Fringers schnelles Scheitern

Der FCZ-Trainer verlor gestern seinen Job, daneben droht dem Club auch der Abgang von Fredy Bickel. Geht der Sportchef zu YB?

Abgang nach dem Training auf der Allmend und Abschied vom FCZ: Rolf Fringer. (Bild: Archiv TA)

Abgang nach dem Training auf der Allmend und Abschied vom FCZ: Rolf Fringer. (Bild: Archiv TA)

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Es ist kurz nach 16 Uhr, als Rolf Fringer im Foyer der Saalsporthalle nach dem Training auf der Allmend-Brunau in Arbeitskleidung auftaucht, sich an einen Tisch setzt und ein paar erklärende Worte abgibt: «Es gibt nur zwei Dinge, die uns interessieren dürfen: GC und Köniz.» Dann: «Wir sind in der Bringschuld, das ist entscheidend.» Und schliesslich: «Wir haben viel geredet und dafür die Quittung erhalten. Jetzt sollten wir nicht mehr reden, sondern arbeiten und uns auf das Wesentliche konzentrieren.»

Der FCZ steckt in einer tiefen sportlichen Krise. Und sein Trainer unter massivem Druck. Zu seiner Ankündigung unmittelbar nach dem 0:2 gegen Servette am Samstag, ein paar Spieler würden unter ihm nicht mehr eingesetzt, mag er jetzt keinen Kommentar abgeben. Fringer wirkt ernst, er ist nicht in Stimmung für eine Plauderstunde oder einen lockeren Spruch wie so oft. Er vermutet, dass der Tag Unangenehmes bringen wird, weil er in diesem Moment schon mehr weiss, als er sagt.

Die fristlose Kündigung

Es ist kurz nach 20 Uhr, als im Büro von Präsident Ancillo Canepa am Schanzengraben die Sitzung des FCZ-Verwaltungsrats zu Ende geht. Das Licht geht aus im zweiten Stock, es macht den Anschein, als wolle der Herr des Hauses suggerieren: Feierabend. Canepa aber verlässt das Haus nicht. Dafür biegt ein paar Minuten später Rolf Fringer um die Ecke, er trägt eine Mappe unter dem Arm. Als er sieht, dass vor dem Haus Journalisten warten, lächelt er und sagt: «Ich mache meinen üblichen Montagabendspaziergang.» Die Destination aber ist klar: Das Büro des Vorgesetzten. Er hat die Vorladung nicht erst am Nachmittag, sondern bereits am Morgen per SMS erhalten. Begleitet wird er nicht von einem guten ­Gefühl. Fringer hat die Befürchtung, dass ihm von Canepa die Entlasssung eröffnet wird. Das Licht im zweiten Stock geht plötzlich wieder an.

Knapp eine halbe Stunde dauert das Gespräch, in dem Fringer von Canepa im Beisein des neuen CEO Claudio Ammann tatsächlich erfährt, dass er ab sofort nicht mehr FCZ-Trainer ist. Aber es handelt sich nicht um eine übliche Freistellung: Canepa hat eine fristlose Kündigung auf den Tisch gelegt und Fringer aufgefordert, sich mit einer Unterschrift einverstanden zu erklären. Der Clubchef rechtfertigt die Massnahme angeblich mit dem Vorwurf, der Trainer habe sich verschiedentlich kreditschädigend geäussert – etwa, als er sagte, dem FCZ fehle das Geld für Transfers.

Canepa kam in seinen Überlegungen wohl entgegen, dass Fringer am Samstag nach dem beschämenden Auftritt beim 0:2 gegen Servette vor laufender Kamera auf die Frage antwortete, ob er seinen Job in Gefahr sehe: «Das ist mir eigentlich egal.»

Der schockierte Fringer

Fringer weigert sich, die fristlose Kündigung zu akzeptieren, für ihn ist die Argumentation nicht haltbar. Er besitzt einen Vertrag bis 2014, und er will nicht das Risiko eingehen, dass er womöglich kein Geld mehr sieht. Schockiert und enttäuscht sei er, sagt er, als er sich auf den Heimweg macht, «mich reut es, dass ich nicht weitermachen kann, es ist mein FCZ. Aber ich wünsche dem Verein viel Glück». Er will nun Abstand gewinnen und sich von seinen Hüft- und Rückenbeschwerden erholen. Verarbeiten muss er die nächste Enttäuschung in seiner Karriere. Zuletzt traf ihn eine Entlassung im Mai 2011 in Luzern, als sich der damalige Präsident Walter Stierli nicht auf die Seite seines Trainers, sondern von unzufriedenen Spielern stellte.

Als Canepa sein Büro verlässt, winkt er ab. Er hat keine Lust, zur nächsten Trainerentlassung auch nur einen Ton von sich zu geben. Gereizt sagt er nur: «Wir haben das Arbeitsverhältnis beendet. So etwas ist immer unangenehm.» Seine Fraue Heliane begleitet ihn und findet: «Das gehört halt auch zum Job des Präsidenten.» Dann verabschiedet sich Canepa mit dem Hinweis, am Dienstag um 11 Uhr an einer Pressekonferenz Stellung zu beziehen.

Bickel: «Kein Kommentar»

Nach 17 Spielen mit nur 17 Punkten, nach einer schwer enttäuschenden Bilanz im Letzigrund (7 Punkte in 9 Spielen) und dem Absturz auf Platz 8 beschleunigte Canepa den Abgang von Fringer. Der Präsident, der vor acht Monaten vom gleichen Trainer noch geschwärmt und den 55-Jährigen als Wunschlösung bezeichnet hatte, wählte in dieser Personalfrage den Alleingang, als er sich vorige Woche mit dem Team austauschte – in Abwesenheit des Trainers und von Sportchef Fredy ­Bickel. Canepa musste die Entlassung von Fringer bereits am Sonntag in die Wege geleitet haben. Die VR-Sitzung segnete offensichtlich nur noch ab.

Bickel erfuhr von Fringers Freistellung gestern erst gegen 21 Uhr. Äussern wollte er sich dazu nicht. Fringer wurde aber nicht nur der Misserfolg zum Verhängnis, sondern auch Teile der Mannschaft, die Stimmung gegen den Trainer machten und damit bei Canepa auf offenes Gehör stiessen. Wiederholt hatte der Coach darauf aufmerksam gemacht, dass es an Vorbild­figuren mangle.

Für das letzte Meisterschaftsspiel gegen die Grasshoppers sowie den Cup-Achtelfinal bei Classic-Erstligist Köniz springt nun interimistisch U-21-Trainer Urs Meier ein. Gleichzeitig läuft die Suche nach einem Nachfolger für Fringer. Wahrscheinlich muss der FCZ aber nächstens auch den Posten des Sportchefs neu besetzen. Bickel steht offenbar vor dem Abgang, weil er das selbst so will. Die Young Boys zeigen starkes Interesse an ihm. Zu vernehmen war von ihm diesbezüglich aber nur: «Kein Kommentar.»

Es sind unruhige Tage beim FCZ, wieder einmal. Das jüngste Trainerkapitel hat gerade einmal 148 Amtstage gedauert. Fringer hätte einen anderen Abgang gewünscht als diesen, aber er versucht, die Fassung zu bewahren. Er verschwindet an diesem Montagabend mit einem «C’est la vie» in die Nacht.

Erstellt: 27.11.2012, 06:05 Uhr

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