Führt Pishyar nach der Admira auch Servette ins Verderben?

Wie Admira Wacker den Versprechungen von Servette-Präsident Majid Pishyar glaubte und im Bankrott endete.

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In Genf kommt der Traditionsklub Servette nicht mehr aus den Schlagzeilen und scheint momentan wie Xamax auf dem Weg in den Konkurs. Wie bekannt wurde, konnte diese Woche die Androhung einer Gläubigergruppe, Konkurs zu beantragen, dank eines Deals abgewendet werden: Die Verantwortlichen des 17-fachen Schweizer Meisters müssen bis Freitag die Hälfte der Schulden, eine halbe Million Schweizer Franken, abzahlen.

Da die Genfer Wirtschaft dem klammen Klub wohl kaum zu Hilfe eilen wird, muss der Iraner selbst das Ruder herumreissen. Dass dies wirklich geschieht, darf zum jetzigen Zeitpunkt zumindest bezweifelt werden. Es wäre für Servette nach 2005 bereits der zweite Konkurs, als Servette dem Investor Marc Roger auf den Leim ging und zum ersten Mal überhaupt aus der höchsten Schweizer Spielklasse absteigen musste. Dass eine Wiederholung davon nun verhindert werden kann, liegt in den Händen von Präsident und Hauptaktionär Majid Pishyar. Doch bereits vor fünf Jahren liess er einen Verein zugrunde gehen.

Das österreichische Vorspiel

Die Hoffnungen waren gross beim österreichischen Bundesligisten Admira Wacker, als Majid Pishyar im Dezember 2004 im wenige Kilometer südlich von Wien gelegenen Mödling auftauchte. Bis zu diesem Zeitpunkt war der ehemalige U-21-Nationalspieler und heutige Investor der «32Group» niemandem in der Fussballwelt bekannt. «Allgemeines Fussballinteresse und sein von Kindesbeinen an gehegter Traum, einen europäischen Fussballverein zu leiten», sollen laut Sport10.at seine Antriebsfeder gewesen sein. Das Ziel war denn auch traumtänzerisch: Der neunmalige österreichische Meister Admira Wacker (zuletzt 1966) sollte ein europäischer Spitzenklub werden.

Es stimmte viele nicht stutzig, dass andere Investitionen in Österreich, Deutschland oder Tschechien nicht zustande kamen. Pishyar übernahm bald 100 Prozent der Aktien des damals maroden Klubs, der 1999 erstmals Konkurs gegangen war und abstiegsbedroht war. Der Globetrotter krempelte den Klub um, holte zahlreiche Spieler, aber der Erfolg kam nicht. In den folgenden Jahren erhöhte Pishyar laut einem Bericht von «Le Matin» sein Engagement um neun Millionen. Doch auch dies half nicht: Die Liga verweigerte Admira 2006 die Lizenz für die Saison 2006/2007, weil Pishyar keine Bankgarantie vorweisen konnte, obschon er behauptete, der Klub sei gesund. Die Zahlungstätigkeit von Admira schwand, die Zulieferer erhielten kein Geld mehr.

Nicht für den Konkurs verantwortlich?

Schliesslich endete es nach drei Jahren im Debakel: Gegen drei Millionen Franken Schulden kamen zusammen, die Zulieferer blieben auf fast 400'000 Franken unbezahlten Rechnungen sitzen. Admira wurde zwangsrelegiert und musste Insolvenz beantragen. Pishyars Sportmanager Khashayar Mohseni beklagte: «Uns ist mit der Admira eine lebende Leiche übergeben worden.» Anschuldigungen, wie man sie in dieser Saison auch von einem gewissen Neuenburger Vereinspräsidenten hörte. In Genf versucht der 57-jährige Präsident die Genfer Wirtschaft einzubinden – bisher erfolglos.

So zeichnet sich in Genf vielleicht eine Wiederholung ab. Die Grenats werden wohl nicht, wie von Pishyar angekündigt, 2018 um den Champions-League-Titel spielen, sondern um die Existenz kämpfen müssen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.02.2012, 13:53 Uhr

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