GC in der Puppenkiste

Der Sturz von Axel Thoma als GC-Sportchef bringt einen alten Strippenzieher zurück in den Fokus: Erich Vogel.

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Es ist bei GC wie in der Augsburger Puppenkiste. Nur nicht so lustig. Auf der Bühne stehen die Figuren, die das Publikum unterhalten sollen. In der Puppenkiste sind es Marionetten. Bei GC sind es die Spieler, die Trainer, die Sportchefs, die Präsidenten, bei denen anscheinend nach Belieben an den Fäden gezogen wird. Die gesteuert werden von den Strippenziehern im Hintergrund, zu denen jetzt gerade und wieder einmal Erich Vogel gehören soll. Vogel, geboren 1939, war schon mehrmals GC-Sportchef und ist im Club noch immer bestens vernetzt mit den wichtigsten Geldgebern, Heinz Spross und Peter Stüber.

Die Grasshoppers haben in den vergangenen fünf Jahren Umstürze en Masse erlebt: Sie haben fünf Präsidenten gehabt, vier Trainer, mehrere Geschäftsführer und Sportchefs, richtige und halbe, qualifizierte und unqualifizierte. Sie entliessen Verantwortliche für den Nachwuchs. Sie spannten mit dubiosen Spieleragenten zusammen. Sie haben nach Rücktritten von entnervten Mitgliedern gerade nur noch zwei Verwaltungsräte. Sie hatten auch noch den Fall Salatic. Und jetzt sind sie auf oberster Stufe schon wieder ohne wichtigste sportliche Führungsfigur. Gestern Abend teilten sie die Entlassung von Axel Thoma mit.

Das Schwärmen ist vorbei

Sieben Monate lang durfte der Deutsche Sportchef bei GC sein. Es ist noch nicht lange her, da hatte Clubpräsident Stephan Anliker in Thoma den «profunden Kenner und ausgewiesenen Fachmann» gesehen, der es in der Challenge League beim FC Wil verstanden habe, junge Spieler voranzubringen. Jetzt ist nichts mehr mit Schwärmen. Jetzt ist die Zeit der Vorwürfe – auch wenn sich Anliker erst heute Nachmittag vor dem Auswärtsspiel in Aarau äussern will und auch sonst bei GC niemand redet. Es ist kein unwichtiges Spiel für die Mannschaft, bei einer Niederlage würde die Reserve auf den Abstiegsplatz nur noch sechs Punkte betragen.

Es wäre strategisch vielleicht klüger gewesen, Thomas Entlassung erst am Sonntag bekannt zu geben. Der Rekordmeister plante anders. Er begründete die Freistellung gestern Abend in einem Communiqué mit der «unterschiedlichen Auffassung des sportlichen Planungs- und Führungsprozesses für die laufende Saison, insbesondere aber bezüglich der mangelnden Fortschritte und der Systematik im Management des Kernbereichs Sport für die kommende Schweizer Fussball-Meisterschaft». Direkter tönt es bei einem GC-Insider mit besten Kontakten in den Verwaltungsrat des Vereins. Thoma habe mit seinem Wirken «Fehler und Kosten verursacht», sagt der und bezeichnet die Entlassung als «Notmassnahme».

Im Verwaltungsrat von GC sitzt neben Anliker derzeit nur Michael Schwarz, ein Immobilienhändler. Am 18. Mai kommen an der Generalversammlung neue Köpfe dazu. Stav Jacobi, millionenschwerer Präsident des Volleyballclubs Volero. Dazu Andras Gurovits, ehemaliger Richter am internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne. Priora-VR-Präsident Hans-Peter Domanig. Und: Georges Perego. Perego war viele Jahre bei GC tätig und wird geschätzt für seine Seriosität.

Die Rolle von Erich Vogel

Das Problem von GC ist allerdings: Der Verwaltungsrat und die operative Führung sind nur bedingt wichtig. GC wird von teilweise unsichtbaren Kräften beeinflusst, geprägt, gesteuert. Bei GC kämpfen Gegenpole nicht selten um die Macht. Und bei GC kehren alte Machthaber immer wieder zurück ins Zentrum und lösen den nächsten Wirbel aus. Es sind eben Figuren wie Heinz Spross, wichtigster Geldgeber in den vergangenen Jahren. Der Gartenbauer hat gerade gebürgt, damit GC die Lizenz für die neue Saison erhält. Und er hat das zusammen mit Autohändler Peter Stüber getan. Sowohl Spross wie Stüber entscheiden bei GC kaum etwas ohne ihren langjährigen Freund, ohne Erich Vogel.

Für viele Beobachter ist klar, dass Vogel sich gegen Thoma gestellt hat, weil er die Qualität seiner Transfers in Frage stellt, die Zuzüge von Spielern wie Vadocz, Fedele, Brown oder Lüthi. Diese Kritik ist sportlich nicht unberechtigt. Offenbar hat bei den Grasshoppers auch niemand ausser Thoma gewusst, dass sich der Vertrag von Aussenverteidiger Lüthi automatisch verlängert nach einer gewissen Anzahl Einsätze, wie es nun passiert ist und wie es gerade auch Trainer Pierluigi Tami verärgert hat. Ausserdem soll Thoma bei den Spielern sehr unbeliebt gewesen sein mit seiner entweder zugeknöpften oder besserwisserischen Art.

Thoma war gestern für eine Stellungnahme so wenig erreichbar wie Vogel, der vor kurzem noch, als erste Gerüchte über seine erstarkte Stellung bei GC aufgekommen waren, gesagt hatte, er sei relativ weit weg derzeit und nicht gegen Thoma, doch müsse sich der Sportchef jetzt beweisen. Nun berichten gut informierte Kreise darüber, dass es Vogel ist, der wesentlich damit beschäftigt sei, das Kader für die kommende Saison zu planen, und im administrativem Bereich von Perego assistiert werde – Perego im Übrigen soll in den vergangenen Jahren auch auf Mandatsbasis für Spross gearbeitet haben.

Die Erfahrungswerte der vergangenen Jahre zeigen, dass die Variante Vogel/Perego wahrlich realistischer ist als das, was die Clubführung gestern verlauten liess: Dass der in sportlichen Fragen unqualifizierte Geschäftsführer Manuel Huber interimistisch die Aufgaben und Funktionen des Sportchefs übernehme.

Erstellt: 08.05.2015, 23:48 Uhr

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