«Ich bin enttäuscht von mir»

Nach dem 1:2 in Albanien ist Bernard Challandes nicht mehr Trainer von Armenien. Überraschend kam für ihn die Trennung nicht.

Für den Ruhestand fühlt sich Bernard Challandes (63) nicht bereit. Foto: Keystone

Für den Ruhestand fühlt sich Bernard Challandes (63) nicht bereit. Foto: Keystone

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Angefangen hatte alles so, wie Bernard Challandes sich das vorgestellt hatte. Armenien führte in der EM-Ausscheidung in Albanien 1:0, die Mannschaft spielte so, dass es ihrem Coach aus der Schweiz Freude machte. 70 Minuten hielt das Glücksgefühl an, dann sah ein Armenier Rot, fiel das 1:1 und erzielte Gashi, der Basler, das 2:1 für die Albaner. Nach der dritten Niederlage im vierten Spiel ­realisierte Challandes: «C’est fini.» Nach 13 Monaten endete seine Amtszeit.

Wieso war für Sie klar, dass eine Niederlage in Elbasan Ihr Ende als Coach Armeniens bedeuten würde?
Weil das mehr oder weniger so im Vertrag geregelt war. Wenn wir keine Chance mehr haben, uns für die EM 2016 zu qualifizieren, endet mein Anstellungsverhältnis. Ganz einfach.

Mathematisch besteht aber immer noch die Möglichkeit. Es ist erst die Hälfte des Pensums absolviert.
Ja, aber wenn man das Ganze realistisch betrachtet, ist es gelaufen. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir noch aufholen, ist sehr gering. Ich habe noch am Sonntagabend mit dem Generalsekretär darüber geredet, und wir sind zum Schluss gekommen: Wir trennen uns.

Also: Sie sind entlassen.
Stimmt so nicht. Der Vertrag ist zu Ende.

Wie sehr trifft Sie das im Stolz?
Ich bin nicht verletzt, weil ich ja wusste, was mit dem Verband abgemacht war. Also ist das, was nun eingetreten ist, für mich absolut kein Problem. Mich stört vielmehr, wie sich dieser Match gegen die Albaner entwickelt hat. Und dass wir nicht wenigstens einen Punkt mit­genommen haben. Wir waren oft nahe dran, verloren in Dänemark nur 1:2, in Portugal nur 0:1 … Das ist sicher keine Schande, aber so knapp die Niederlagen waren: Auch ich werde an Resultaten ­gemessen. Und wenn die nicht gut sind, muss ich mit den Konsequenzen leben.

Sie klingen sehr gefasst.
Ich bin schon enttäuscht, aber nicht von der Mannschaft, sondern von mir. Es ist mir nicht gelungen, den Traum von Frankreich umzusetzen, auch wenn ich nicht so verrückt war zu glauben, dass wir uns in dieser schwierigen Gruppe unbedingt qualifizieren müssen. Es gab viele Faktoren, die dazu führten, dass wir vom Weg abkamen: Verletzungen, Pech in einigen Spielen, strenge Schiedsrichterentscheide …

Haben Sie vom Verband Lohn ­bekommen?
Ja, pünktlich jeden Monat, und ein guter Lohn war es auch. Aber mich hat nicht Geld motiviert, diesen Job zu machen, sondern mein sportlicher Ehrgeiz. Und ich bekam auch Gelegenheit, in diesen 13 Monaten einiges zu lernen. Ich reiste in den Iran und nach Kasachstan, in Länder, die ich nie gesehen hätte, wenn ich nicht nach Armenien gekommen wäre.

Gehen Sie jetzt in Pension?
Ich werde im nächsten Jahr 65, das wäre das Alter dafür. Aber ich will das nicht. Ich kann nicht ohne Arbeit sein.

Ihre Frau wird sich freuen, dass Sie wieder in die Schweiz heimkehren.
Ihr tat es leid, dass wir am Sonntag verloren, aber ja: Sie ist nicht traurig, dass es fertig ist. Sie freut sich auf ein ruhigeres Leben mit mir (lacht).

Erstellt: 30.03.2015, 23:07 Uhr

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