ottmar Hitzfeld gilt in der Branche als einer der besten Trainer der Welt, zumindest als Vereinstrainer. Als Schweizer Nationaltrainer hat er diesen Beweis bisher jedoch nicht erbracht. Zuletzt hat ihn auch noch das Glück verlassen. Die Schweiz stagniert und enttäuscht auf der ganzen Linie. Als Klubtrainer hat Hitzfeld GC zum Titel geführt und Aarau zum Cupsieger gemacht. Mit Dortmund und den Bayern gewann er die Champions League und mit den Münchnern sogar den Weltpokal. Dass sich nun zwei Schweizer Nationalspieler von ihm abwenden, muss für den Deutschen wie eine Majestätsbeleidigung sein. Hitzfeld hatte Streller schon einmal zum Rücktritt vom Rücktritt gebeten. Doch diesmal ist es endgültig. Die beiden Torjäger des FC Basel haben dem Nationaltrainer ihren Entscheid offenbar bei einem persönlichen Gespräch mitgeteilt.

Laut einer Pressemitteilung des SFV haben Streller und Frei Hitzfeld den Rücktritt angeboten. Der Nationaltrainer habe dies nach reiflicher Überlegung angenommen. Mit ihren Rücktritten hätten Frei und Streller für sich die Konsequenzen gezogen. Die Aufgebote zu den Spielen der Nationalmannschaft, die Zeit der Zusammenzüge und die Länderspiele selbst seien für die beiden Spieler immer wieder und zunehmend von äusseren, für sie negativen Begleiterscheinungen geprägt und zuletzt sogar beherrscht worden.

Optimales Leistungsniveau nicht mehr möglich

Diese Nebenwirkungen hätten zuletzt den beruflichen Rahmen deutlich gesprengt. Sie seien weit über eine normale und zu akzeptierende Kritik hinausgegangen und hätten teils auf krasse Weise das Privatleben der beiden Fussballer und ihr persönliches Umfeld tangiert. Deshalb seien sie zur Einsicht gekommen, dass es für sie in einer derartigen Atmosphäre nicht mehr möglich sei, ihr optimales Leistungsniveau zu erreichen. Diese Erkenntnis habe sie dazu bewogen, per sofort, also noch vor dem EM-Qualifikationsspiel in England, aus dem Kader zurückzutreten.

Alex Frei hat für die Schweiz 84 Länderspiele bestritten und dabei 42 Tore erzielt. Marco Streller schoss in 37 Partien 12 Tore. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.04.2011, 20:07 Uhr

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