Grüne Stadien in Qatar sind «aufwändig, aber machbar»

Die Fussballstadien sollen sich an der WM 2022 in Qatar selbst kühlen. Und zwar dank Solarenergie. Das ist möglich, aber nur mit hohem technologischen und finanziellen Aufwand, sagen Experten.

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Damit die WM sowohl für die Spieler auf dem Platz als auch für die Zuschauer auf den Tribünen keine Qual wird, gab Qatar bei seiner Bewerbung gleich ein Versprechen ab: Die Spielfelder sind beschattet, die Ränge klimatisiert. Scheich Mohammed bin Hamad bin Khalifa Al Thani persönlich will eine Temperatur von 27 Grad Celsius garantieren – obwohl in Qatar 45 Grad im Schatten herrschen. Und dies alles mit Hilfe von Solarenergie. Geht das überhaupt? Und ist das noch ökologisch?

Selbstversorgung fraglich

«Ja, es ist möglich», sagt Paul Gantenbein vom Institut für Solartechnik in Rapperswil. Dazu seien jedoch sowohl passive als auch aktive Massnahmen nötig. Das «Abschatten» des Platzes zum Beispiel zählt zu den passiven Massnahmen. «Auch Luftströme zu erzeugen oder das Dach mit aufbereitetem Wasser zu kühlen, wären Möglichkeiten», so Gantenbein. Es sei jedoch fraglich, ob das den gewünschten Effekt erziele.

Effizienter sei die aktive Massnahme der Kühlung. Dass die Stadien sich jedoch selbst mit Sonnenenergie versorgen, stellt der Experte infrage. «Dafür, dass ein Stadion sein eigenes Kraftwerk ist, reicht die Fläche der Gebäude womöglich nicht aus.»

Kein leeres Versprechen

Das sei aber auch gar nicht nötig. Dank Zusatzflächen für Kollektoren sei dennoch eine ökologische Lösung denkbar. «Diese müssen sich ja nicht in unmittelbarer Nähe des Stadions befinden.» Gantenbein glaubt nicht, dass es sich um ein leeres Versprechen handelt: «Mit der heutigen Technik ist das realisierbar, bis 2022 ist es vielleicht sogar elegant lösbar.»

Auch bei Fussballstadien werde heutzutage mehr Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Insofern sei die Idee, mit Solarenergie zu arbeiten, naheliegend. Der Fachmann bemängelt jedoch, dass auf den Illustrationen kaum eine Solarzelle zu erkennen sei. «Man müsste doch auch hier andeuten, dass dies bereits angedacht ist.»

Technologisch aufwändig

Für «technologisch aufwändig, aber grundsätzlich möglich» halt das Projekt auch Arno Schlüter, Professor für Architecture & Sustainable Building Technologies an der ETH Zürich. Qatar sei vielleicht nicht der optimale Standort für ein Event wie die WM, aufwändig werde der Bau solcher Stadien aber ohnehin: «Fände die WM an einem kühlen Standort statt, müsste man eine effiziente Heizung installieren», gibt er zu bedenken.

Doch auch Schlüter hält es für unwahrscheinlich, dass die benötigte Energie nur am Gebäude selbst erzeugt wird. «Die Energie wird wohl auf Solarfeldern ausserhalb gewonnen.» Wenn das Stadion modular aufgebaut sei, wäre auch der Abbau und die Weiterverwendung der Bestandteile unproblematisch. «Über die Nachnutzung wird jedoch meistens wenig kommuniziert.»

Schlüter lässt keinen Zweifel daran, dass es sich um ein sehr ambitiöses Projekt handelt: «Technisch ist sehr vieles möglich. Was alles noch Sinn ergibt, steht hingegen auf einem anderen Blatt». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.12.2010, 15:35 Uhr

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