Goldene Zeiten mit Franck Ribéry

Was Onkel Jodok und den Franzosen verbindet – und wie Sportler via soziale Medien für Gesprächsstoff sorgen.

Mit diesem Tweet begann die Chose um Franck Ribérys Essgewohnheiten – sie endete mit einem Rundumschlag des Franzosen, der weit unter die Gürtellinie ging. (Screenshot: Twitter/FranckRibery)

Mit diesem Tweet begann die Chose um Franck Ribérys Essgewohnheiten – sie endete mit einem Rundumschlag des Franzosen, der weit unter die Gürtellinie ging. (Screenshot: Twitter/FranckRibery)

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Jodok, Jodok, immer nur Jodok, dieses Wort habe er in seine Schreibmaschine getippt, sagte Peter Bichsel, der wunderbare Erzähler, kürzlich bei einer Lesung im «Kosmos» in Zürich. Er hätte schon gedacht, das würde keine Geschichte, bis ihm der erste Satz einfiel, und dann wurde es eine grossartige Geschichte. Von Onkel Jodok weiss ich gar nichts, ausser, dass er der Onkel des Grossvaters war. So beginnt sie.

Ich musste daran denken. Ribéry, Ribéry, oder im Chor «Rrrribéry», wie sie ihn rufen im Stadion in München, wo sie ihn lieben, als dribbelnden Fussballer. Ein Name ist im Kopf. Ich wollte über ihn schreiben, aber es fiel mir kein erster Satz ein, Franck Ribéry macht es einem schwer. Wir finden es gut, dass da einer so anders ist als die meisten anderen, das macht ihn als Fussballer aussergewöhnlich, wir sind aber empört über seine Manieren und wie er verbal austeilt im Internet, und das eine hat wohl mit dem anderen zu tun, bei diesem Menschen, der es lange nicht leicht hatte in seinem Leben.

Und es hat auch damit zu tun, wie heute die Kommunikation funktioniert. Früher, und es ist noch gar nicht so lange her, in der Zeit ohne Handys und soziale Medien, da gab es die Interviews. Man traf jemanden, redete lange mit ihm und schrieb es nachher auf, der Interviewte sagte vielleicht lediglich: «Schreiben Sie bitte nichts Falsches.» Das Gespräch wurde gedruckt, ohne dass jemand sonst eingriff, es gab keine Berater und darüber wachende Medienstellen.

Heute gibt es die. Und es gibt kaum mehr ein Interview, das nicht vorgelegt werden muss, selten dem Interviewten, sondern Dritten, die darauf achten, dass kein Satz drin steht, der vielleicht polemisch ist und zu weiteren, nicht gewollten Geschichten führt. Es ist nicht selten, da wird versucht, eine Aussage, die gemacht wurde, ins Gegenteil zu verändern, Heikles zu streichen oder gar Fragen nachträglich anders zu formulieren. Inzwischen haben aber die meisten, mit denen wir gerne Interviews führen würden, ihre eigenen Kanäle, sie twittern, sie posten unter ihrem Namen.

Sie machen das, weil es zu ihrer Vermarktung gehört, gar in Verträgen steht, oder sie reagieren, wie Ribéry, weil sie im Netz beleidigt wurden, sie machen es ungefiltert, niemand schaut drauf, innert Sekunden ist es weltweit verbreitet.

Und das führt dann wieder zu Geschichten. Es braucht dazu keinen ersten Satz. Nur ein von Ribéry ins Netz gestelltes dekadentes Video, wie er in Dubai ein mit 24-karätigem Gold überzogenes Steak isst. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.01.2019, 11:21 Uhr

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