«Ich bin anderer Meinung als Ottmar Hitzfeld»

Obwohl Pirmin Schwegler als Captain des Bundesligisten Eintracht Frankfurt überzeugt, spielt er im Nationalteam zurzeit keine Rolle. Schwegler sagt, wie er darüber denkt, und erklärt seine Lebensphilosophie.

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Pirmin Schwegler, wie lange sind Sie nun schon Captain bei Eintracht Frankfurt?
Das ist jetzt die zweite Saison. Als wir vor zwei Jahren abstiegen, hat mich der neue Trainer Armin Veh zum Captain gemacht.

Eine solche Position muss man sich in Deutschland als Schweizer erst einmal hart erarbeiten. Wie haben Sie das geschafft?
Armin Veh war offenbar überzeugt davon, dass ich für dieses Amt der richtige Mann bin. Das ist für mich natürlich auch eine Auszeichnung für meine Leistungen und ein Vertrauensbeweis.

Veh spielte einst bei Gladbach in der Bundesliga und war Libero bei St. Gallen. Wie würden Sie ihn als Trainer charakterisieren?
Er ist absolut authentisch. Was er sagt, glaubt man ihm auch. Er überzeugt durch Argumente. Er strahlt Souveränität aus, er steht über vielen Dingen und ist eine ehrliche Haut. Er ist ein sehr positiver Mensch. Er kann aber auch sehr hart und konsequent sein, wenn es um die Sache geht.

Veh ist nach dem Abstieg gekommen, den man unter Christoph Daum nicht verhindern konnte. Wie haben Sie Daum in Erinnerung?
Ich habe noch selten einen derart akribischen Trainer erlebt. Daum lebte für den Fussball. Ich konnte auch von ihm sehr viel lernen. Als er uns als Feuerwehrmann übernahm, hatten wir allerdings eine schwierige Zeit. Das Umfeld war unruhig und die Fans unzufrieden.

Hätten Sie nach dem Abstieg den Verein nicht verlassen können?
Ich hatte keine Austiegsklausel, aber Angebote von anderen Bundesligaclubs. Wenn ich Druck gemacht und partout hätte gehen wollen, wäre das wohl auch möglich gewesen. Doch nach dem ersten Gespräch mit Armin Veh war für mich klar, dass ich bleibe. Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich alles richtig gemacht habe. Deshalb habe ich meinen Vertrag in Frankfurt nach dem Aufstieg um drei Jahre verlängert.

Die 2. Bundesliga ist für einen Absteiger aus dem Oberhaus ein hartes Pflaster. Mussten Sie diese Erfahrung auch machen?
Der Druck nach dem Abstieg sofort wieder aufsteigen zu müssen, war enorm. Wir waren in jedem Spiel Favorit, das war eine sehr schwere Aufgabe. Auch in der zweiten Liga wird ein hervorragender Fussball gespielt. Er ist sehr körperbetont und das Tempo ist enorm. Ich würde das Niveau mit der Super League in der Schweiz vergleichen.

Mit welchem System spielen Sie zurzeit?
Nach dem Aufstieg haben wir das System geändert. In der 2. Bundesliga praktizierten wir ein 4-4-2, spielten mit einer Raute wie damals der FC Basel mit Hakan Yakin. Also mit einem Spielgestalter hinter den beiden Sturmspitzen. Jetzt haben wir eine defensivere Variante, spielen ein 4-2-3-1-System. Also mit zwei Sechsern im defensiven Mittelfeld und einer einzigen Sturmspitze.

Wo liegt Ihre Position?
Ich bin einer der zwei Sechser im defensiven Mittelfeld.

Nach sieben Runden liegt Frankfurt hinter dem verlustpunktlosen FC Bayern auf dem zweiten Rang. Was sind Ihre Ziele?
Unser Ziel ist immer noch der Klassenerhalt. Wir haben uns jetzt schon ein schönes Polster erarbeitet, damit wir das auch schaffen können. Wichtig ist für uns, dass wir in jedem Spiel konkurrenzfähig sind. Und das ist uns bisher gelungen.

Sie mussten zuletzt in Mönchengladbach die erste Niederlage hinnehmen. Wie haben Sie das Team von Lucien Favre erlebt?
Man spürt langsam, dass die Gegner mit jeder Runde mehr Respekt vor uns haben. Wenn der letztjährige Bundesligavierte und ein so extrem ambitionierter Club wie Gladbach gegen uns im eigenen Stadion so betont defensiv auftritt, dann spricht das für uns. Leider haben wir die Partie verloren.

Kennen Sie Lucien Favre persönlich?
Wir haben vor Jahren einmal ein Gespräch geführt. Er wollte mich vom FC Luzern zum FC Zürich holen. Aber es hat damals nicht geklappt.

Was hat Favre in Deutschland für einen Namen?
Er hat sich mittlerweile einen grossen Namen gemacht. Er ist einer der besten Trainer. Ich habe grossen Respekt vor ihm.

Was trauen Sie Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri in der Bundesliga zu?
Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass es in Deutschland ein langer Weg ist bis zum Führungsspieler. Doch ich bin fest davon überzeugt, dass sich beide durchsetzen werden. Bisher kamen sie auch immer zu ihren Einsätzen.

Sie sind bei Eintracht Frankfurt Captain, ein absoluter Führungsspieler und erhalten die besten Zensuren. Trotzdem spielen Sie zurzeit in den Überlegungen von Nationalcoach Ottmar Hitzfeld keine Rolle. Schmerzt Sie das?
Natürlich mache ich mir meine Gedanken. Ich bringe bei der Eintracht meine Leistungen. Ich muss den Entscheid des Nationaltrainers akzeptieren, auch wenn ich anderer Meinung und Auffassung bin als Ottmar Hitzfeld. Aber ich mache mir deshalb keinen Kopf, ich werde es überleben. Mein Blick geht nach vorne. Bis zu einem gewissen Punkt kann ich es beeinflussen, danach nicht mehr.

Haben Sie noch Kontakt zu Hitzfeld?
Ja, das habe ich. Er hat mir gesagt, dass ich weiter Leistung bringen soll.

Sie wirken stets ruhig und besonnen, die Journalisten in Deutschland loben Ihr sympathisches Auftreten und Ihre gute Erziehung. Was sagen Sie dazu?
Eine gute Erziehung ist mir sehr wichtig, und ich werde sie irgendwann weitergeben.

Sie sind kein Lautsprecher wie beispielsweise Lothar Matthäus. Muss man als Captain nicht auch einmal laut werden?
Im Moment brauchen wir das in Frankfurt nicht. Ich bin überzeugt, dass dieser Weg der bessere ist. Bescheidenheit und Demut sind das, was mich auszeichnet, das wird mein Leben lang so sein.

Doch mit Bescheidenheit kommt man nicht immer unbedingt weit.
Das kann sein. Aber ich glaube doch, dass introvertierte Menschen eher auf jene Menschen Einfluss haben, die etwas im Kopf haben.

Können Sie überhaupt aus der Haut fahren?
Wenn ich merke, dass es nicht so fair abläuft, dann werde ich sauer. Ich bin überzeugt, dass Fairness und Gerechtigkeit der richtige Weg sind und am Ende auch belohnt werden.

Heute Abend spielt die Schweiz in der WM-Qualifikation gegen Norwegen. Werden Sie sich das Spiel anschauen?
Leider kann ich das nicht. Wir haben mit Frankfurt ein Testspiel.

Was trauen Sie der Schweiz in dieser Gruppe zu?
Ich bin überzeugt, dass wir Rang 1 erreichen und uns direkt für die Weltmeisterschaft in Brasilien qualifizieren. Wir verfügen über sehr viel Qualität. In der Nationalmannschaft stehen Spieler, die sich im Ausland durchgesetzt haben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.10.2012, 11:47 Uhr

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34. Runde

20.05.Borussia Dortmund - Werder Bremen4 : 3
20.05.M'gladbach - Darmstadt2 : 2
20.05.Hertha BSC - Bayer Leverkusen2 : 6
20.05.1. FC Köln - Mainz 052 : 0
20.05.Hamburger SV - VfL Wolfsburg2 : 1
20.05.Ingolstadt - Schalke 041 : 1
20.05.Hoffenheim - Augsburg0 : 0
20.05.Eintracht Frankfurt - RasenBallsport Leipzig2 : 2
20.05.Bayern München - SC Freiburg4 : 1
Stand: 20.05.2017 17:30

Rangliste

NameSpSUNG:EP
1.Bayern München34257289:2282
2.RasenBallsport Leipzig34207766:3967
3.Borussia Dortmund341810672:4064
4.Hoffenheim341614464:3762
5.1. FC Köln341213951:4249
6.Hertha BSC341541543:4749
7.SC Freiburg341461442:6048
8.Werder Bremen341361561:6445
9.M'gladbach341291345:4945
10.Schalke 043411101345:4043
11.Eintracht Frankfurt341191436:4342
12.Bayer Leverkusen341181553:5541
13.Augsburg349111435:5138
14.Hamburger SV341081633:6138
15.Mainz 05341071744:5537
16.VfL Wolfsburg341071734:5237
17.Ingolstadt34881836:5732
18.Darmstadt34742328:6325
Stand: 20.05.2017 17:30

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