Hitzfelds Sorgenkinder

Am nächsten Dienstag gibt Trainer Ottmar Hitzfeld das Schweizer WM-Kader bekannt. Einige Kandidaten sind verletzt – oder überzeugen im Verein nicht.

Wen nimmt er mit nach Brasilien? Hitzfeld bei einem Training mit der Nationalmannschaft im Oktober 2011.

Wen nimmt er mit nach Brasilien? Hitzfeld bei einem Training mit der Nationalmannschaft im Oktober 2011. Bild: Christian Hartmann/Reuters

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Die WM rückt näher. In sechs Tagen benennt Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld die 23 Schweizer WM-Fahrer, die am 25.Mai ins Vorbereitungscamp einrücken. Am 6.Juni fliegt die helvetische Delegation nach São Paulo, am 15.Juni trifft das Nationalteam im ersten Gruppenspiel in Brasilia auf Ecuador. Die meisten Kaderplätze sind bestimmt. Aber ein Überblick zeigt, dass es im Schweizer Team personelle Probleme gibt.

Abwehr: Baustelle

Goalie Diego Benaglio gab am Wochenende mit Wolfsburg sein Comeback nach wochenlanger Verletzungspause wegen eines Haarrisses im Mittelfinger. In der Abwehr brillieren Ricardo Rodriguez (links) und Stephan Lichtsteiner (rechts) aussen, das Abwehrzentrum dagegen ist eine Baustelle. Steve von Bergen schwächelt bei YB, Fabian Schär, im letzten Herbst noch der Aufsteiger, blickt auf mühsame Monate voller Verletzungen zurück. Immerhin gab der Basler am Wochenende mal wieder ein Comeback.

Die Vertreter in der Mitte werden wohl Johan Djourou und Philippe Senderos sein. Sie galten einst als Traumduo der Zukunft, kamen aber in den letzten Jahren nicht weiter. Auch zuletzt lief es nicht. Djourou beklagte in dieser Saison eine Leistenoperation und drei Muskelfaserrisse – und agierte, wenn er spielte, mit Hamburg ungenügend. Senderos flüchtete im Winter von Fulham zu Valencia, wo er wenig spielt und sich mit Verletzungen herumschlägt. Alternativen gibt es kaum: Timm Klose ist bei Wolfsburg Ersatz, der bei Hertha überzeugende Fabian Lustenberger fällt verletzt aus, Stéphane Grichting, mit GC routiniert und souverän, hat längst seinen Rücktritt aus dem Nationalteam gegeben.

Für Rodriguez und Lichtsteiner gibt es derweil kaum valable Alternativen. Michael Lang (GC) ist rechts solid, international aber unerfahren – und der vielseitig einsetzbare Aufbauer Gelson Fernandes dürfte links einspringen, falls Rodriguez ausfällt.

Aufbau: Xhaka nicht in Form

Gökhan Inler und Valon Behrami sind im Schweizer 4-2-3-1-System defensiv im Aufbau gesetzt. Es soll atmosphärische Spannungen zwischen den beiden geben, berichtet der Boulevard. Das wäre im Hinblick auf die WM ungünstig. In der offensiven Dreierreihe schliesslich sind ja Xherdan Shaqiri, Granit Xhaka und Valentin Stocker erste Wahl. Bayerns Shaqiri ist seit Wochen verletzt, die WM-Teilnahme allerdings sollte nicht gefährdet sein. Die grosse Frage aber ist: Wie fit wird der wichtigste, beste Schweizer Feldspieler sein? Xhaka wiederum hat bei Gladbach den Stammplatz verloren. Stocker, immerhin, überzeugt bei Basel, vermochte diese Leistungen aber im Nationaldress selten zu bestätigen.

Frankfurts Pirmin Schwegler, zuletzt länger verletzt, ist ein Wackelkandidat. Sein Teamkollege Tranquillo Barnetta erlitt erst Ende April einen Muskelfaserriss im Oberschenkel, die Zeit wird sehr knapp. «Alle verletzten Spieler werden erstklassig betreut, daher gehe ich davon aus, dass sie rechtzeitig fit sein werden», sagte Hitzfeld vor wenigen Tagen. Er baut auf Barnetta, meinte aber: «Wer zu den zwei Vorbereitungsspielen nicht einsatzbereit ist, für den wird es schwierig, mit nach Brasilien zu fliegen.» Die Schweiz testet noch zweimal in Luzern – am 30.Mai gegen Jamaika und am 3.Juni gegen Peru.

Und wenigstens Admir Mehmedi (Freiburg) ist in toller Form, er könnte Xhaka im Nationalteam auf der Position des Spielmachers verdrängen.

Sturm: Hoffnungsträger Drmic

Im Angriff ist Josip Drmic, bei Nürnberg mit einer hervorragenden Spielzeit, die klare Nummer 1. Auch Mario Gavranovic, der vor kurzem Zürich zum Cupsieg schoss, ist treffsicher. Die weiteren Sturmkandidaten Haris Seferovic (San Sebastian) und Eren Derdiyok (Leverkusen) blicken dagegen auf frustrierende Monate zurück. Auch sie gehören zu jenen Fussballern, die Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld Sorgen bereiten.

Erstellt: 07.05.2014, 10:33 Uhr

Mögliches Kader

Tor (3): Diego Benaglio (Wolfsburg), Yann Sommer (Basel), Roman Bürki (GC). – Abwehr (7): Stephan Lichtsteiner (Juventus), Michael Lang (GC), Steve von Bergen (YB), Fabian Schär (Basel), Philippe Senderos (Valencia), Johan Djourou (Hamburg), Ricardo Rodriguez (Wolfsburg). – Mittelfeld defensiv (5): Gökhan Inler, Valon Behrami, Blerim Dzemaili (alle Napoli), Gelson Fernandes (Freiburg), Pirmin Schwegler. – Mittelfeld offensiv (5): Xherdan Shaqiri (Bayern), Granit Xhaka (Gladbach), Valentin Stocker (Basel), Tranquillo Barnetta (Frankfurt), Admir Mehmedi (Freiburg). – Sturm (3): Josip Drmic (Nürnberg), Mario Gavranovic (Zürich), Haris Seferovic (San Sebastian). – Aussenseiter: Marvin Hitz (Tor, Augsburg), Reto Ziegler (Abwehr, Sassuolo), Fabian Frei (Mittelfeld, Basel), Pajtim Kasami (Mittelfeld, Fulham), Eren Derdiyok (Sturm, Leverkusen).

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