Höchste Zeit für die Notbremse

Die Entlassung Challandes' war die einzig logische Entscheidung – der extrovertierte Trainer muss die Konsequenzen für die FCZ-Misere tragen, meint «Tages-Anzeiger»-Redaktor Peter Bühler.

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Was kann Bernard Challandes dafür, wenn der Stürmer Mehmedi in den ersten beiden Rückrundenspielen bei den Unentschieden gegen Xamax und Sion zweimal nur den Pfosten trifft und einmal den Ball aus kürzester Distanz nicht über die Torlinie bringt? Was kann der Trainer dafür, wenn der Künstler Chikhaoui das Kunststück fertigbringt, zwei Meter vor dem leeren Tor darüberzuschiessen, wie beim 0:1 gegen Aarau?

Nichts kann er dafür. Und doch ist in den gut drei Monaten seit der Winterpause eines klar geworden: Den Meister hat das Glück verlassen. Oder präziser: Er konnte das Glück nicht mehr auf seine Seite zwingen, wie ihm das in der Meistersaison und in der Qualifikation zur Champions League immer wieder gelungen war. Die Spieler glaubten nicht mehr an den Erfolg, die grösste Stärke des Trainers, seine Rolle als Motivator, verpuffte in der Kabine. Er erreichte die Mannschaft nicht mehr.

Neue Chance für die Spieler durch Entlassung

Die 18 Punkte und nur 5 Siege aus 13 Rückrundenspielen passen nicht zum Anspruch eines Meisterklubs, zumal die Doppelbelastung mit der Champions League nicht mehr da war, die im Herbst immer wieder als Ausrede für Enttäuschungen hatte herhalten müssen. Deshalb ist es richtig, dass Präsident Canepa und Sportchef Bickel die Notbremse zogen.

Challandes’ extrovertierte Art hatte sich in knapp drei Jahren bei den Spielern abgenützt, und seine Ausbrüche gegen die Schiedsrichter wurden auf Dauer für Mannschaft und Klub zur Belastung. Er muss nun mit der Entlassung die Konsequenzen für die Misere tragen, die Spieler dagegen erhalten einfach eine neue Chance.

Selbstkritik ist unumgänglich

Die Leitung des Vereins aber sollte sich mit einer Portion Selbstkritik hinterfragen. Präsident und Sportchef sind für die Zusammenstellung des Kaders verantwortlich. Sie haben es in der Winterpause versäumt, einen starken Stürmer zu verpflichten, obwohl Hassli und Chikhaoui dauerverletzt waren und sich Challandes ausdrücklich eine Verstärkung für den Angriff wünschte.

In der Meistersaison erzielten Abdi, Hassli und Alphonse 49 der insgesamt 80 FCZ-Treffer. Bei der Blamage gegen Aarau stand keiner von ihnen in der Startaufstellung. Abdi ist längst im Unfrieden geschieden, Hassli noch immer nicht fit, und Alphonse war nur noch Ersatz.

Erstellt: 20.04.2010, 08:37 Uhr

Peter Bühler

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