Fünf Thesen und ein vergoldetes Comeback beim FCZ

Marco Schönbächler fühlt sich nach 510 Tagen ohne Profimatch bereit für 90 Minuten. Er müsste dafür starke Konkurrenten verdrängen.

Am 15. März 2015 bestritt Marco Schönbächler sein letztes Spiel für den FCZ. Gestern gab er sein Comeback.

Am 15. März 2015 bestritt Marco Schönbächler sein letztes Spiel für den FCZ. Gestern gab er sein Comeback. Bild: Keystone

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Beginnen wir nach Spiel 3 des FCZ mit etwas Thesenjournalismus. Erstens: Der Challenge-League-Club wird nach Saisonende im Durchschnitt mehr Zuschauer haben als Super-League-Verein GC. Zweitens: Die Abwehr wird nicht verantwortlich sein, sollte der Absteiger gleich wieder aufsteigen.

Drittens: Der albanische EM-Skorer Armando Sadiku ist erster Kandidat für den Challenge-League-Torschützenkönig, will den FCZ aber trotzdem weiterhin schnellstmöglich verlassen, wenn ein passendes Angebot kommt. Viertens: Keine Mannschaft der Liga ist offensiv besser, vielseitiger, unberechenbarer. Fünftens: Es gibt gerade keinen glücklicheren Schweizer Fussballer als Marco Schönbächler.

Der Samstagabend mit dem unterhaltsamen Heimspiel gegen Wohlen hat gezeigt, für was dieser FCZ in dieser Saison stehen könnte: Nach den 13'700 zum Auftakt gegen Winterthur sind erneut mehr als 10’000 Zuschauer gekommen.

Sie sehen eine Mannschaft, die nach dem baldigen 1:0 durch Sadiku zwischenzeitlich bedenkliche Verteidigungsprobleme offenbart, sich durch die fabelhaften Tore von Winter (Volleyabnahme) und Rodriguez (Schlenzer ins hohe Eck) kurz vor der Pause befreit, in der zweiten Halbzeit trotz diverser Chancen nur noch das dritte Saisontor durch Sadiku erzielt, dafür aber mit Marco Schönbächler feiert, der nach 510 Tagen, 50 verpassten Meisterschaftspartien und 4575 entgangenen Spielminuten zurückkehrt durch seine Einwechslung nach einer Stunde.

Der frühere Schweizer Nationalspieler war von Arzt zu Wunderheiler zu Heilpraktiker zu Arzt gegangen, bis endlich jemand entdeckt hat, was ihm so sehr Schmerzen bereitet: das gerissene Schambeinband vorne, das operiert werden musste und nach dem Eingriff bald wieder in Ordnung war.

Der 26-Jährige hat zu Beginn der Verletzungsphase seinen Vertrag verlängert zu sagenhaft guten Konditionen, mit angeblich mehr als einer Million Franken könnte er im vergangenen Jahr auch in der Super League der bestverdienende Spieler gewesen sein, den Abstieg des FCZ hat er von der Tribüne aus erlebt, ganz sicher ist er jetzt der mit Abstand höchstbezahlte Fussballer der Challenge League.

Schönbächler zeigt in den 30 Comebackminuten Ansätze seines Leistungsvermögens: Er kann noch immer aus dem Stand heraus beschleunigen wie nur wenige Fussballer in diesem Land, er hat noch immer die Lust am Dribbling, den Drang zum Tor, die Freude am Zuspiel. Sadikus 4:0 bereitet er mit einem Steilpass vor, damit habe er sein Comeback «vergoldet», sagt er später. Und Teamkollege Cavusevic verzichtet auf einen Schuss aus bester Position, weil er Schönbächler den Treffer auf dem Silbertablett servieren möchte, das Zuspiel misslingt.

«Das war eine schöne Geste von Cavusevic», findet Schönbächler nach dem Match, das Strahlen im Gesicht erzählt davon, wie es ihm geht, wie es für ihn war, zurückzukehren, vom Stadion mit einer Ovation empfangen und von der Südkurve mit Gesängen verabschiedet zu werden. Er sagt: «Das hat gutgetan.»

Zwei Monate hat er zuletzt voll und schmerzfrei trainiert. Das war wichtig für den Kopf, weil er jetzt befreit auf dem Platz steht, weil er weiss: «Alles ist fest, alles hält.» Er fühlt sich bereit, auch schon für 90 Minuten, nur: Für einen fixen Platz im Team müsste er im 4-2-3-1 auf der Seite Rodriguez oder Winter verdrängen, die bisher beide einen guten Eindruck hinterlassen haben.

Das wird passieren, früher oder später, weil es für einen Schönbächler in Hochform keine Alternativen gibt beim FCZ. Vorerst aber geht es für ihn darum, Minuten zu sammeln und sich in Fahrt zu spielen. Der Spätsommer nähert sich. Und der Herbst, der wird dann lang. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.08.2016, 12:58 Uhr

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