Hitzfeld träumt vom Viertelfinal

Der Coach der Schweizer zeigt sich konzentriert und doch auch gelöst.

Ottmar Hitzfeld auf dem Weg zu seiner ersten Pressekonferenz in Porto Seguro – der Nationalcoach ist zufrieden: «Alle sind total einsatzfähig.» Foto: Reto Oeschger

Ottmar Hitzfeld auf dem Weg zu seiner ersten Pressekonferenz in Porto Seguro – der Nationalcoach ist zufrieden: «Alle sind total einsatzfähig.» Foto: Reto Oeschger

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Ottmar Hitzfeld sieht gut aus, nichts von den Zügen im Gesicht auszumachen, die bei ihm sonst so sehr für Anspannung und Belastung stehen. Von daher passt er gut nach Porto Seguro. Der kleinen Touristenstadt am ewig langen Sandstrand von Bahia gelingt es gut, zu verstecken, dass das Land am Vorabend einer WM steht. Würden nicht ab und zu die Schweizer in ihrem von Polizei eskortierten Bus durch die engen Strassen zum Trainingsplatz kurven, wäre gar nichts davon zu merken.

Von der Euphorie im Land ist bislang nichts in die Ecke vorgedrungen, die der Schweiz als Heimbasis dient, schon gar nicht zu Hitzfeld. Er ist mit seiner Arbeit befasst, mit Trainings, die er vorbereiten muss, mit Einzelgesprächen, die er führen will, sie seien in ihrem Hotel ja ziemlich abgeschirmt, sagt er, und das sei auch richtig so, weil sie sich schliesslich auf eine WM konzentrieren müssten.

«Aus dem Vollen schöpfen»

«Heute ist Mittwoch», sagt Hitzfeld, als er im Presseraum von Porto Seguro erstmals Hof hält, «Tag der Regeneration, für die Mannschaft, für mich.» Es tut ihm offenbar gut nach Tagen der Vorbereitung, die aus seiner Sicht intensiv gewesen sind. Er ist froh, so früh angereist zu sein, um sich an die Temperaturen und Umstände zu gewöhnen. Das interne Testspiel am Dienstag hat als wertvoller Probelauf für den Sonntag gedient, mit einem Mittagessen um 9.45 Uhr, einem Beginn um 13 Uhr, wenn die Sonne am höchsten steht.

Was er im Training sieht, stellt Hitzfeld zufrieden. Die Spieler, die angeschlagen waren wie Barnetta und Gavranovic, haben aufgeholt. Darum meldet der Coach: «Alle sind total einsatzfähig. Ich kann aus dem Vollen schöpfen. Ich habe ein grosses Kader – darum auch das Resultat in diesem Spiel.»

Ausgerechnet Djourou

Das kann dann zum 2:0 des vermeintlichen B-Teams führen und zur Überraschung, dass Johan Djourou im Abwehrzentrum jener Mannschaft bevorzugt wird, die für das Startspiel vorgesehen ist. Ausgerechnet Djourou. Gegen Jamaika hat er nicht überzeugt, sondern eher seine Schwächen bestätigt, das Stellungsspiel, das Timing im Zweikampf. Von ihm gibt es das geflügelte Wort, er sei in jedem Spiel für ein Tor gut – ein Gegentor.

Hitzfeld will diese Wahl nicht weiter ausdeutschen, zumindest nicht öffentlich. Wenn er jetzt schon die Aufstellung bekanntgeben würde, wäre es doch langweilig, sagt er, «es ist interessant zu spekulieren». Seine Mannschaft hat er im Kopf, das schon, aber bis zur endgültigen Entscheidungsfindung will er sich Zeit lassen, sich auf das verlassen, was er Gefühle und Intuition nennt.

Fragen zu Namen folgen. Was ist der Unterschied zwischen Granit Xhaka und Admir Mehmedi? «Xhaka ist der Ballverteiler mit hoher Spielintelligenz, Mehmedi eher der Stürmertyp.» Was ist der Unterschied zwischen den einzelnen Innenverteidigern? «Jeder hat seine Eigenart, seine Stärke.»

Sind die Irritationen zwischen Valon Behrami und Gökhan Inler, hervorgerufen durch eine negative Bemerkung von Inlers Berater gegen Behrami, endgültig beseitigt? «Wir haben im März lange Gespräche geführt, zuletzt auch in Weggis. Das Thema ist total ausgeräumt. Die beiden verstehen sich auf und neben dem Platz nach wie vor sehr gut.»

Und die Frage: Wie sehr ist die Mannschaft von Xherdan Shaqiri abhängig? «Wir haben verschiedene Spieler, die entscheidende Impulse geben können. Natürlich kann das Shaqiri auch.» Und noch die: Was sagt er zu den Spielern aus der Serie A, zu Inler, Behrami, Lichtsteiner, Dzemaili? «Alle Italiener sind Leader bei uns.»

Dass er «im Nachhinein» froh ist, Inler zum Captain gemacht zu haben, schiebt er nach. Das ist seine Art, etwas beiläufig fallen zu lassen, um einen Spieler zu stärken, der in seiner Rolle immer wieder einmal angezweifelt worden ist.

Bei aller Belastung sind es Tage, die Hitzfeld geniesst, bewusst geniessen will, weil es seine letzten als Trainer sind. «Ich hoffe, ich kann auch das letzte Spiel geniessen.»

Drei sind fix, gegen Ecuador, Frankreich und Honduras, «drei Finals», wie Hitzfeld sagt. Aber dabei soll es nicht bleiben. Er redet von grossen Zielen, davon, dass er Geschichte schreiben möchte. Und Geschichte schreiben heisst für ihn: «Weiterkommen als bis in die Achtelfinals.» Da ist eben die Möglichkeit eines Traumviertelfinals: gegen Deutschland, in Rio.

Spielern ins Gewissen reden

Zuerst ist Ecuador, schwierig genug, wenn man Hitzfeld zuhört. Wenn er eben von den Stärken der Südamerikaner berichtet, ihrem Umschaltspiel, ihren «brandgefährlichen Kontern», von den Valencias, Antonio und Enner, von Caicedo und Montero, von einer alles in allem hervorragend organisierten Mannschaft. Hitzfeld fasst zusammen: «Wir müssen hellwach sein.»

Und nicht nur das, sondern auch diszipliniert und kontrolliert. Fifa-Schiedsrichterchef Massimo Busacca hat gestern Abend noch im Schweizer Hotel vorgesprochen, um ihnen besondere Regeln für diese WM zu erklären. Unabhängig davon will Hitzfeld seinen Spielern noch «ins Gewissen reden». Auf dass sie keine unnötigen Fouls begehen, sich nicht provozieren lassen, dass sie nicht reklamieren. Es ist ein Fingerzeig für die zuweilen unangemessen reagierende Jugend Xhaka und Shaqiri.

Erstellt: 11.06.2014, 23:40 Uhr

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