«Gross muss sich jetzt auch einmal hinterfragen»

Christian Gross wurde gestern bei YB als Trainer entlassen. Überraschend oder nicht? Wieso hatte man in Bern nicht mehr Geduld? Einstige Weggefährten des Zürchers haben Antworten.

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Erich Vogel hatte als Sportchef der Grasshoppers Christian Gross aus Wil nach Zürich geholt und ihm den Einstieg ins grosse Geschäft ermöglicht. Es war der Anfang einer grossen Trainerkarriere. Gross sammelte dann mit GC und dem FC Basel Titel um Titel und führte beide Vereine in die Champions League. Er arbeitete auch in England bei Tottenham Hotspur und in Deutschland beim VfB Stuttgart. Doch jetzt droht dem Zürcher nach der dritten Entlassung das jähe Ende als Trainer. Gross wurde zuletzt auch beim FC Basel und bei Stuttgart entlassen.

«Es geht ihm sicher schlecht», sagt Erich Vogel. Es es sei schade, dass es Gross bei YB nicht geschafft habe. «Ich hätte mir auch ein bisschen mehr Geduld seitens der Berner Vereinsleitung gewünscht», sagt der Experte des Teleclub. Für Vogel ist Gross nach wie vor ein hervorragender Trainer. «Und man darf auch nicht vergessen, dass er für den Schweizer Fussball enorm viel geleistet hat.»

«Die Mechanismen des Geschäfts machen vor keinem Halt»

Marco Schällibaum hatte YB einst vor dem Abstieg in die Anonymität der 1. Liga bewahrt und den Verein dann an die nationale Spitze und ins internationale Geschäft geführt. Vor seinem Engagement in Bern war er in Basel Assistenztrainer von Christian Gross. «Diese Entlassung ist für Christian eine Ohrfeige. Jetzt ist er in seinem Stolz tief verletzt», vermutet Schällibaum. Doch auch vor einem grossen Namen wie Gross machten die Mechanismen des Geschäfts keinen Halt.

«Die Entlassung ist für mich keine Überraschung», sagt Schällibaum. Gross habe in Bern einen eigenen Staff mitgenommen. Und dann sei der Spielerverschleiss enorm gewesen. «Da wurden Millionen investiert und unter dem Strich ist dabei überhaupt nichts herausgekommen», sagt Schällibaum. Er habe die Mannschaft bei der 1:2-Niederlage am Samstag in Genf gegen Servette am Fernseher gesehen. «Das war ein Team ohne Feuer, ohne Leidenschaft, ohne Freude, ohne Biss. Ein grossartiger Spieler wie der Schwede Farnerud ist nur noch ein Schatten seiner selbst», bedauert er.

«Mein Herz hängt immer noch an YB»

Trotzdem zollt Schällibaum Gross nach wie vor Respekt. «Er hat viel für den Schweizer Fussball gemacht.» Gross sei eine Persönlichkeit und ein dominanter Trainer. «Doch ich denke, dass auch er sich jetzt einmal hinterfragen müsste», so Schällibaum. Es könne ja nicht sein, dass Gross mit dieser Mannschaft sage und schreibe 25 Punkte hinter dem FC Basel hinterherhinke. Der zurzeit arbeitslose Schällibaum könnte sich eine Rückkehr zu YB gut vorstellen. «Mein Herz hängt immer noch an diesem Verein. Die Mannschaft hat ein grosses Potenzial.»

«Diese Entlassung hat mich überrascht»

FCZ-Sportchef Fredy Bickel, in gleicher Funktion einst auch bei YB tätig, arbeitete mit Gross bei den Grasshoppers zusammen. «Diese Entlassung hat mich doch sehr überrascht. Benno Oertig, der starke Mann bei YB, hat Gross immer den Rücken gestärkt. Ich hätte gedacht, dass man in Bern mehr Geduld mit Gross aufbringt und sich erst nach der Saison mit ihm zusammensetzt und die Situation analysiert.» Auch Bickel ist überzeugt, dass die Entlassung Gross in seinem Stolz tief verletzt. «Es ist logisch, dass ihn das trifft.» Gross habe nicht einmal eine ganze Saison überlebt.

Erstellt: 30.04.2012, 11:31 Uhr

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